Versicherungen

15. April 2011 07:22; Akt: 15.04.2011 07:23 Print

Mogelpackung bei Zahnspangen

von Elisabeth Rizzi - Wer eine Zusatzversicherung für Zahnspangenbehandlung abschliesst, kann eine böse Überraschung erleben. Denn oft ist die Deckung tiefer, als ahnungslose Kunden glauben.

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Geht schnell ins Geld: Behandlung beim Zahnarzt (Bild: Keystone)

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Zahnspangenbehandlungen können ein Haushaltsbudget auf den Kopf stellen. Denn sie veranschlagen schnell mehr als 10 000 Franken. Viele Eltern schliessen deshalb eine Zusatzversicherung für mögliche Zahn- und Kieferfehlstellungen ihrer Kinder ab. Diese kostet bis rund 60 Franken monatlich für Kinder bis 18 Jahre.

Bei Helsana besitzt ein Drittel aller Versicherten den Zusatz Dentaplus. Bei der ÖKK haben zwei Drittel eine Dental-Zusatzversicherung abgeschlossen. Bei Visana haben gar 80 Prozent der Grundversicherten eine oder zwei Zusatzversicherungen, in denen Zahnbehandlungen gedeckt sind.

Grosse Unterschiede bei der Deckung

Die Anbieter geben in ihren Verträgen an, zwischen 50 und 80 Prozent der anfallenden Kosten zu übernehmen. Doch es ist ein Irrglaube, dass eine Zusatzversicherung den im Vertrag angegebenen Kostenanteil tatsächlich deckt. Die Spanne der gedeckten Kosten ist in der Versicherungslandschaft riesig. Das zeigt eine in der Schweizerischen Monatsschrift für Zahnmedizin publizierte Studie.

Das Problem: Von den 24 untersuchten Krankenkassen rechnen 38,8 Prozent der 85 möglichen Zusatzversicherungen bloss den Suva-Taxpunktwert von 3.10 Franken. ab. Tatsächlich können die Zahnärzte aber mit einem Tapunktwert von maximal 5.80 Franken arbeiten. Das bedeutet, dass die entsprechenden Versicherer bloss durchschnittlich 54,1 Prozent des Rechnungsbetragsvergüten. Mit Ausnahme von sieben Versicherungen besteht zudem eine jährliche Kostenübernahmelimite oder eine Limite für die Gesamtkosten.

Das alles steht selbstverständlich in den jeweiligen Vertragsbedingungen. Wer allerdings das Kleingedruckte nicht akribisch studiert, fällt auf die Nase. So hat die Zeitschrift «Bon à Savoir» nun errechnet, dass angesichts aller Beschränkungsmöglichkeiten im schlimmsten Fall bloss 26,7 Prozent statt 50 Prozent der Behandlungskosten vergütet werden.

Wirrwar bei Angeboten

Allerdings ist das Wirrwarr auch bei den Versicherungsangeboten gross. Die im Test als schwarzes Schaf deklarierte Swica wehrt sich entsprechend: «Es wurde bloss unser Angebot Completa Top in den Vergleich aufgenommen», so Sprecherin Gaby Szöllösy. Hier übernimmt die Kasse nur für Kinder und nur zum Taxpunktwert von 3.10 Franken die Hälfte der Kosten für Kieferorthopädische Behandlungen bis 10 000 Franken. Daneben bietet die Versicherung aber auch die spezielle Zahnzusatzversicherung Denta an. Diese deckt laut Szöllösy zusätzlich zur Completa Top 75 Prozent der Behandlungskosten zu jedem Taxpunktwert bis 4000 Franken.

Der Angebotsdschungel ist auch bei anderen Versicherungen gross. «Es gibt ausser dem Taxpunktwert noch weitere Einschränkungen wie etwa Karenzfristen nach Abschluss einer Versicherung oder Begrenzungen der Versicherungsleistung mit einem fixen jährlichen Frankenbetrag», warnt Felix Adank, Sprecher des Zahnärzteverbandes SSO. Aus diesem Grund empfiehlt der Verband auch, die Offerten vor Abschluss einer Zusatzversicherung gründlich zu prüfen. Laut Adank sollten Eltern Kinder ab dem zweiten Altersjahr für eine Zahnzusatzversicherung anzumelden.

Gleich klingt es bei der Schweizerischen Stiftung Patientenschutz (SPO). «Vor allem wenn in der Familie Zahnfehlstellungen verbreitet sind, sollten Eltern sich schnell mit dem Thema befassen und Offerten einholen», rät SPO-Präsidentin Margrit Kessler. Daneben sei es aber auch in der Selbstverantwortung der Eltern, einen familienfreundlichen Zahnarzt zu suchen, der mit dem Suva-Tarif arbeitet. «Man muss das zwar bezahlen. Aber es ist durchaus möglich, sich bei verschiedenen Zahnärzten Offerten einzuholen», sagt sie.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ulf Benz am 15.04.2011 08:48 Report Diesen Beitrag melden

    Sozialhilfe erledigt es!

