Köttbullar und Hot Dogs

21. August 2017 21:55; Akt: 21.08.2017 21:55 Print

Schweizer fahren eigens fürs Essen in die Ikea

von K. Wolfensberger - Sie waren als Marketing-Gag gedacht: die Ikea-Hot-Dogs. Inzwischen gehen immer mehr Kunden nur wegen des Essens in die Ikea.

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Pouletflügeli mit Pommes frites für 9.95 Franken, dazu ein kleiner Salat für 1.50 Franken: im Restaurant des Möbelhändlers Ikea gibt es inzwischen deutlich mehr als Billig-Hot-Dogs und schwedische Köttbullar-Fleischbällchen. Und die Gerichte sind so günstig, dass immer mehr Kunden dazu extra nur fürs Essen ins Möbelhaus fahren.

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Das gilt auch für die Schweiz: Wie Zahlen von Gastrosuisse zeigen, ist die Möbelkette hierzulande mit einem jährlichen Food-Umsatz von 65,5 Millionen Franken inzwischen zum neuntgrössten Restaurationsbetrieb des Landes aufgestiegen. Vor Ikea liegen nur noch grosse Akteure wie McDonald's, Migros, Coop oder Manor. In Deutschland besucht inzwischen sogar ein Drittel der Gäste die Ikea-Filialen nur wegen des Essens. Auch dort spielt das Möbelhaus in einer Liga mit Anbietern wie Nordssee oder Subway.

Eigene Pop-up-Restaurants

Der Erfolg des Ikea-Foods ist auch der Konzernleitung nicht entgangen. Statt sich zu fragen, wie sie den Leuten wieder mehr Möbel andrehen können, setzt sie verstärkt aufs Restaurantgeschäft. Wie der «Spiegel» berichtet, plant Ikea beispielsweise Essen bald online anzubieten.

Doch das soll nicht alles sein. In Städten wie London, Paris oder Oslo testet Ikea den Betrieb von Restaurants ausserhalb der Möbelcenter. 2016 baute Ikea in Paris und im hippen Londoner Stadtteil Shoreditch Pop-up-Restaurants auf. Dort durften die Gäste an der Seite von Kochprofis auch selber Hand anlegen. Und in Deutschland rollte sogar ein Ikea-Food-Truck durch die Städte.

Auch Ikea Schweiz setzt voll auf Food und bietet den Kunden als Neuheit bald vegane Gerichte an. «Ab September gibt es bei uns in allen Restaurants von Swissveg zertifizierte vegane Menüs», erklärt Ikea-Sprecher Alexander Gligorijevic auf Anfrage von 20 Minuten. Insgesamt erwirtschafte der Konzern weltweit heute schon fünf Prozent seines Umsatzes mit Lebensmitteln.

Gezielt auf Familien ausgerichtet

Laut Marken-Experte Cary Steinmann basiert der Erfolg der Ikea-Verpflegung auf mehreren Faktoren: «Mit der Art der Menüs richtet sich Ikea gezielt an Familien, auf die wiederum das Möbel-Angebot abzielt.» Somit schlage der Konzern zwei Fliegen mit einer Klappe und versüsse den Kunden den Aufenthalt.

Zweitens seien die Gerichte clever ausgewählt. Experte Steinmann erklärt: «Sie haben einen schwedischen Touch, sind aber dem internationalen Geschmack angepasst.» So würde Ikea den Schweizer Kunden beispielsweise niemals Surströmming vorsetzen – ein beliebtes nordschwedisches Gericht aus vergorenem, faulig-stinkendem Fisch. Vielmehr setze der Konzern mit seinen Köttbullar auf pseudo-schwedische Folklore, die dank der lustigen Namen bei den Kunden sehr gut ankomme.

Drittens sei das Preis-Leistungs-Verhältnis der Gerichte unschlagbar: «Zehn Fleischbällchen mit Kartoffelstock, Rahmsauce und Preiselbeeren für 5.95 Franken – da kann kein Fast-Food-Restaurant mithalten», so Steinmann. Und zu guter Letzt biete das Konzept mit Pop-up-Stores für die Zukunft die Möglichkeit, Kunden vermehrt beim Essen auf beispielsweise Ikea-Stühle Probe zu sitzen. «Marketingtechnisch ein Hammer», so Steinmann.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Karin M. am 21.08.2017 22:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nebeneffekt

    Es gibt viele Familien und Rentner, die sich dank IKEA ab und zu ein Auswärtsessen leisten können. War vielleicht nicht die Absicht des Möbelriesen, aber ein netter Nebeneffekt. Find ich gut.

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  • Jan am 21.08.2017 22:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ikea seit Eröffnung ein Hit

    Kerzen kaufen und Hotdog reinziehen. Ein gelungener Samstag. Was will man mehr? Nicht jeder hat das Geld für Champagner und Jacht auf irgendwelche Schweizer Seen. Man muss sein Leben geniessen.

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  • Christoph am 21.08.2017 22:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Läufer

    Ich sehe das Problem hier nicht ganz...wenn ich im Manor essen will,laufe ich auch zuerst durch den ganzen Laden,bevor ich beim Futtertrog bin.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • josipovic Zlatko am 22.08.2017 21:23 Report Diesen Beitrag melden

    Essen bei IKEA

    Besondere Feinschmecker, aber vernünftig, im normalen Restaurant kann man das Essen nicht mehr bezahlen, ausser man fährt nach Deutschland....

  • Minelli am 22.08.2017 20:52 Report Diesen Beitrag melden

    Kaum Schweizer dabei

    Schweizer? Nein, kaum. Schaut doch mal, die Leute dort stammen von überall, nur nicht aus der Schweiz.

  • Ohne Auto am 22.08.2017 19:27 Report Diesen Beitrag melden

    oder so

    Eine Frage bleibt unbeantwortet : Wie kommen all die Männer, Frauen und Kinder jeweils zur nächsten IKEA ? Mit dem Auto, dem ÖV oder zu Fuss? Die zwei ersten Gruppen können sich immerhin ein Auto - also Benzin, Versicherungen und evt. eine Garage sowie ein Billette leisten. Wer aber zu Fuss zur nächsten Filiale gehen kann, dürfte in der Nähe einer Filiale wohnen. Und ja, wenn in der IKEA, dürfen es auch die Hackbällchen sein. Aber aus Spargründen, gar Not extra hinreisen... ? Geht die Rechnung auf?

  • lola am 22.08.2017 19:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zu weit weg

    also für uns lohnt sich das gar nicht dorthin zu fahren. wenn man am zürichsee oder am albis wohnt ist das zu weit weg.

  • Mike am 22.08.2017 19:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lecker

    Kötbullar ist auch das Beste an Ikea... :-)

    • Kotzbollen = Köttbullar am 22.08.2017 21:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mike

      Schon der Name tönt nicht gerade appetitlich! Wegen ein paar Hackfleischbölleli muss ich nicht auswärts essen. Dass es für Handwerker mal die Lösung sein kann, wenn sie in der Nähe arbeiten, sehe ich noch ein, aber dass man sich das regelmässig als Familie zumutet mit dieser Schnellfrass-Abfertigung, da fehlt mir jegliches Verständnis. Mit dem selben Geld kann man tiptope Familie-Essen kochen!

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