Starinvestor Albert Wenger

16. März 2016 15:05; Akt: 16.03.2016 15:05 Print

«Trotz Grundeinkommen werden wir arbeiten»

von K. Wolfensberger - Risikokapitalgeber Albert Wenger sagt, wieso er das bedingungslose Grundeinkommen befürwortet und was es für den Erfolg eines Start-ups braucht.

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Herr Wenger, nehmen uns Roboter bald die Jobs weg?
Das Internet und die Digitalisierung verändern derzeit die Wirtschaft. Im Rahmen der sogenannten Industrie 4.0 werden Roboter und Automaten in absehbarer Zeit Angestellte aus vielen Bereichen verdrängen. Viele Jobs, die mit manueller Arbeit zu tun haben, werden verschwinden. Das wird zu Problemen führen. Wir werden nicht mehr in der Lage sein, allen Leuten Arbeit zu bieten.

Wie können wir dieses Problem lösen?
Durch die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens.

Wie es in der Schweiz dieses Jahr zur Abstimmung kommen wird?
Genau. Denn wir haben heute einen Stand der Entwicklung erreicht, dass wir genug Wissen und Kapital hätten, um jedem Menschen ein solches Einkommen zukommen zu lassen. Keiner sollte sich mehr fragen müssen, ob er morgen genug zu essen hat oder nicht. Es geht dabei vor allem um eine Verteilung von Gütern. Allerdings ist es wichtig, dass der Markt die Verteilung regelt und nicht der Staat. Gibt man den Leuten ein Grundeinkommen, können Sie die überlebenswichtigen Produkte auf dem Markt so nachfragen, wie sie dies wünschen. Der Markt wiederum stellt sie effizient zur Verfügung.

Der Bundesrat lehnt das Grundeinkommen ab. Er sagt, dass so die Wertschöpfung verringert würde und Firmen aus der Schweiz ins Ausland abwandern würden.
Ich halte das für eine Fehleinschätzung. Was der Bundesrat vergisst: Arbeit ist in der Schweiz schon teuer, vor allem im Vergleich zu Niedriglohnländern wie Indien oder China. Ein Grundgehalt, das die Arbeit noch ein wenig verteuert, kann sogar von Vorteil sein. Die Leute wären dann weniger bereit, gewisse Tätigkeiten wie Reinigungsarbeiten auszuführen. Das wiederum würde zum Beispiel die Entwicklung eines Reinigungsroboters begünstigen. Weil Arbeitskräfte zu teuer wären, würde der technische Fortschritt beschleunigt.

Das Problem ist doch, dass die Leute nicht mehr arbeiten wollen, wenn wir ein bedingungsloses Grundeinkommen einführen.
Beim Grundeinkommen, wie ich es fordere, handelt es sich um einen relativ tiefen Betrag. Ob 1000 Dollar für die USA oder 2500 Franken für die Schweiz: Die Leute werden noch arbeiten wollen. Der Unterschied zu heute wird sein, dass die Leute nicht mehr bereit sein werden, die schlechten Jobs wie WC-Putzen für einen Tieflohn zu machen. Ausserdem gibt das Grundeinkommen den Menschen die Möglichkeit, mal zu Hause zu bleiben und sich um kranke Angehörige zu kümmern. Das sind wichtige Arbeiten, die heute oft auf der Strecke bleiben.

Sie sind Europäer, leben aber in den USA. Was ist in Amerika besser als bei uns?
Ganz klar die optimistische Grundhaltung der Geschäftsleute, ihre Einstellung gegenüber neuen Ideen. In den USA heisst es: Probiere es ruhig einmal aus! Man glaubt, dass man die Welt verändern kann. In Europa haben die Leute hingegen Angst vor Misserfolg. Klappt etwas nicht, heisst es: Warum nur hast du das gemacht? In den USA hingegen stört es niemanden, wenn mal etwas schiefläuft.

Ist es denn wichtig für den Werdegang eines Unternehmers, dass er einmal scheitert?
Scheitern bildet den Charakter. Wer sofort Erfolg hat, überschätzt sich danach meist selbst. Wer hingegen erst einmal scheitert und im zweiten Anlauf auf einen grünen Zweig kommt, bleibt eher auf dem Boden. WhatsApp-Gründer Brian Acton hat bewiesen, dass Scheitern nichts Schlimmes ist. 2009 bewarb er sich bei Facebook und erhielt den Job nicht. Dann gründete er WhatsApp. Schliesslich verkaufte er den Kurznachrichtendienst an Mark Zuckerberg für Milliarden.

Acton hatte einfach Glück im Unglück.
Das stimmt. Glück spielt allgemein eine grosse Rolle. Ich habe meine Frau in einem Café in Paris kennengelernt. Wäre ich zehn Minuten später dort gewesen, hätte ich sie verpasst. In der Geschäftswelt reicht Glück allein aber nicht. Es braucht eine gute Idee und die richtigen Skills. Intelligenz, Fleiss und Glück multiplizieren sich schliesslich gegenseitig.

Wie wichtig ist für ein Start-up neben Glück der Standort? Muss ein IT-Start-up zwingend im Silicon Valley zu Hause sein?
Google, Apple, Facebook: Alle sind sie im Valley gegründet worden oder später dorthin gezogen. Allerdings verliert das Valley an Bedeutung. Der Grund: Das Internet weicht die Bedeutung einzelner Standorte auf. Skype wurde zum Beispiel in Europa gegründet. Und in Zukunft werden wir immer mehr neue
IT-Firmen ausserhalb des Valleys sehen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Daniel am 16.03.2016 15:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zwei Dinge

    Es gibt 2 Aspekte, die ich wichtig finde: Es geht um eine Verteilung der Güter, die Gesellschaften sich leisten können müssen. Mit einem BGE lässt man Freiheiten und den Markt spielen. Zweitens ist die Idee einer Art Grundeinkommen vielleicht noch nicht reif, aber dennoch wieder mal was Visionäres. Die Abnahme der Arbeit für alle ist ein zu lösendes Problem.

