Gewehr im Sturm

21. August 2012 13:53; Akt: 21.08.2012 14:21 Print

Amerika rettet die Kalaschnikow

Der russische Kalaschnikow-Hersteller steckt in der Krise. Rettung kommt ausgerechnet vom ehemaligen Erzfeind: Die Amerikaner sind wild auf das Kultgewehr aus dem einstigen «Reich des Bösen».

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Konstrukteur Michail Kalaschnikow mit dem Original-Gewehr. Seine zivile Version erlebt in den USA einen Boom. (Bild: Keystone/AP/Jens Meyer)

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Sie ist das berühmteste Sturmgewehr der Welt: Die AK-47, nach ihrem Erfinder Kalaschnikow genannt. Sie gilt als ebenso zuverlässig wie unverwüstlich. Zahlreiche Armeen schwören auf sie, ebenso Rebellen und Terroristen. Die Kalaschnikow ziert die Fahne von Mosambik, Osama Bin Laden hatte eine neben seinem Bett. Gegen 100 Millionen Stück wurden seit 1947 produziert, eines pro 70 Erdenbürger.

Doch nun steckt der Hersteller Ischmasch in der russischen Stadt Ischewsk in der Krise. Gründe sind die erwähnten Qualitäten der AK-47, aber auch billige Nachbauten vor allem aus China. Die russische Armee hat zudem ihre Bestellungen sistiert, bis die neuste Version namens AK-12 in Serie geht.

US-Polizei als Käufer

Für das Überleben von Ischmasch sorgt jetzt ausgerechnet der einstige Erzfeind: Die Exporte in die USA haben im letzten Jahr um 50 Prozent zugenommen, berichtet die «New York Times».

Der gesamte Anteil der russischen Produkte am auf 4,3 Milliarden Dollar geschätzten US-Waffenmarkt ist zwar klein, wächst aber rasant. Gefragt ist nicht das Original, sondern eine zivile Version namens Saiga, die keine Seriefeuer-Funktion besitzt. Auch US-Käufer schätzen die Qualitäten der Kultwaffe: «Es gibt auf der Welt kein zuverlässigeres Gewehr», zitierte die Zeitung einen Käufer. Für Aufsehen sorgte Anfang Jahr eine Meldung, wonach sogar US-Polizeieinheiten an einer Waffenmesse in Las Vegas die Saiga geordert hatten.

Handfeuerwaffen aus China faktisch verboten

Die Waffenkäufe in den USA sind seit der Wahl von Barack Obama zum Präsidenten explodiert, nicht zuletzt aus Furcht vor einem neuen Verbot halbautomatischer Waffen, wie es von 1994 bis 2004 bestanden hatte. Ein solches würde auch die Saiga betreffen. In den letzten Wochen haben das Blutbad in einem Kinosaal in Colorado, das Attentat auf einen Sikh-Tempel in Wisconsin und eine Schiesserei in Texas eine neue Debatte über die laxen Waffengesetze provoziert. Doch die US-Waffenlobby ist so stark wie nie zuvor.

Deshalb kann Ischmasch wohl auch in Zukunft auf die Kundschaft in Amerika zählen, zumal sie hier weitgehend vor Kopien geschützt ist. Die US-Regierung hat 1994 die Einfuhr von Handfeuerwaffen aus China laut «New York Times» faktisch verboten. Unklar ist, was der bald 93-jährige Konstrukteur Michail Kalaschnikow von Amerikas Begeisterung für seine Erfindung hält. Er soll gesundheitlich angeschlagen sein.

(pbl)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Myron am 23.08.2012 22:08 Report Diesen Beitrag melden

    Schiesse auch mit ihr herum

    Schiesse auch mit ihr herum - aber nur im Computerspiel. Dafür mit uneingeschränkter Seriefeuerfunktion. Abartig geil! Toller sound.

  • Ernsti am 23.08.2012 08:30 Report Diesen Beitrag melden

    Legende

    Ein Meisterstück seiner Art. Bin selber ein stolzer Besitzer von einer;)

  • Leon am 22.08.2012 13:40 Report Diesen Beitrag melden

    WDR Doku

    Die Doku über M.K. War sehr intressant. Glücklich sein Land mit befreit zu haben, unglücklich das sie in den falschen Händen ist und lebt sehr bescheiden und zufrieden.

  • Robi am 22.08.2012 11:33 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Legende

    Wirklich ein Meisterstück, 100 Mio zufriedene Kunden können sich ja nicht Irren... Freue mich schon auf die AK12

  • Jiri am 22.08.2012 08:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    besser informieren

    der Erfinder ist kein Mann,sondern eine Frau!

    • Michail am 22.08.2012 13:13 Report Diesen Beitrag melden

      Eher nicht

      Die AK-47 wurde von Michail Kalashnikov (AK-47 = Avtomat Kalashnikov, Modell 1947) erfunden. Und der ist ziemlich sicher keine Frau.

    • Cyrias am 22.08.2012 15:09 Report Diesen Beitrag melden

      Das grosse Vorbild

      Erfunden ist vielleicht ein bisschen viel gesagt. Es Ist zwar definitiv keine direkte Weiterentwicklung des StG44, aber sowohl optisch als auch von der Konstruktion (Blechprägeverfahren) haben sich die Russen am deutschen Vorbild orientiert. Auch das Prinzip des Gasdruckladers mit obenliegendem Gaskolben wurde kopiert. Der deutlichste Konstruktionsunterschied liegt wohl in der Form des Verschlusses. Es ist wohl nicht vermessen zu behaupten das so eine AK47 zu gut 70% dem StG44 entspricht.

    • leonhard am 23.08.2012 18:37 Report Diesen Beitrag melden

      stimmt

      er diente im Krieg und fand ein stg44.Davon leitete er viele technische Details ab

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