Einheitliches Verbot

16. November 2012 09:24; Akt: 16.11.2012 11:18 Print

Kinder-Werbung soll endlich abspecken

von J. Pfister - Salat statt Burger: Ab 2013 will auch McDonald's TV-Spots für Kids einschränken - wie es eine Schweizer Branchenvereinbarung vorsieht. Diese steht jedoch in der Kritik: Sie sei zu schwammig.

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Werbung für Kinder unter 12 Jahren soll eingeschränkt werden. McDonald's will die Schweizer Vereinbarung im nächsten Jahr durchsetzen. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Lebensmittelwerbung ködert die Jüngsten gerne mit Ungesundem. Dies zeigte jüngst eine Analyse der Schweizer Konsumentenschutz-Organisationen. Demnach werden in rund einem Viertel der Lebensmittel-Spots während des Kinderprogramms Fast Food, Süssigkeiten und Snacks aufgetischt. Kein Wunder, dass Kinder mit höherem Fernsehkonsum immer dicker würden, monierten Konsumentenschützer. Ihre Forderung: Die Unternehmen sollen die Werbung für Kinder reduzieren und die Branchenvereinbarung Swiss Pledge (siehe Box) unterzeichnen.

Umfrage
Lebenmittelwerbung für unter 12-Jährige - braucht es das?
55 %
27 %
18 %
Insgesamt 1263 Teilnehmer

Die Kritik der Konsumentenschützer hat Wirkung gezeigt. Nach Coca Cola, Zweifel, Kellog's oder Nestlé hat nun auch der Fast-Food-Riese McDonald's beschlossen, der Vereinbarung per Januar 2013 beizutreten und TV-Spots für Kinder einzuschränken. Das heisst konkret: Bei der Happy-Meal-Werbung werden statt Burger mit Pommes Nuggets mit Gemüse oder Früchten aufgetischt, statt Coca-Cola schlürfen Kinder Wasser oder Fruchtsaft. Auf EU-Ebene hatte der Fast-Food-Konzern diese Richtlinien schon Anfang 2012 umgesetzt im Rahmen des EU-Pledges.

Migros will auch einsteigen

Bei der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) ist man über diese Entwicklung erfreut, knöpft sich aber zugleich die nächsten Unternehmen vor. «Wichtige Akteure wie Coop, Migros und Ferrero müssen die Vereinbarung ebenfalls unterzeichnen», fordert Josiane Walpen. Gerade Ferrero bewerbe mit Snacks wie Schoko-Bons oder der Kinderschnitte Produkte, die für Kinder nicht nur gesund seien. So bestehe die Kinderschnitte zu mehr als der Hälfte aus Zucker und Fett.

Während Migros laut Sprecherin Monika Weibel die Grundsätze der Schweizer Branchenvereinbarung aufnehmen und künftig auf Produktewerbung für Nahrungsmittel an unter 12-Jährige verzichten will, winken Ferrero und Coop ab. Für Ferrero reicht die Branchenvereinbarung der EU aus, Coop hat eigene interne Richtlinien, die laut Sprecherin Sabine Vulic deutlich umfassender sind. «Wir bewerben nur Produkte, die wir speziell für Kinder entwickelt haben und die Bewegung und das Bewusstsein für ausgewogene Ernährung unterstützen.»

Sind Honeypops nun ungesund?

Hinter vorgehaltener Hand kritisieren einige Unternehmen, die nicht Mitglied der Vereinbarung sind, diese als undurchsichtig. «Das Versprechen, die Werbung für Kinder einzuschränken, wird sehr unterschiedlich wahrgenommen und umgesetzt», heisst es. Das weiss auch Josiane Walpen vom SKS. «Jedes Mitglied des Swiss Pledge hat andere Kriterien, welche Produkte nun als gesund gelten und deshalb auch bei unter 12-Jährigen beworben werden und welche nicht.» So würde Kellog's hierzulande beispielsweise Honeypops bewerben, während Werbung für diese Frühstücksflocken in England oder Irland verboten sei.

Für Walpen ist deshalb klar: «Die Schweizer Branchenvereinbarung braucht strengere, einheitliche Kriterien.» Hier sei auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) gefordert, welches die Swiss Pledge offiziell anerkenne. Auf Anfrage sagt dort Sprecherin Eva van Beek: «Wir sind bestrebt, die Entwicklung dieser Kriterien in Abstimmung mit der EU voranzutreiben.» Auch die Verantwortlichen von Swiss Pledge sprechen von einem koordinierten Vorgehen auf europäischer Ebene. «Wir nehmen die Forderung der Konsumentenschützer aber sehr ernst», sagt Pia Lehmann.

Parlament am Schluss gefordert?

