Unglück im Glück?

30. Mai 2012 14:54; Akt: 30.05.2012 16:09 Print

«Eine Million kann sehr belastend sein»

von S. Spaeth - Sie ist über Nacht reich geworden – doch das viele Geld scheint ihr nicht zu behagen. Coop feiert eine Seniorin als Siegerin des Big-Win-Spiels. Sie wäre wohl lieber anonym geblieben.

storybild

Hauptgewinnerin E. N. (75) bei der Übergabe des Checks durch die Coop-Verantwortlichen.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Einmal im Leben den Jackpot knacken – und es so richtig krachen lassen: Ausgelassen feiern in der Luxussuite des Four Seasons – mit Kaviar und reichlich Champagner. Ein Haus kaufen, oder doch eher den lang ersehnten Sportwagen? Keinen Audi oder Porsche, einen Aston Martin!

Das alles kann E. N. nicht – will sie nicht. Obwohl auf ihrem Check die magische Zahl mit sechs Nullen steht. Die 75-Jährige ist Gewinnerin des Coop-Big-Win-Spiels. Bei ihrer Million handelt sich um Geschenkkarten.

Als der Detailhandelsriese die Rentnerin telefonisch über den Gewinn informiert hatte, liess sie sich nicht verrückt machen: «Da kann ja jeder anrufen und das Blaue vom Himmel versprechen», sagt die Gewinnerin in der aktuellen «Coop-Zeitung». Sie schildert, dass sie mit dem Gewinn vorsichtig umgehen wolle und sich erst noch an den Gedanken gewöhnen müsse.

«Grosse Gewinne überfordern Menschen»

Die Erfahrung anderer Lottomillionäre zeigt: Der Gewinn ist nicht nur eitel Freude. Eine Million zu verwalten ist eine grosse Verantwortung. Es mag unglaublich klingen – ist aber nicht allzu aussergewöhnlich: «Grosse Gewinne überfordern viele Menschen», sagte der Psychologe und Glücksspielforscher Gerhard Meyer von der Universität Bremen zu 20 Minuten Online. Das Phänomen sei relativ häufig. Laut Professor Meyer müssten die Gewinner plötzlich eine ganz neue Lebenssituation bewältigen. Im Zentrum stehe die Frage, was man nun mit dem plötzlichen Reichtum mache. «Das kann sehr belastend sein.»

Meyer weiss von Glücksspielgewinnern, die sich später in psychiatrische Behandlung begeben mussten. Darum rät er frühzeitig psychologische und finanzielle Beratung in Anspruch zu nehmen, wie es von vielen Lotteriegesellschaften angeboten wird. «Geld bringt nicht automatisch auch Glück», betont Meyer. Das sieht E.N. ähnlich: Das grösste Glück sei, dass sie schon bald 50 Jahre glücklich verheiratet sei.

Vorsicht falsche Freunde!

Eine Belastung könnte für die Rentnerin auch der Auftritt in der «Coopzeitung» sein, doch dagegen konnte sie gar nichts unternehmen. Mit der Teilnahme am Wettbewerb hat sie nämlich ihr Einverständnis für die Berichterstattung gegeben. Ein Gespräch mit 20 Minuten Online hat die Gewinnerin abgelehnt. Zudem hat Coop in einem E-Mail an alle Wettbewerbsteilnehmer die Liste mit den 701 Gewinnern veröffentlicht. 700 Personen haben Elektronik-Gadgets gewonnen. Hinter E.N.’s Name steht hingegen: «Hauptpreis: Für 1 Million Franken gratis einkaufen.

«Dass die Leute für die Teilnahme am Glücksspiel der Veröffentlichung in der Coop-Zeitung zustimmen mussten, ist problematisch», so Psychologe Meyer. Das erhöhe den Druck auf die Gewinner enorm – und könne eine Menge falscher Freunde auf den Plan rufen. Zudem dürfte der Artikel in «Coopzeitung» der Auftakt zu einer ganze Reihe von Bettelbriefen sein, die bald bei der Gewinnerin eintrudeln werden.

Achtung Steuervogt

Vom Big-Win muss die Gewinnerin eine ganze Menge versteuern. Rund 350 000 Franken sacken die Steuervögte laut dem VZ-Vermögenszentrum im Kanton Aargau ein – im Kanton Zug wären es 100 000 Franken weniger. Damit Coop die Gewinnerin nicht in Schwierigkeiten bringt, gibt es den entsprechenden Betrag laut Sprecher Urs Meier in bar. Den Rest erhält die Gewinnerin als Geschenkkarten – gültig für nahezu alles, was zur Coop-Gruppe gehört. Darunter Fust, Interdiscount, Import Parfumerie und Christ Schmuck.

