Steuerstreit

08. August 2012 15:24; Akt: 08.08.2012 15:36 Print

Auch Europareisen sind für Banker riskant

von Rachel Richterich, sda - Die Angestellten der elf Banken in der Schweiz, die Daten an die USA geliefert haben, sollten ihre Ferien vielleicht besser in der Schweiz verbringen.

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Besser Matterhorn statt Eiffelturm, für Banker können Europareisen riskant sein.

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Den Bankmitarbeitern, deren Namen im Steuerstreit an die USA ausgeliefert wurden, drohen weitere Unannehmlichkeiten. Neuerdings ist es möglich, dass sie sich nicht nur auf US-amerikanischem, sondern auch auf europäischem Boden nur noch eingeschränkt bewegen können.

So können die US-Behörden via Interpol rechtliche Schritte gegen die Bankmitarbeiter in die Wege leiten, sofern die USA mit dem entsprechenden europäischen Land ein Auslieferungsabkommen abgeschlossen haben.

Dies ist allen voran der Fall bei den Schweizer Nachbarstaaten Frankreich, Deutschland, Italien und Österreich sowie auch Grossbritannien, wie Denise Chervet vom Schweizerischen Bankpersonalverband (SBPV) der Nachrichtenagentur SDA erklärt.

Auch Zeugen gesucht

Der SBPV unterscheidet dabei zwei Arten von Personengruppen unter den rund 10 000 betroffenen Bankangestellten. Einerseits gebe es da jene, die direkt mit US-Kunden gearbeitet und sich auch in die USA begeben hatten. Diese Bankmitarbeiter liefen Gefahr, wegen Beihilfe zu Steuerhinterzug gemäss dem US-Steuergesetz bestraft zu werden, so Chervet.

Andererseits müssen sich gemäss Chervet auch jene Bankangestellten, die zwar keinen Kontakt mit US-Kunden hatten, jedoch über Zugang zu Kundendaten verfügten und Befehle ausgeführt haben, auf etwas gefasst machen. «Auch wenn diese Mitarbeiter kein Risiko laufen, bestraft zu werden, so könnten sie zum Beispiel als Zeugen aufgerufen werden.»

Geheime Interpol-Listen

Der Genfer Anwalt Douglas Hornung teilt diese Befürchtung. Er betreut insgesamt rund 40 aktuelle und ehemalige Angestellte von Banken, die in die Steueraffäre verwickelt sind. «Man weiss nicht, was die USA mit den Bankmitarbeiterdaten anstellen werden. Als Vorsichtsmassnahme rate ich meinen Mandanten daher, die Schweiz nicht zu verlassen.»

Festnahmen seien durchaus möglich, erklärt Hornung. Im April dieses Jahres etwa sei eine Person am Frankfurter Flughafen festgehalten worden, weil sie den gleichen Namen wie ein Mitarbeiter der Credit Suisse trug, dessen Auslieferung von Washington beantragt worden war.

Es sei unmöglich zu wissen, wer genau auf den geheimen Fahndungslisten von Interpol stehe, sagt wiederum Denise Chervet vom SBPV. «Interpol macht niemals publik, gegen welche Personen ermittelt wird.»

Elf Banken im Visier

Mitte April dieses Jahres hatte der Bundesrat entschieden, dass die elf im Visier der US-Steuerbehörden stehenden Banken die Namen ihrer Mitarbeiter an die USA ausliefern dürfen. Auch die Übergabe von Angaben Dritter, zum Beispiel externer Vermögensverwalter, wurden von der Schweizer Regierung autorisiert. Jedoch mussten die überlieferten Daten zumindest verschlüsselt bleiben.

Zu den elf Banken gehören die Credit Suisse, die Bank Julius Bär, die Bank Wegelin, HSBC Schweiz, die Basler wie auch die Zürcher Kantonalbank, die nicht mehr aktive Neue Zürcher Bank, die Liechtensteinische Landesbank sowie die israelischen Banken Leumi, Hapoalim und Mizrahi.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dani am 08.08.2012 20:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schau in den Spiegel

    Alle ziehen über die Banken her, unseren wichtigsten Rohstoff. Aber keiner beschwerte sich über die Steuerzahlungen im mehrstelligen Millionenbereich von denen der Staat jahrelang profitierte! Ich habe damals in Zürich keinen Restaurantbesitzer sich über die massloson Banker beschweren hören, welche bestes Rind assen und erlesenen Wein tranken. Autohändler die kaum mit Bestellungen machkamen. Hotels die Bankgäste beherrbergten. Firmenbankette wurden gross angelegt, Künstler eingeladen etc. Wo war damals die Kritik!!!

