Spitalfinanzierung

17. Mai 2011 11:37; Akt: 17.05.2011 11:57 Print

Kassen sparen – Prämien bleiben trotzdem hoch

von Elisabeth Rizzi - Bei Einführung der Fallpauschale bezahlen die Kantone auch Spitalaufenthalte ausserhalb des Wohnkantons und in Privatspitälern. Die Prämien bei Zusatzversicherungen sollten deshalb massiv sinken – theoretisch.

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Kantone zahlen künftig auch für Aufenthalte in Privatspitälern (die auf der Spitalliste stehen), trotdem wollen die Krankenkassen die Prämien bei den Zusatzversicherungen nicht senken. (Bild: Keystone)

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2012 wird die Spitalfinanzierung über Behandlungspauschalen schweizweit das heutige System von Tagespauschalen ersetzen (vgl. Box). Die Krankenkassen haben errechnet, dass die Umstellung ein Prämienwachstum von 1,6 Prozent bei der Grundversicherung zur Folge hätte. Nun laufen die Parlamentarier Sturm. Die Kommissionen von National- und Ständerat wollen per Dringlichkeitsrecht den Prämienaufschlag verbieten. Das wiederum wollen die Kantone, die ohnehin den Grossteil der Kosten zu tragen haben, verhindern.

Das Geplänkel an der Grundversicherungsfront lässt allerdings vergessen, dass die Versicherten bei den Zusatzpolicen gewaltig von der Systemumstellung profitieren müssten. In diesem Bereich vergüten die Krankenkassen derzeit Leistungen in der Höhe von über 2,6 Milliarden Franken pro Jahr.

Mittelfristig 50 Prozent billiger

Visana-Chef Peter Fischer hat errechnet, dass die Zusatzversicherungen dank der Systemumstellung um 1,2 Milliarden Franken entlastet würden. Denn künftig wird ein Spitalaufenthalt immer zu einem fixen Anteil vom Wohnkanton des Patienten und der Krankenversicherung bezahlt. Bis anhin bezahlte der Kanton seinen Anteil nur, wenn eine ausserkantonale Behandlung medizinisch notwendig war.

Zudem bezahlen die Kantone künftig neu auch einen Anteil an Privatspitäler, die auf den kantonalen Spitallisten stehen. Umgekehrt subventionieren Privatpatienten nicht mehr die allgemeinen Abteilungen. Dank diesen zentralen Neuerungen müssten laut Fischer die Zusatzversicherungsprämien mittelfristig um 50 Prozent sinken.

Die Gesundheitsdirektorenkonferenz GDK geht sogar noch weiter. Sie hat errechnet, dass die Privatversicherer künftig 1,5 Milliarden Franken weniger Aufwand hätten. Allein beim Zusatz «Spital allgemeine Abteilung ganze Schweiz» könnten bis zu 500 Millionen Franken jährlich eingespart werden. «Mehr als ein Zehntel der heutigen Prämie sollte die Versicherung wohl nicht mehr kosten», glaubt Zentralsekretär Michael Jordi.

«Je nach Kanton müsste die Entlastung der Zusatzversicherungen erheblich ausfallen, wenn man davon ausgeht, dass die Privatspitäler bis zu einem Drittel Marktanteil haben und die meisten von ihnen auf die Spitalliste kommen», vermutet auch Gesundheitsökonom Heinz Locher. Gemäss ihm müssten insbesondere in Zürich die Zusatzversicherten stark profitieren.

Schwierig durchzusetzen

Doch die Versicherten dürfen sich nicht zu früh freuen. Denn ob und wie die Policenehmer entlastet werden, ist alles andere als sicher. «Wir erwarten von den Krankenkassen, dass sie die Prämien für die Zusatzversicherungen Privat und Halbprivat und jene für das Versicherungspaket Spitalbehandlung ganze Schweiz massiv senken. Alles andere käme einer Finanzierung von privaten Gewinnen mit öffentlichen Geldern gleich», sagt Jordi.

Tatsächlich dürfte es aber schwierig sein, das durchzusetzen. Denn die Kontrollmöglichkeiten der Aufsicht sind im Privatversicherungsbereich weit beschränkter als in der sozialen Grundversicherung. Der Krankenkassenverband Santésuisse hält sich seinerseits nicht für verantwortlich, Polizist zu spielen. «Wir sind der Verband ausschliesslich für die Grundversicherung», so Sprecherin Silvia Schütz. Ohnehin geht man bei Santésuisse davon aus, dass die Schätzung der GDK «viel zu hoch» sei

Das glaubt man auch bei Branchenleader Helsana. «Wenn es Prämienabschläge geben sollte, werden wir diese an unsere Versicherten weitergeben. Wir erachten jedoch die Angabe von 1,5 Milliarden Franken als völlig unrealistischen Wert», erklärt Sprecherin Claudia Wyss. Ein so hoher Kostenanteil würde bedeuten, dass die Versicherer von den Spitälern künftig keine Rechnungen mehr zu Lasten der Zusatzversicherungen erhalten würden. «Denn die Leistungskosten dieser Produkte entsprechen gerade etwa diesem Betrag – ein absurde Annahme», so Wyss.

