Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
WEF-Debriefing
01. Februar 2012 15:26; Akt: 01.02.2012 15:56 Print
«Wer nicht in Davos ist, gehört nicht dazu»
von G. Looser/K. Ramezani - Richard Quest kritisiert vieles am WEF - und ist doch jedes Jahr dabei. Die CNN-Ikone über Langeweile in Davos, Traumberufe und spannende Interview-Partner.

Richard Quest am Dienstag auf Besuch bei 20 Minuten in Zürich. (Bild: 20 Minuten/Nicolas Aebi)
Richard Quest ist Business Anchor und eines der bekanntesten Gesichter bei CNN International. Mit seinem unverwechselbaren Stil macht der gebürtige Brite komplexe Wirtschaftsthemen für ein weltweites Publikum fassbar. Neben seinen Sendungen Quest Means Business und Marketplace Europe berichtet er jedes Jahr vom WEF in Davos, so auch 2012. Vor seiner Rückreise nach London traf ihn 20 Minuten in Zürich zum Gespräch.
Die Events am WEF strotzen vor Plattitüden wie «Nachhaltigkeit», «Herausforderung» und «Leadership». Wer tut sich so etwas Langweiliges an?
Richard Quest: Ich mache mir jedes Jahr einen Spass daraus, im Programm das Panel mit dem undurchsichtigsten, sinnlosesten und lächerlichsten Titel zu finden. Aber letztlich geht es ja nur um einen Einstieg ins Thema.
Ein Einstieg, aus dem sich tatsächlich eine engagierte Diskussion entwickelt?
Nein, das Panel-Format, welches das WEF seit Jahrzehnten verwendet, erschwert die echte Auseinandersetzung. Da sitzen sechs Personen in Sesseln …
sechs Männer …
…es gibt auch Frauen, aber ja, hauptsächlich Männer, alte Männer…
… alte weisse Männer …
… hauptsächlich alte, weisse Männer aus Europa und Nordamerika (lacht) – das ist nicht wahr, es hat sich vieles verändert. Aber diese Panels funktionieren einfach nicht mehr.
Sind die Veranstaltungen lediglich ein Vehikel für interessantere Gespräche unter vier Augen?
Absolut, und wer etwas anderes behauptet, verkauft Alchimie. Nicht dass es am WEF gar keine interessanten Veranstaltungen gibt. Vor ein paar Jahren nahm ich an einem Seminar über Blumengestecke teil. Es war sehr interessant und auch gut besucht.
Sie scherzen!
Doch, mit Rosen.
Werden Sie 2013 wieder nach Davos kommen?
Alle in Davos beklagen sich darüber, wie langweilig das WEF ist, wie lausig das Essen und die Hotels. Aber wenn sie abreisen, sagen sie zueinander: See you next year! Genau so ist es: Wer nicht in Davos ist, gehört nicht dazu. Das WEF leistet zu Beginn jedes Jahrs eine Art «Soft Reset»: Was sind die wichtigen Themen? Was denken die Mächtigen aus Politik und Wirtschaft darüber? Was sind ihre Lösungen? Das ist sehr wertvoll.
Das nächste Mal werden Sie 50 sein…
Mein Geburtstag ist im März. Teure Geschenke und Schokolade sind höchst willkommen…
…und fast 30 Dienstjahre auf dem Buckel haben. Was gibt es für CNN-Anchorman Richard Quest noch zu erreichen?
Ich nähere mich gerade meiner Midlife Crisis und habe mir dieselbe Frage gestellt. Die Antwort lautet: Ich werde meinen Job noch besser machen. Ich habe schon über viele Wirtschaftskrisen berichtet, aber diese hier ist aussergewöhnlich. Ich muss mich weiterbilden, um zu verstehen, was eine Kreditausfallversicherung ist. Die Geschichten werden immer komplizierter.
Also bleiben Sie Journalist?
Oh Gott, ja, ich könnte nichts anderes tun! Auch das passiert, wenn man 50 wird: Man realisiert, dass man zu nichts anderem taugt.
Hat Sie in Davos noch nie ein CEO abwerben wollen?
(Zögert) Nein.
Will man Sie nicht? Oder ist allen klar, dass Sie ablehnen würden?
Spielt keine Rolle. Ich sage das ganz klar und unmissverständlich: Ich habe gerade meinen Vertrag mit CNN International erneuert. Ich habe keinerlei Absicht, anderswo hinzugehen. Wenn ich wechseln würde – was ich nicht tue – dann müsste es am neuen Ort mindestens so gut sein.
Zum Beispiel?
Die einzige Branche, in der ich mir einen PR-Job vorstellen könnte, ist die Luftfahrt. Airlines sind mein Lieblingsthema.
Was wäre, wenn Premierminister David Cameron Sie bitten würde, zu seinem Team zu stossen?
Nein.
Irgendein anderer Politiker?
Nein. Nein.
Die Queen?
Ahh, Ihre Majestät. Bestimmt wäre es eine faszinierende Erfahrung, für den Hof zu arbeiten. Ich bin ein bekennender Monarchist.
Welches Interview in Ihrer Karriere haben Sie am meisten genossen?
Hugh Hefner, Gründer des Playboy-Magazins. Er ist ein unglaublich aufmerksamer Gesprächspartner, der wirklich überlegt, bevor er antwortet.
Welches am wenigsten?
Davon gab es zu viele. Eines allerdings – seinen Namen werde ich nicht nennen – war das Schlimmste. Ein Sänger. Bis zu jenem Interview mochte ich seine Musik, heute kann ich sie nicht mehr hören, ohne dass mir die Galle hochkommt.
Bevor Sie in Pension gehen, wen wollen Sie noch befragen?
Tom Cruise. Ich wünsche mir ein langes Interview mit Tom Cruise.
Wirklich? Der hat doch schon so viele gegeben.
Irgendwie habe ich das Gefühl, bisher hat noch keiner herausgefunden, wie er wirklich tickt. Eines habe ich von Hugh Hefner gelernt: Wenn Playboy jemanden interviewt, bestehen sie auf drei Stunden Gesprächszeit. So lange braucht man, um PR-Training und Fassade herunterzureissen und die eigentliche Person zum Vorschein zu bringen.
Wir danken Ihnen für dieses Gespräch …
… und bevor ich in Pension gehe, möchte ich noch aus der Air Force One berichten. Wie toll wäre es, einen Beitrag mit diesen Worten abzuschliessen: «Richard Quest, CNN, Air Force One»!
Richard Quest für CNN am WEF 2012:
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»
Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.
«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»
Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.
«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»
Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)
Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?
Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 72 Stunden, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.
































Grossartig
Eine total genialer Typ. Hat Ahnung vom Business und ein sehr begabter Journalist.
Sicher nicht !
Wer nicht dabei ist, gehört zur richtigen Riege der Leader. Denn wenn jemand 500'000 Euros für eine WEF-Teilnahme bezahlen muss, geht es nur um sein Ego. Die echten Leader haben das nicht nötig und treffen sich an anderen mehr diskreten Plätzen.
Humor
Hehe genialer Typ....