    Da geht es den Sozialhilfeempfängern besser. Die haben keinen KK Prämie zu bezahlen, keine Selbstbehalte, keinen Zahnarzt (Zahnspangen für die Kinder werden auch bezahlt). Für eine 4-köpfige Familie gibt es dazu noch etwa CHF 5800.00/netto im Monat für Wohnung und und sonstige Lebenskosten. Einziger Nachteil: Einfach kein Haus oder sonstige Vermögenswerte in der Schweiz haben. Eine Liegenschaft im Ausland ist kein Problem - da da sind die Schweizer Behörden zu faul der Sache nachzugehen.

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  • Markus R. am 27.10.2011 14:06 Report Diesen Beitrag melden

    Alternative zu Zahnversicherung

    Die Zähne unserer Kinder hatten schlimme Fehlstellungen. Kostenvoranschlag in CH war 12'000.- pro Person. Da keine Zahnversicherung gemacht bin ich mit meinen beiden Kindern über den Rhein gegangen. Das kostete mich dort pro Kind rund Fr. 3'000.- für die zweijährige Behandlung, incl. Fahrten. Nun ist bei beiden alles bestens, und es gab keine Kostenüberschreitungen. Ich vermute, dass die hohen Preise vor allem daher kommen, dass in vielen Fällen eine Versicherung den Grossteil übernimmt...

  • Fernando Casellini am 15.04.2011 09:16 Report Diesen Beitrag melden

    Tarif seit 1994

    Der SUVA-Tarif von CHF 3.10 besteht seit dem Jahre 1994 (Kostenstand 1992!). Wer arbeitet heute noch zu einem Preis von 1994?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Markus R. am 27.10.2011 14:06 Report Diesen Beitrag melden

    Alternative zu Zahnversicherung

    Die Zähne unserer Kinder hatten schlimme Fehlstellungen. Kostenvoranschlag in CH war 12'000.- pro Person. Da keine Zahnversicherung gemacht bin ich mit meinen beiden Kindern über den Rhein gegangen. Das kostete mich dort pro Kind rund Fr. 3'000.- für die zweijährige Behandlung, incl. Fahrten. Nun ist bei beiden alles bestens, und es gab keine Kostenüberschreitungen. Ich vermute, dass die hohen Preise vor allem daher kommen, dass in vielen Fällen eine Versicherung den Grossteil übernimmt...

  • Konsumentenschützer am 19.04.2011 23:19 Report Diesen Beitrag melden

    Zahnbehandlung zu teuer?

    1 Monat Ferien im Ausland inkl. Flug sowie mehrere Zahnbehandlungen bei einem erstklassigen Zahnarzt, Computertomographie, digitales Röntgen-Panoramabild, 2 Implantate, mehrere Kronen inkl. Vorarbeit, kosten Total ca. 30% der Offerte eines Schweizer Zahnarztes, nur für seine Zahnbehandlungen. Wichtig Referenzen einholen.

  • T.T. am 16.04.2011 11:54 Report Diesen Beitrag melden

    Zahnspangen sind überflüssig

    Eine britische Studie besagt, dass es keinerlei Zusammenhang zwischen perfekter Zahnstellung und einem glücklichen Verlauf des Lebens gibt, Weder bei der Arbeit noch beim Partner.

    • Dr. Stefan Klaas am 21.04.2011 19:02 Report Diesen Beitrag melden

      Nachgehakt

      Gibt es mehr Infos zu der Studie?

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  • fritz am 15.04.2011 13:07 Report Diesen Beitrag melden

    Krankenkassen sind reine Abzocke

    Die Krankenkassen Zwangsversicherung ist sowiso reine Abzocke. Freie Arztwahl und Konkurenz in den Preisen und selber zahlen, wenn die Leistung stimmt währe viel besser

  • Dr. Best am 15.04.2011 11:50 Report Diesen Beitrag melden

    Brauchen eine Staatliche KK

    Es ist immer das selbe lied. Aber eben Die Reichen und die Lobbyisten wollen es so erhalten und verbreiten notfalls auch lügen. Dabei währe das einzig richtige eine einzige Staatlich Krankenkasse wo man nach einkommen bezahlt. normalbürger müssten dann weniger prämie bezahlen Vasella, Dougan etc halt etwas mehr (aber könnten ihren Lebensstandart unverändert halten). Wir hätten zudem keine nervige KK werbung mehr. Nun kommt mir nicht mit schlechter qualität oder Komunismus. In Skandinavien haben die das so und die Qualität ist Spitze in Kanada haben sie auch eine Staatliche KK.

    • akin am 18.04.2011 08:08 Report Diesen Beitrag melden

      falsch gepostet

      Ist vielleicht eine Diskussion wert, aber hat keinen Bezug auf diesen Artikel.

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