Kartellabsprachen

01. November 2012 11:04; Akt: 01.11.2012 12:00 Print

Razzien bei Engadiner Baufirmen

Mehrere Bauunternehmen im Unterengadin haben unangemeldeten Besuch von der Wettbewerbskommission erhalten. Es besteht der Verdacht von illegalen Absprachen.

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Das deutsche Bundeskartellamt hat Wursthersteller am 15. Juli 2014 zu Bussgeldern von insgesamt rund 338 Mio. Euro verdonnert. Die deutsche Gesellschaft des Schweizer Fleischverarbeiters Bell soll allein rund 100 Millionen Euro (rund 121 Millionen Franken) zahlen. Bell will dagegen nun vorgehen. Am selben Tag eröffnete die Weko ein Verfahren. Sie verdächtigt zahlreiche Finanzdienstleister grosser Autohersteller der Preisabsprache und hat eine Untersuchung eingeleitet. Laut der Weko bestehen Anzeichen für einen regelmässigen Austausch von Informationen insbesondere betreffend Leasingraten. Zementhersteller Holcim wurde gemeinsam mit fünf weiteren Herstellern in Brasilien Anfang 2014 wegen unerlaubter Preisabsprachen zu insgesamt rund einer Milliarde Dollar an Strafen verurteilt. Die Weko verknurrt den deutschen Autobauer BMW zu einer Busse von 156 Millionen Franken wegen Behinderung von Direkt- und Parallelimporten in der Schweiz. Es wäre die bisher höchste Kartellbusse der Schweiz gewesen. Wegen überhöhter Terminierungsgebühren im Mobilfunk hätte der Telecom-Riese 333 Millionen Franken bezahlen müssen. Doch das Bundesgericht hob das Urteil auf. Gleich zweimal innert zwei Wochen wurde der Pharmariese Roche verurteilt. Einmal ging es um die Beteiligung an einem Kartell für Vitaminpräparate. Hier verhängte die EU-Kommission eine Geldstrafe von 462 Millionen Euro. Die zweite Klage betraf ein Zitronensäure-Kartell. Kostenpunkt: 63,5 Millionen Euro. Ob auch der Liftbauer Schindler bald zu den Spitzenreitern unter den Kartellsündern zählt, ist noch unklar. Derzeit ist seine Klage gegen eine Kartellbusse von 225 Millionen Franken beim Europäischen Gerichtshof hängig. Die EU-Kommission hat die beiden Schweizer Logistikkonzerne Kühne + Nagel sowie Panalpina der Teilnahme an mehreren Speditions-Kartellen bezichtigt. Sie wurden zu 53,7 und 46,5 Millionen Franken Busse verurteilt. Beide Unternehmen fechten die Klage an. Auch Nestlé steht im Fokus der Behördern. Die französische Wettbewerbsbehörde verurteilte den Schweizer Nahrungsmittelmulti gemeinsam mit zwei weiteren Firmen, die Hunde- und Katzenfutter herstellen, zu einer Busse von 23 Millionen Franken. Den drei Unternehmen wird vorgeworfen, den Grossisten Weitergabepreise diktiert zu haben. Der Industriekonzern ABB ist seit den Achtzigerjahren in mehreren Kartell-Fällen gebüsst worden. Spektakulär war zuletzt die Busse der EU-Kommission über 33,75 Millionen Euro im Zusammenhang mit der Aufteilung der Märkte für Leistungstransformatoren. Die Weko hat die Elmex-Herstellerin Gaba mit 4,8 Millionen Franken gebüsst. Dies, nachdem sich der Discounter Denner für günstigere Zahnpastapreise starkgemacht hatte, aber Gaba ihm Parallelimporte aus dem österreichischen Markt verweigerte.

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Die Wettbewerbskommission ermittelt gegen Baufirmen wegen Wettbewerbsabsprachen im Unterengadin. Am Mittwoch und Donnerstag durchsuchte sie die Büroräumlichkeiten mehrerer Unternehmen.

Die Untersuchung wurde am Mittwoch eröffnet, wie Weko-Direktor Rafael Corazza am Donnerstag gegenüber der Nachrichtenagentur SDA sagte. Zuvor hatte der Baukonzern Implenia bereits mitgeteilt, dass seine Niederlassung in Zernez GR durchsucht worden war.

Das Unternehmen kooperiere mit den Behörden. Parallel zu den Weko- Ermittlungen habe Implenia ausserdem eine interne Untersuchung eingeleitet, sagte Mediensprecher Philipp Bircher auf Anfrage.

Bauprojekte und Kunden aufgeteilt?

Die Weko habe Hinweise auf Wettbewerbsabsprachen im Hoch-, Tief- und Strassenbau im Unterengadin erhalten, sagte Corazza. Woher die Hinweise kamen, sagte er nicht.

Wie es in einer Medienmitteilung vom Donnerstag heisst, dienten die Absprachen unter den Unternehmen dazu, die Zuteilung von Ausschreibungen zu koordinieren sowie Bauprojekte und Kunden aufzuteilen. Genauere Angaben dazu machte Corazza nicht. Auch liess er offen, gegen wie viele Unternehmen ermittelt wird.

Am Donnerstag will die Weko die Durchsuchungen der Büroräumlichkeiten abschliessen. Wann das Verfahren abgeschlossen werden wird, könne noch nicht gesagt werden, so Corazza. Erfahrungsgemäss dauere eine Untersuchung rund 18 Monate.


(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Laola am 02.11.2012 22:42 Report Diesen Beitrag melden

    Viel Lärm um nichts...

    Die Weko gibt sich gerne als Hüterin des Wettbewerbs, welche die bösen Firmen mit grossen Bussen abstraft. Nur wenige dieser Bussen werden später von einem Gericht bestätigt (siehe Swisscom). Ich wette, dass der Swisscom dadurch ein immenser Schaden entstanden ist, der ganz sicher wieder via Konsumenten ausgeglichen wird.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Laola am 02.11.2012 22:42 Report Diesen Beitrag melden

    Viel Lärm um nichts...

    Die Weko gibt sich gerne als Hüterin des Wettbewerbs, welche die bösen Firmen mit grossen Bussen abstraft. Nur wenige dieser Bussen werden später von einem Gericht bestätigt (siehe Swisscom). Ich wette, dass der Swisscom dadurch ein immenser Schaden entstanden ist, der ganz sicher wieder via Konsumenten ausgeglichen wird.