Budget-Beratung

26. Oktober 2017 08:36; Akt: 26.10.2017 08:36 Print

Darauf musst du beim ersten Lohn achten

von R. Knecht - Für junge Arbeitnehmer gibt es Stolperfallen im Umgang mit ihrem Lohn. Wie können Lehr- und Studienabgänger das Budget in Balance halten?

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Tausende junge Schweizer haben im Sommer das Studium oder die Lehre abgeschlossen. Sie treten jetzt ihren ersten Vollzeitjob an – und erhalten nach vielen finanziell mageren Jahren ihren ersten vollwertigen Monatslohn von mehreren tausend Franken.

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Der neue Geldsegen erfordert aber auch einen neuen Umgang mit den eigenen Finanzen. 20 Minuten rechnet anhand von Budgetbeispielen der Budgetberatung Schweiz vor, was nach Abzug aller Kosten vom ersten Lohn noch übrig bleibt.

Was bleibt von 6000 Franken Lohn übrig?

Ein 26 Jahre alter Ingenieur verdient in seinem ersten Job nach dem Studium netto knapp 6000 Franken pro Monat. Auch ein 21-jähriger Maurer bekommt nach der Lehre gegen 6000 Franken. Der neue Lohn wirkt im Vergleich zu Nebenverdiensten oder dem Lehrlingslohn riesig. Wenn die Empfänger nun ausziehen und unabhängig leben wollen, kommen aber auch mehr Kosten dazu.

Am stärksten fallen die Wohnkosten ins Gewicht. 1500 Franken zahlen beide Berufseinsteiger monatlich für die Miete. Damit haben sie noch 4500 Franken übrig.

Steuern monatlich bezahlen

Den zweitgrössten Posten bilden die Steuern. Ingenieur und Maurer können den Betrag mit den fälligen Rechnern der eidgenössischen Steuerverwaltung bereits im Vorfeld ermitteln. Sie leben in einem Hochsteuerkanton, wo es in ihrem Lohnsegment rund 13'200 Franken im Jahr sind.

Laut Andrea Schmid, Beraterin und Vizepräsidentin von Budgetberatung Schweiz, ist es klug, Steuern der Steuerverwaltung in monatlichen Tranchen direkt zu überweisen. In Kantonen, in denen die direkte Überweisung nicht möglich ist, muss man eine Rückstellung vornehmen. Der Maurer und der Ingenieur müssen laut dem Beispielbudget im Schnitt je 1100 Franken pro Monat für Steuern einrechnen. Vom Nettolohn bleiben noch 3400 Franken.

Wer Mitte Jahr zu arbeiten beginnt, muss bei der nächsten Steuerrechnung noch wenig bezahlen, sagt Beraterin Schmid. Im Folgejahr könnte die Rechnung dann aber um ein Vielfaches höher ausfallen. Dessen müssen sich junge Arbeitnehmer bewusst sein.

Versicherungen nicht vergessen

Wenn bisher die Eltern die Versicherung übernommen haben, darf man diese Auslagen nicht unterschätzen. Krankenkasse, Hausrat- und Haftpflichtversicherung kosten den Ingenieur monatlich 440 Franken. Nach Abzug sämtlicher Fixkosten sind noch 2610 Franken vom Lohn übrig.

Wer auszieht, muss sich bewusst sein, was ein Haushalt kostet. Beim jungen Maurer schlägt er mit 650 Franken zu Buche. Nach diesem Abzug sind vom Lohn weniger als 2000 Franken übrig.

Rückstellungen für Unvorhergesehenes

Ebenfalls wichtig sind Rückstellungen. Budgetberatung Schweiz empfiehlt, dass man auf der Lohnstufe der beiden Berufseinsteiger 330 Franken für Unvorhergesehenes, Zahnarzt oder die Jahresfranchise zurückstellt. Damit bleiben noch 1630 Franken.

Es empfiehlt sich, für unregelmässige Rechnungen Rückstellungen auf ein separates Konto zu überweisen, so Schmid. Finanzielle Entscheidungen werden oft aufgrund des aktuellen Kontostands gefällt. Dabei wird vergessen, dass das Geld wegen der Rückstellungen gar nicht für anderes zur Verfügung steht.

350 Franken Taschengeld

Schliesslich gönnt sich der junge Ingenieur im Monat 350 Franken Taschengeld für die Freizeit. Dazu kommen noch die Kosten für Kleider und Schuhe, sodass die persönlichen Ausgaben bei insgesamt 500 Franken liegen.

Von den 6000 Franken pro Monat bleiben nach allen Abzügen noch 1130 Franken übrig. Diesen Betrag nutzt der Maurer für die Finanzierung des Autos sowie für den Unterhalt seines Haustiers und hofft, am Ende noch etwas für die Ferien sparen zu können.