Falls es dennoch nicht zu diesen einheitlichen Richtlinien für die Kinder-Werbung kommt, können Konsumentenschützer immer noch auf das Parlament hoffen. Am letzten Freitag hat sich die nationalrätliche Gesundheitskommission ebenfalls dafür ausgesprochen, Werbung für Chips & Co. einzuschränken.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Jeder der in der Medizin arbeitet weiss das ungesundes essen unser Gesundheitssystem am stärksten belastet. Man wird schneller krank Übergewicht usw. Diese Fakten werden bewusst ignoriert. Rauchen ist auch ungesund aber was da für ein Aufwand und Geld reingesteckt wird steht in keinem Verhälltnis zu den folgen. Hingegen sieht man immer wie mehr Kinder die nicht einmal mehr Treppen laufen können weil sie so dermassen erschöpft sind, dass sie des öfteren pausieren müssen. Bei ungesundem Essen wird viel zu wenig getan. Aber das nennt man wohl Politik. – Die Pille

Mit Verboten und Einschränkungen kann man sich keine "gesunden" Menschen heranzüchten. Man sollte vielleicht eher die Eltern dazu animieren, mit ihren Kindern etwas zu unternehmen, anstatt sie vor die Glotze zu setzten. – Stefan

Ich vestehs nicht ganz, wenn mal als Kind eine Werbung sieht geht mann ja nicht in den Laden und kauft sich das. Sondern bittet die Eltern darum. Meiner Meinung nach ist ungesunde Ernährung bei Kindern ein Erziehungsfehler und kein Werbeproblem von MC Donalds und co. – Rebecca Kratzer

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Stefania am 16.11.2012 10:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eltern?!

    Was ist mit den erwachsenen die ihre kinder vollstopfen bis zum rand?! Gibt es leider immernoch zu viele... Als ich au-pair war bekamen die kinder nichts süsses von mir. Ganz strikt. Und auch ich werde meinen kindern nicht erlauben sich bis zum rand mit chips oder schokolade vollzustopfen. Ab und zu ok aber nicht jeden tag. Und isst ein kind seinen teller nicht auf gibts bei mir auch keinen nachtisch. Wir sind für die gesundheit unserer kleinen verantwortlich und ich weiss wie es ist wenn die fettleibigkeit zum gesundheitsproblem wird!! Hatte ich auch! Deshalb lieber einen apfel.

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  • Angel Heart am 16.11.2012 10:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ungesundes Essen

    Wieso erziehen die Eltern ihre Kinder nicht einfach? Bei uns gab es zum zwischendurch Früchte, für Schokolade oder Süssigkeiten mussten wir die Eltern erst fragen, ob wir was haben dürfen. Es wurde gesund gekocht und Mc Donalds - damals in den Anfängen hier in der CH, vielleicht 1x pro Jahr als Ausnahme in den Ferien. Kinder-Schokolade gab es zu Weihnachten oder Geburtstag. Gefehlt hat mir nie etwas! Und wir wussten, dass wir nicht immer alle Wünsche aus der TV-Werbung erfüllt kriegten oder mussten selber sparen dafür. Was ist das heute nur für ein Erziehungs-Stil?

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  • Le Franc am 16.11.2012 12:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zuviel Werbung

    Werbung sollte allgemein abgeschafft werden.. Ausserdem schadet Werbung der Wirtschaft (unnötige Arbeit). Man nehme sich ein Beispiel an Frankreich, dort ist im Fernsehen bis 20.00 Werbung verboten!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ueli am 17.11.2012 12:17 Report Diesen Beitrag melden

    Kinder kaufen Nahrung ?

    Ist doch kein Problem! Meine Kinder entscheiden noch lange nicht selber, wo wir essen gehen und was auf den Tisch kommt. Das Problem sind doch die Eltern, die beide arbeiten und weder lust noch zeit haben, auf gute Nahrung zu achten! Nicht die Kinder kaufen die Nahrungsmittel. Hier muss man sich an die Vernunft er Eltern wenden und keine Staatlichen Organe darauf hetzen. Sind wir schon so blöd, dass wir nicht mehr selber denken können?

  • Oliver am 17.11.2012 09:55 Report Diesen Beitrag melden

    Kinderwerbung?!

    Ich bin erstaunt, dass hier nur Essensgewohnheiten und Erziehungsprobleme erörtert werden. Das eigentliche Problem besteht doch darin dass überhaupt für Kinder Werbung gemacht werden darf. Kinder haben wenig oder kein Geld, desshalb kratz die Kinderwerbung vorallem an der Geldbörse der Eltern. Vor Urzeiten gab es in der Werbe-Branche eine gewisse Ethik, die Werbung für Kinder und unmündige Personen verpönte. Aber heute will man natürlich mit allen Menschen Geld machen, sonst könnte die arme Wirtschaft ja noch Defizite machen.

  • Philippe Trachsel am 17.11.2012 07:52 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht die Werbung das Problem.

    Ich mag zwar Werbung definitiv nicht, aber bei diesem Thema hat sie keine Schuld. Einzig und allein die Eltern. Würde mann die Kinder wieder mit Mass TV schauen lassen und sich auch wieder um die Eltern kümmern, dann währe alles halb so schlimm. Aber Heutzutage will jeder alles. Und somit brauchen auch beide Eltern einen Job. Liebe Vätter und Mütter. Entweder Kind oder Luxus. Beiedes ist absolut daneben und auch nicht gesund. (FÜR DAS KIND !!!) Unternehmt wieder was mit den Kindern anstatt sie nur vor die Glotze zu setzen. Mann mich nervt das so dermassen. Unfähige Erziehung !!!

  • N.R. am 16.11.2012 23:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verantwortung abschieben

    Ist wieder mal super, die Eltern haben einen Grund ihre Verantwortung abzuschieben!!! Man sollte einfach den gesunden Menschenverstand einschalten, auch mal ein "Gutzi" oder eben ein Besuch im Mc ist ok! Als Eltern ist man ein Vorbild!! Habe selbst 2 Kinder, wir gehen Täglich nach draußen egal bei welchem Wetter und so haben sie ihre Bewegung und wir alle sind zufrieden!!!

  • René am 16.11.2012 21:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Elternhaus

    Man sollte die Eltern auf die Ernährung sensibilisieren.