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  • Sinan am 16.03.2016 15:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gratuliere

    herr Wagner es ist sehr interessant zu lesen wie Sie recht haben Ihre prognose ist sehr treffend und voll nachziehbar ich gratuliere Ihnen für Ihre enorme wissen.

  • Andre am 16.03.2016 15:37 Report Diesen Beitrag melden

    Blieben alle gleich zuhause?

    2500 Franken sind in der Schweiz ja sooo viel, klar da würde jeder nichts mehr zusätzlich arbeiten gehen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mustafa am 30.03.2016 20:03 Report Diesen Beitrag melden

    Vielleicht weniger im Monat

    Was wäre wenn man pro Erwachsenen einfach "nur" 1000.- pro Monat bekommt? Nur als Ergänzung, dass man mehr Geld zur verfügung hat. Für Kinder kein Geld, da gibts ja schon Kindergeld. Da wären 1000.- im Monat pro erwachsenen schon finanzierbar und jeder hätte freude daran.

  • Anton Keller am 17.03.2016 15:38 Report Diesen Beitrag melden

    durchfüttern

    Real gesehen: Jeder, der arbeitet, muss diejenigen die nicht arbeiten durchfüttern. Heute sind es die Alten, die Kinder und die nicht Leistungsfähigen. Mit dem BGE kommen einfach noch diejenigen hinzu die für den geringen Mehrlohn verständlicherweise keine Lust haben zu arbeiten.

    • Marco am 17.03.2016 15:47 Report Diesen Beitrag melden

      @Anton Keller

      Sie haben eine Gruppe vergessen! Es gibt zwei Arten von Arbeitslosen die armen und die reichen Arbeitslosen die von Zinsen leben. Beide müssen sie durch Ihre Arbeit durchfüttern.

    • jelo am 17.03.2016 18:14 Report Diesen Beitrag melden

      von Zinsen leben

      ja und ich wette diese Zinsbeträge werden durch den Zinseszins immer höher

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  • Jenny am 17.03.2016 15:03 Report Diesen Beitrag melden

    Schade um den ersten Vorschlag

    Ich würde ja ja stimmen, wenn der erste Ansatz der Initianten zum tragen kommen würde. Da forderten sie mindestens 4000.- pro Person. Dadurch Wegfall aller Sozversicherungen. Da es jetzt um 2000-2500.- geht, brauchen Behinderte Leute trotzdem noch Sozversicherungen. Zudem bekommt man nur die Differenz zum Arbeitseinkommen. Also nur wer mit Arbeit unter 2500.- verdient bekommt was. Also keiner, da die Linken ja sagen, unter 4000.- kann keiner Leben. Somit eine Todgeburt. Schade, denn da ich keine Nachkommen habe, kann mir ja Wurst sein, ob die Schweiz in Armut versinkt.

  • Jonei am 17.03.2016 14:21 Report Diesen Beitrag melden

    2500.- vs. 30'000.-

    Wer soll das bezahlen? Die Steuerzahler. Das heisst, wenn ich jetzt z.B. 5'000.- verdiene, würde mir der Lohn einfach umdeklariert: 2'500.- Grundeinkommen und 2'500.- Lohn. Das bringt nichts! Oder: 2'500.- Grundeinkommen und 5'000.- Lohn = 7'500.-, Und Ende Jahr muss ich dann 12 x 2'500.- = 30'000.- mehr Steuern bezahlen. Oder wie soll das laufen? Am Ende bezahlen die Arbeiter einfach mehr Steuern als jetzt. So sieht es aus!

    • Axellund am 17.03.2016 16:33 Report Diesen Beitrag melden

      Aprpos Steuern

      Dank der Steuerprogression bezahlen Sie auf den Lohn ihres Arbeitgebers (in ihrem Beispiel 2500.- pro Monat) weniger Steuern. Die 2500 Grundeinkommen werden (wenn überhaupt) separat besteuert. Sie bezahlen also bei gleichbleibendem Einkommen schon einmal weniger Steuern. In den Unternehmen sinken die Lohnkosten. Die Gewinne der Unternhemen werden somit gesteigert, was dazu führt, dass diese somit mehr Steuern bezahlen. Wäre nun noch die Abschaffung der Pauschalbesteuerung nicht an der Urne gescheitert würden die steigenden Unternehmensgewinne nicht nur privatisiert werden...

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  • Luzi Müller am 17.03.2016 14:20 Report Diesen Beitrag melden

    Gartis: Human Resources im Ausverkauf

    Das reichste 1% der Welt besitzt ca 50% des gesammten Weltvermögens. Arbeit wird immer knapper und die "resource" Mensch wird immer unwichtiger. Vieles wird in Zukunft von Robotern gemacht. Autos fahren selbständig.Selbst in der Altenpflege kommen nun Roboter zum Einsatz. Es wird Zeit das den Menschen auch endlich einen Wert zugesprochen wird. Finanzierung? Mein Vorschlag: Kapitaltransfersteuer. Jeden Tag werden an der Börse zig Milliarden verschoben und mit unserer Arbeitsleistung spekuliert. seht euch mal den Kapitalgewinn der Reichen an. Und vergleicht mit euren Lohnerhöhungen.