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US-Gesundheitsreform
22. März 2010 13:45; Akt: 22.03.2010 17:30 Print
Pharmabranche profitiert nur teilweise
von Sandro Spaeth - In den USA erhalten bald 32 Millionen Personen neu eine Krankenversicherung. Für die Pharmabranche bedeutet dies steigende Umsätze, doch zum Jubeln ist es noch zu früh.
Ist dies wegen möglicher Gewinne auch ein grosser Sieg der Pharmaindustrie? «Die Anzahl Leute ohne Versicherung reduziert sich um 32 Millionen Personen. Für die Pharmaindustrie sind das alles zusätzliche Kunden», sagt der Pharma-Analyst David Kägi von der Bank Sarasin. Für die Medikamentenhersteller bedeute dies mehr Umsatz, weil Leute mit einer Krankenkasse eindeutig mehr Leistungen bezeihen würden. Die zusätzlichen Umsätze sind aber nur eine Seite der Medaille.
Der Pharmabranche muss die Medikamentenpreise weiter senken
Mit 44 Mrd. Dollar Umsatz ist die US-Pharamfirma Pfizer der grösste Hersteller der Welt. Verkaufschlager ist der Cholesterinsenker Lipitor.(Bild: Keystone)
Zwang zu Rabatten
Wegen der Gesundheitsreform werden die Gewinne von Pfizer, Merck &. Co. aber kurzfristig eher sinken: «Die neuen Gesetze zwingen die Pharmahersteller zu weiteren Rabatten und auferlegt ihnen zusätzlichen Steuern», so Kägi. Folglich erwartet der Analyst kurzfristig eher sinkende Kurse für Pharma-Papiere.
Die Gesundheitsreform – über die seit Obamas Amtsantritt immer wieder gestritten wurde – schwebte stets als eine Art Damoklesschwert über der Pharmabranche. «Gut ist, dass nun Klarheit herrscht», sagt Kägi. Jetzt könnten sich die Firmen darauf einrichten. Wollen die Pharmahersteller aber weiterhin Resultate in ähnlicher Höhe wie bisher erreichen, kommen sie laut Kägi nicht darum herum Kosten zu sparen. «Die Gesundheitsreform in den USA wird sich für die nächsten drei bis vier Jahre negativ auf die Resultate der Pharmakonzerne auswirken», sagt Kägi. Der US-Pharmamarkt ist bisher der grösste und profitabelste der ganzen Welt. Die Profitabilität dürfte nun zunächst sinken. Längerfristig sieht der Sarasin-Analyst dank den Millionen von neuen Versicherten aber positive Auswirkungen für den Pharma-Sektor.
Die ganz Armen sind bereits versichert
Anders als vielerorts angenommen, sind es nicht die Ärmsten, die bald in Genuss einer Krankenkasse kommen. Sie sind bereits jetzt vom Gesundheitsfürsorgeprogramm Medicaid erfasst, das mit den Reformen stark ausgeweitet wird. Laut Kägi sind es hauptsächlich junge Männer, die nun bald eine Krankenversicherung erhalten. Bisher blieb ihnen nur der Gang in die Notaufnahme eines Spitals, falls sie ernsthaft erkrankten. «Hatten sie kein Geld, blieben die Spitäler auf den Kosten sitzen,» sagt Kägi. Und weiter: «Die Spitäler werden in dieser Beziehung von Obamas Reformen profitieren.» Viele US-Spitäler gehören heute privaten Krankenhaus-Konzernen. Der grösste private Krankenhauskonzern der Vereinigten Staaten ist mit über 20 Milliarden Dollar Umsatz die Hospital Corporation of America (HCA).
Pharma-Lobby unterstützte Obama
Die US-Pharmaindustrie wird ab 2011 über einen Zeitraum von zehn Jahren über 30 Milliarden US-Dollar zur Finanzierung des amerikanischen Gesundheitssystems beitragen müssen. Trotzdem hat die Pharma-Lobby Obamas Plan unterstützt – denn längerfristig sind die 32 Millionen neuen Kunden für die Branche ein Segen.
Dass etwas geschehen musste, war den Pharmaunternehmen längst klar. Die US-Gesundheitskosten sind gigantisch und betragen bereits 17 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP). Zum Vergleich: In der Schweiz sind es 10 Prozent des BIP. Gründe dafür sind schlechte Ernähung und viel zu wenig Bewegung, sowie der Hang der Amerikaner zur Rechtsstreitigkeiten, was hohe Versicherungsprämien der Ärzte und Spitäler zur Folge hat.
