Abzüglich Steuern bleiben E. N. 650 000 Franken – oder mindestens 650 Geschenkarten, die mit maximal 1000 Franken geladen werden können. «Der Zeitpunkt der Zustellung und die Höhe der Geschenkkarten werden demnächst vertraglich mit der Gewinnerin festgelegt», sagt Meier.

Der Stapel Einkaufsgutscheine würde einem Zweipersonenhaushalt reichen, um für mehr als 60 Jahre Lebensmittel einzukaufen. Klar ist: So lange wird die Rentnerin kaum leben. Von Kaufrausch und Konsumorgie will die Aargauerin dennoch nichts wissen: «Grosse Wünsche haben wir sowieso nicht.» Das dürfte das Umfeld der Gewinnerin freuen. Die Geschenkkarten sind laut Auskunft von Coop übertragbar.

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

20 Minuten ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • rami am 30.05.2012 16:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die alten habens besser

    Immer die alten!! Die Jungen Leute von heute werden auch niemals so eine gute Rente haben wie die heutigen Rentner!! Die alten habens einfach viel besser als die jungen!!

    einklappen einklappen
  • soso am 30.05.2012 15:45 Report Diesen Beitrag melden

    Unangenehm

    Der Fehler begann schon durch das Publikwerden in den Medien.Jetzt wissen jeder Erpresser oder die plötzlich vielen "Freunde", an wen sie sich richten müssen.Und wenn die Gewinnerin tatsächlich nicht weiss,wohin mit dem Geld, kann sie es ja dem Tierheim in Basel spenden, die dringend Geld für den Neubau benörigen,sodass beiden gedient wäre. Der Gewinnerin ist es wohler und das Tierheim hat das nötige Geld, um den Bau fertigzustellen!

    einklappen einklappen
  • Evelyne D am 30.05.2012 19:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer die falschen

    Ich hätte den Gewinn einer jungen Familie mit Kindern gegönnt die hätten es verdient und wüssten was machen windel kosten !!! unsere Senioren wissen ja e nie was machen mit den gewinnen aber Hauptsache sie gewinnen ...

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • mirfehlendieworte am 31.05.2012 14:38 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach peinlich....

    ..was hier manche Leute schreiben. Wer hätte den Gewinn nicht gern gehabt?! Klar, ich sicherlich auch! Jedoch hier zu schreiben, dass sie es nicht verdient hat, dass sie es nicht ausgeben kann/will oder warum "immer" nur ältere Menschen bei solchen Verlosungen gewinnen, warum keine Familien etc. etc. Mann, was soll das?! Neid, Neid und nochmals Neid. Ich auf jeden Fall gratuliere der Gewinnerin ganz herzlich und wünsche ihr weiterhin alles Gute im Leben!

    • li la du am 31.05.2012 16:27 Report Diesen Beitrag melden

      tra la lu

      schon? findest du das wirklich? echt jetzt? ;.)

    einklappen einklappen
  • Gaby Frey am 31.05.2012 13:56 Report Diesen Beitrag melden

    Schlechte Erfahrungen mit Lottogewinn

    Ich bin froh, nicht gewonnen zu haben. Habe da schlechte Erfahrungen damit. Einmal habe ich im Lotto gewonnen! Stimmt halt schon, damit umzugehen ist schwierig. Bei mir war ein Jahr später alles weg... fast noch Schulden wären geblieben. Gut es waren 20 Franken ;-) Herzlichen Glückwunsch an die Gewinnerin!

  • mel am 31.05.2012 13:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leben und leben lassen

    Die Reaktionen sind beschämend. Darauf herum zu hacken das eine Senorin gewonnen hat.

  • Cello am 31.05.2012 08:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Menschenfreund

    Millionen- und Lottogewinner, die nicht wissen, wie mit dem plötzlichen "Geldsegen" umzugehen, bitte unverzüglich bei mir melden. Ich opfere mein Dasein voll und ganz. Nehme das Risiko der immensen psychischen Belastungen auf mich. :-))))

    • Hanna Giger am 31.05.2012 10:28 Report Diesen Beitrag melden

      Lustig

      HaHa Lustig, schliesse mich an ...

    einklappen einklappen
  • spieler am 31.05.2012 07:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    garatuliere

    ich gönn es der rentnerin voll und ganz, doch trotzdem hätte ich dennpreis auch gewonnen, zumal sie auch noch aus dem aargau kommt ;)