Zementindustrie

11. November 2009 07:29; Akt: 11.11.2009 17:51 Print

Holcim mit weniger GewinnHolcim mit weniger Gewinn

Die Rezession hat dem Zementkonzern Holcim in den ersten neun Monaten in die Tiefe gezogen. Der Gewinn brach um fast ein Drittel ein. Dennoch überraschte die Nummer zwei der Branche positiv. Dank hartem Sparprogramm konnte Holcim die Talfahrt bremsen.

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Unter dem Strich verdiente Holcim von Januar bis Ende September 1,2 Mrd. Franken. Das sind 31 Prozent weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum, wie der hinter der französischen Lafarge zweitgrösste Zementkonzern der Welt am Mittwoch bekanntgab.

Der so genannte betriebliche EBITDA (operativer Gewinn vor Abschreibungen und Amortisationen) tauchte um 17,2 Prozent auf 3,614 Mrd. Franken. Der Umsatz knickte um 18,4 Prozent auf 15,774 Mrd. Fr. ein.

Vor allem der schlechte Geschäftsgang in Europa und die unverändert schwierige Situation in den USA hätten auf das Ergebnis gedrückt, sagte Finanzchef Theophil Schlatter vor den Medien in Zürich. Auch die Währungsentwicklungen hätten auf das Resultat geschlagen.

Immerhin hätten sich zwischen Juli und Ende September die Absatzeinbussen verlangsamt, hiess es weiter. Der Reingewinn des dritten Quartals blieb auf dem Vorjahresniveau von 673 Mio. Fr. stabil.

Aktie legt deutlich zu

Damit hat Holcim trotz der Krise deutlich mehr verdient als erwartet. Analysten hatten im Durchschnitt gemäss der Nachrichtenagentur AWP lediglich mit einem Reingewinn von 1,013 Mrd. Fr. in den ersten neun Monaten gerechnet.

Analysten lobten, dass Holcim fast in jeder Hinsicht positiv überrascht habe. Der Schweizer Konzern habe sich besser entwickelt als Konkurrent Lafarge. Holcim bleibe damit Primus inter Pares im Sektor. An der Börse legte die Aktie um 3,7 Prozent auf 72.20 Fr. zu.

10 000 Stellen weg

Die vergleichsweise guten Resultate sind dem harten Tritt auf die Kostenbremse zu verdanken. Um zu sparen, legte Holcim in rund einem Dutzend Länder Produktionskapazitäten still und schloss mehrere Werke.

Von Januar bis September habe man 573 Mio. Fr. an Fixkosten eingespart. «Das Ziel, die Fixkosten in diesem Jahr um 600 Mio. Fr. zu senken, wird übertroffen», sagte Konzernchef Markus Akermann. Um wieviel, wollte er nicht sagen.

Diese Restrukturierungen zogen einen Stellenabbau nach sich. Der Personalbestand schrumpfte seit Anfang 2009 von 86 713 auf 80 330 Mitarbeiter. In den letzten zwölf Monaten habe Holcim rund 10 000 Jobs gestrichen, sagte Schlatter. In der Schweiz hätten rund 100 Leute gehen müssen.

Holcim wollte die Kapazitäten der geschwundenen Nachfrage anpassen. Während in den reifen Märkten die Baustoffnachfrage in den ersten neun Monaten nach wie vor abgenommen habe, sei die Bauwirtschaft in vielen Schwellenländern gewachsen, sagte Akermann.

Krise in Europa

Dagegen blieb die Situation auf den europäischen Baustoffmärkten angespannt. Ausnahme sei die Schweiz, sagte Akermann: «Insbesondere in Spanien, Grossbritannien, Italien und Osteuropa einschliesslich Russland war die öffentliche Bautätigkeit ungenügend.»

In Nordamerika habe die Wirtschaft die Talsohle durchschritten, aber die US-Baubranche spüre noch keinen echten Aufschwung.

In Europa werde die Lage über einen längeren Zeitraum schwierig bleiben. «Zuversichtlicher ist Holcim bezüglich Nordamerika gestimmt», sagte Akermann. In Asien und Ozeanien bleibe die Nachfrage stark.

«Wir fühlen uns fit für das Jahr 2010», sagte Finanzchef Schlatter. Der Stellenabbau sei weitgehend vollzogen, sagte Akermann. Ausser es komme zu einem erneuten Einbruch.

(sda)

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