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  • Josef Ackermann am 09.08.2012 10:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Verantwortlichen

    Liebe USA. Mein Vorschlag, die ganze Sache gerecht, sauber und mit sehr wenig Aufwand zu bereinigen: Lasst doch einfach die tausenden kleinen Fische in Ruhe und behändigt euch den wahren Verantwortlichen Verbrechern. Nämlich den Topkadern der Banken.

  • Sando M am 08.08.2012 22:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was waren wir ohne die banken

    Immer gegen die banken! Nie dran gedacht wer di schweiz zudem gemacht hat was sie ist! Ohne den finanzplatz schweiz sind wir nichts und wären nicht! Sonder immer noch ein armer bauernstat!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Josef Ackermann am 09.08.2012 10:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Verantwortlichen

    Liebe USA. Mein Vorschlag, die ganze Sache gerecht, sauber und mit sehr wenig Aufwand zu bereinigen: Lasst doch einfach die tausenden kleinen Fische in Ruhe und behändigt euch den wahren Verantwortlichen Verbrechern. Nämlich den Topkadern der Banken.

  • Manuel G. am 09.08.2012 07:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weltpolizei

    USA die Weltpolizei oder anders gesagt das unschuldigste Land der Welt. Alles was nicht Made in USA ist ist ein problem. Und ja schade kann das Volk nicht den Bundesrat wählen. Das ist der Preis. ..Danke SP

  • Robi am 08.08.2012 23:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Namen änder.

    Bin der meinug man solte den 10000 mitarbeiter die möglichkeit geben ihre namen zu änder.

    • Bünzli am 09.08.2012 01:58 Report Diesen Beitrag melden

      Wie naiv..

      ...waren doch alle. So langsam kommt die ganze Bankenmentalität an den Tag. Auch im Hinblick mit dem Steuerstreit mit Deutschland. Die IT macht es eben möglich, höchst sensible Daten zu klauen und gegen Gewinn weiter zu geben. Geld ist eben Geld - und kein effektiv erwirtschaftetes Produkt! Nein, auch kein Handelsgut. Endlich wird uns Bürgern Einblick gegeben in eine Branche, die bis vor einigen Jahren als top seriös und praktisch unantastbar galt. Geld lässt ja bekannterweise keine Identifikation des Eigentümer zu und besteht ja oft nicht einmal auf dem Papier!

    • M. Anonym am 09.08.2012 07:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      weiss es ja nicht mal

      zuerst muss ich mal wissen ob ich auf der liste bin... arbeite für eine dieser banken und habe us kunden aber meine bank sagt mir nicht ob ich auf die liste gesetzt wurde... elende frechheit

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  • Oliver am 08.08.2012 22:32 Report Diesen Beitrag melden

    Bundesrat liefert eigene Bürger aus

    Die Finma hätte die entsprechenden Banken und den Bundesrat länst anklagen müssen, da dies ein klarer Verstoss gegen das Datenschutzgesetz darstellt. Die Mitarbeiter, die von den Banken zu äusserst riskanten aber lukrativen Geschäften genötigt wurden, sollen nun die Zeche bezahlen? Ich traue meinen Ohren nicht. Und eine Regierung, die die eigenen Bürger ans Messer liefert, hat jegliche Legimitität verloren. Man hätte von Anfang an, keine Eingeständnisse machen sollen im Steuerstreit. Die betreffenden Banken sollen die Suppe selber auslöffeln.

  • Sando M am 08.08.2012 22:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was waren wir ohne die banken

    Immer gegen die banken! Nie dran gedacht wer di schweiz zudem gemacht hat was sie ist! Ohne den finanzplatz schweiz sind wir nichts und wären nicht! Sonder immer noch ein armer bauernstat!

    • Th.Duden am 08.08.2012 23:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Nüüt für unguet...... 

      Früher gab es auch bei den Banken echte Patrons und nicht nur Manager, eben die heutigen Bankster. So trug die Finanzwirtschaft einen schönen Anteil zum Wohlstand unserer Schweiz bei. Sie sollten aber auch an die Chemie, die Maschinen - und Uhrenindustrie usw nicht vergessen. Wir wären sicher kein unterentwickelter Bauernstaat geblieben......

    • Sparschwein am 09.08.2012 01:33 Report Diesen Beitrag melden

      Richtig,,

      ,,die Wirtschaft und die Politik haben es fertig gebracht, danke der Banken eine riesige Verschuldung zu verursachen. Und davon haben die Banken und ihre Manager jahrelang profitiert. Und heute geben die Banken dem Fussvolk kaum etwas. Man muss froh sein, dass man sein Geld zinslos deponieren darf.

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