Das Wichtigste ist laut Beraterin Schmid, dass eine Budgetplanung gemacht wird, bevor wichtige Entscheidungen gefällt werden. So wird schnell klar, wie viel die Wohnung oder die Ferien kosten dürfen. Wer Geld bewusst lenke, habe weniger psychischen Druck und lebe unbelasteter.

Was, wenn die Bilanz negativ ist?

Bei den persönlichen Auslagen gibt es laut Schmid viele Möglichkeiten zu sparen. Dies betrifft etwa Taschengeld, Kleider, Ausgang, Handy und Genussmittel. Ein Vorschlag wäre, teure Clubs zu meiden und stattdessen das Wochenende zu Hause mit Freunden zu verbringen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Benno am 26.10.2017 08:48 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr guter Lohn

    Wenn man mit einem Einkommen von immerhin 6000 gross planen muss, macht man etwas falsch. Wenn man nicht gerade in der teuersten Wohnung lebt, reicht dies, wenn man ein normal denkender vernünftiger Mensch ist, locker aus zum Leben. Was machen alle jene, die mit 6000 eine Familie ernähren oder jene, welche gar nicht erst 6000 verdienen? Dort muss geplant werden.

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  • Innerschweizer am 26.10.2017 08:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erster Lohn

    Da geht es um den ersten Lohn und im Rechnungsbeispiel wird mit 6'000 Netto gerechnet! Das ist sehr Praxisnah.

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  • Leben am 26.10.2017 08:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Netto 6'000.-- haben...

    ...und das Leben ohne Ausgang, Genussmittel, Restaurant, einfach Zuhause bleiben um zu sparen, damit man mit 70 anfangen zu Leben kann...... ICH geniesse mein Leben Heute und Jetzt! Mit 70 bleibe ich lieber Zuhause mit Freunden,falls ich noch lebe.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Burim am 27.10.2017 07:47 Report Diesen Beitrag melden

    Interesierre mich nicht

    Ich erhallte meine Lohn von amt von sociale..

    • Martin am 27.10.2017 09:56 Report Diesen Beitrag melden

      Kein Stolz

      Das nennt man dann aber nicht "Lohn", sondern "Almosen".

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  • Myrthe am 26.10.2017 23:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    4300.- brutto

    und was machen die welche 4300.- Brutto haben und alleine davon Überzeugt 500.-für KK bezahlen wie z.B. in Basel-Stadt?

    • Sparfuchs Aargau am 27.10.2017 06:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Myrthe

      In einen vernünftigeren Kanton mit tieferen Steuern und KK Prämien umziehen?

    • Zuger am 27.10.2017 07:37 Report Diesen Beitrag melden

      @ Sparfuchs Aargau

      Der Aargau ist nach mehreren gescheiterten Steuerreformen nicht gerade ein Paradebeispiel in Sachen Steuern:-) Der Aargau steckt in finanzpolitisch schwierigen Zeiten, es drohen erneut rote Zahlen.

    • Vanessa am 27.10.2017 07:45 Report Diesen Beitrag melden

      @ Sparfuchs Aargau

      Seit wann zahlen Sie in der sozialen Hängematte Steuern?

    • Sparfuchs Aargau am 27.10.2017 21:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Vanessa

      Liebe Vanessa nichts soziale Hängematte! Meine Partnerin und ich arbeiten beide 100% und liegen nicht faul rum wie andere!

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  • Aldy am 26.10.2017 21:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Krank und richtig?

    Ein Maurer bekommt nach der Lehre 6000 Netto nöd schlecht nach dem KV gabs keine 4000....überlegt euch also wo es hingeht. Krank ist das ein Kanton 13200 Steuern abzieht einfach nur krank, das grenzt an enteignung! Aber wir werden ja auch für Geld besteuert das wir gar nicht haben (wie zb die Steuer) aber auch der KK Abzug von 2400 entspricht nirgends mehr der realität die Durchschnittsprämie liegt deutlich höher, mit anderen Worten (wir reden ja von Netto) nach 10 % soz abgaben, und 5-8 % Krankenkasse und Gesundheistkosten werden nochmals knapp 25% als Steuern veranschlagt krank!

  • ExplosivoPraemius am 26.10.2017 20:56 Report Diesen Beitrag melden

    Billag

    Anstatt dem SRF Gelder zu schenken, sollte man lieber die 400 Franken in einen Gesundheitsförderfond einzahlen müssen. Würden diese Millionen von Franken anstatt fürs TV unter den Krankenkassen aufgeteilt, so könnten die Prämien auch mal sinken. Wäre dann eine sinnvolle Geldausgabe, welche sicher mehr Leute ohne Murren bezahlen würde. Würde zumindest einen Teil der hohen Lebenskosten senken.

  • Joachim am 26.10.2017 20:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Subkonten

    Wir haben für alles separate Subkonten: Steuern, Ferien, GA, Versicherungen, Hypothek etc... So haben wir eine super Übersicht, welcher Betrag wofür zur Verfügung steht und welcher Betrag verjubelt werden kann.