Hacker-Gefahr

13. Dezember 2013 09:25; Akt: 13.12.2013 12:18 Print

Europas Bankenwächter warnen vor Bitcoin

Der Handel mit der virtuellen Währung Bitcoin wird immer umstrittener. Nun hebt auch die Europäische Bankenaufsicht EBA den Mahnfinger.

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Anfällig für Hacker-Angriffe und Geldwäscherei: Bitcoins. (Bild: Keystone)

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Der rasante Aufstieg von Bitcoin ruft zunehmend Finanzaufseher auf den Plan. Die chinesische Notenbank verbot vor wenigen Tagen den Banken des Landes Transaktionen mit der digitalen Währung. Nun meldet sich auch die Europäische Bankenaufsicht EBA zu Wort. Sie gab eine ausdrückliche Warnung vor virtuellen Währungen heraus.

In einer dreiseitigen Erklärung betont die in London ansässige European Banking Authority, dass die teils anonymen Transaktionen im Handel mit Bitcoin für kriminelle Aktivitäten wie Geldwäsche genutzt werden könnten. Bei Verdacht auf kriminelle Handlungen könnten Strafverfolger Bitcoin-Börsen kurzfristig schliessen. Dann hätten die Nutzer keinen Zugriff auf ihre Guthaben. Die EBA empfiehlt daher, im Handel mit virtuellen Währungen kein «echtes» Geld einzusetzen, wenn «man es sich nicht leisten kann, dieses zu verlieren».

Gefahr für den realen Finanzsektor

Die scharfe Warnung aus Europa erfolgt nur wenige Tage nach einer Anweisung der chinesischen Zentralbank. Diese hatte Finanzinstitute angewiesen, keine Guthaben von Unternehmen anzunehmen, die mit der Bitcoin-Branche zusammenarbeiten. Damit wollte sie offenbar verhindern, dass eine mögliche Krise auf dem Markt für virtuelle Devisen auf den realen Finanzsektor übergreift.

Die EBA ist die Dachorganisation der nationalen Aufsichtsbehörden der 28 EU-Staaten. Im Gegensatz zur chinesischen Zentralbank hat sie nicht das Recht, virtuelle Währungen zu verbieten. Sie will jedoch prüfen, ob diese «reguliert und überwacht werden können und sollten».

Tücken des Systems werden immer deutlicher

Im Gegensatz zu den offiziellen Währungen wie dem US-Dollar oder dem Euro steht hinter Bitcoin keine Zentralbank wie die Federal Reserve oder die EZB. Vielmehr produzieren Hochleistungscomputer über komplexe Rechenprozesse – sogenanntes Mining – das virtuelle Geld, das dann in teilnehmenden Läden zum Einkaufen verwendet oder auf unregulierten Online-Börsen weltweit gehandelt werden kann.

Mit der steigenden Leistungskraft moderner Computer steigt auch die Menge der existierenden Bitcoins. In diesem Jahr ist die Nachfrage regelrecht explodiert: Zwischen Februar und Anfang Dezember ist der Bitcoin-Kurs von etwa 20 US-Dollar auf mehr als 1.200 Dollar gestiegen.

Jüngst brach der Kurs jedoch wieder ein, weil die Tücken des Systems immer deutlicher werden. So musste die Internet-Börse Sheep Marketplace schliessen, nachdem Kriminelle ein IT-Schlupfloch genutzt und 5.400 Bitcoin von Nutzerkonten gestohlen hatten. Das virtuelle Diebesgut entspricht einem Marktwert von mehr als 5 Millionen US-Dollar.

Was mit den fehlenden Bitcoins geschehen ist, bleibt unklar. Der Administrator der Seite hat die Nutzer aufgefordert, Kontodaten zur Erstattung der Verluste anzugeben. Einträge in Foren zeigen jedoch, dass die meisten Kunden ihr Guthaben schon abgeschrieben haben. Viele verdächtigen den mittlerweile abgetauchten Administrator des Diebstahls.

Nutzer warten auf Geld

Auch die weltweit zweitgrösste Bitcoin-Börse Mt. Gox leidet in dieser Woche unter Problemen. Nutzer klagen über lange Wartezeiten bei der Auszahlung ihrer Guthaben in Euro oder Dollar. Viele Kunden bezweifeln die offiziellen Angaben der Börsenbetreiber, dass technische Gründe für den Auszahlungsstopp verantwortlich seien. Offensichtlich ignoriert die Börse schon seit Wochen sämtliche Anfragen.

(hoy)