Bei Helsana befürchtet man sogar, dass die Zusatzversicherungen künftig das Finanzierungsgefäss sein könnten, bei dem sich die Spitäler – und allenfalls auch die Kantone über versteckte Abgaben – weiterhin stark bedienen würden. Vorsicht herrscht entsprechend auch bei Visana vor. Hier begnügt man sich für nächstes Jahr erst mal mit einer Nullrunde bei den Spital-Zusatzversicherungen. «Weitergehende Aussagen sind gegenwärtig leider noch nicht möglich», so Sprecher Christian Beusch.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fredi Oberholzer am 17.05.2011 12:02 Report Diesen Beitrag melden

    Die Kuh wird Gemolken

    Wie immer !!! Keiner will Verantwortung übernehmen...aber immer schön abkassieren und melken wo es geht...den Egoisten sei Dank.

    einklappen einklappen
  • alex am 17.05.2011 12:17 Report Diesen Beitrag melden

    Prämien

    Hat man denn was anderes erwartet, sicher nicht.

  • Hans mit Dampf am 17.05.2011 12:43 Report Diesen Beitrag melden

    Es wird NIE eine Reduktion geben!

    Die Krankenkasser werden IMMER irgendeinen Grund finden, die Kostenreduktionen nicht an die Versicherten weitergeben zu müssen! Schlussendlich sind es private Unternehmen, die eine Rendite erziehlen müssen!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Carina am 15.06.2011 23:56 Report Diesen Beitrag melden

    Spielen auf Zeit

    Die Kassen spieln doch einfach auf Zeit und hoffen, dass die dummen Prämienzahler in einem Jahr nicht mehr wissen, dass die Zusatzversicherungsprämien sinken sollten. Darum macht die Visana doch einfach mal für nächstes Jahr einen Nullrunde... Und das Jahr darauf steigen dann die Pränien munter weiter - ein Skandal!

  • A.D. am 17.05.2011 14:11 Report Diesen Beitrag melden

    Falls Zusatzprämien nicht sinken?

    Falls die Kassen nicht die Prämien im Zusatzversicherungsbereich anpassen, können wir uns an die FINMA wenden? - Wird bestimmt nötig werden.

  • Ventydue am 17.05.2011 14:00 Report Diesen Beitrag melden

    Die sollte man Zwangsenteignen!

    Die 1,5 Mia. sind nicht völlig unrealistisch, wenn ja Visana-Chef Fischer mit Entlastungen in der Zusatzversicherung von 1,2 Mia. rechnet. Entweder völlige Weitergabe durch Prämiensenkungen an die Versicherten oder dann halt Verzögerung bei der Umsetzung bis die Versicherungen einlenken - behördlicher Ungehorsam!

  • Cora am 17.05.2011 13:52 Report Diesen Beitrag melden

    Mittlweg finden

    Die Lösung wird wohl irgendwo in der Mitt liegen. Einserseits müssen die Anbieter im Gesundheitswesen sprich Ärzte,Pharma,Hersteller etc mit ihren Preisen runter kommen. Auf der anderen Seite müssen auch wir unser Verhalten ändern und nicht wegen jedem Seich zum Arzt rennen.Wenn man einen Schnupfen hat,oder es mal im Fuss zwickt oder man sich in der Finger geschnitten hat, muss man nicht zum Arzt! Erst wenn wir dies wieder lernen,werden die Prämien stabil werden.Denn schlussendlich sind wir alle verantwortlich für das Übel-du,ich-alle!Es sind deine und meine Rechnungen die kosten!

    • V.G. am 19.05.2011 16:53 Report Diesen Beitrag melden

      Ärzte?

      Ich frage mich wo die Ärzte denn mit den Preisen runter kommen sollen...von etwas will gelebt sein..Oder sollen zB Klinikassistenzärzte ihren Lohn auf 5000.- reduzieren lassen?

    • Anton am 21.05.2011 11:11 Report Diesen Beitrag melden

      Nur das dümmste Kalb ....

      Wirklich hohe Kosten verursachen nicht Assistenzärzte oder Hausärzte, sondern Spezialisten. Die neue Spitalfinanzierung ist eine Farce, schlussendlich bezahlen wir Versicherten einfach 1.5 Mia. mehr und um dieses Geld werden die Gewinne und Managerlöhne der Versicherungen steigen. Die neue Fallpauschale wird die Behandlungsqualität brutal abstürzen lassen (siehe DE), "unrentable" Fälle werden kaum mehr behandelt, sondern weitergeschickt. Je weniger Zeit der Arzt für einen Fall aufwendet, je weniger Medikamente, desto mehr verdient er daran. Das KANN nicht gut gehen.

    • Alexandra am 23.05.2011 12:55 Report Diesen Beitrag melden

      Gleicher Meinung

      Hallo Cora Super Meinung. Ich stehe voll und ganz zu deinem Kommentar und finde du hast völlig recht. Das die Prämien steigen ist nicht nur die Schuld des BAG's und den KK sondern zum grössten Teil unser eigenes Verschulden.

    einklappen einklappen
  • Esperanza am 17.05.2011 13:42 Report Diesen Beitrag melden

    das gegenteil wird eintreffen......

    da wird bestimmt nix an den prämienzahler weitergegeben und schon gar nicht ein paar fränkli billiger!!