«Ameise» begehrt wie nie

21. Februar 2012 14:00; Akt: 21.02.2012 14:39 Print

Run auf Schweizer Tausendernoten

von Balz Bruppacher - Begehrt bei Senioren, Steuerhinterziehern und Kriminellen: Die grösste Schweizer Banknote erlebt einen beispiellosen Boom. 2011 kamen täglich fast 8000 neue in Umlauf. Warum?

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Die Schweizer Tausendernote: Ein sicherer Hafen in Krisenzeiten, beliebt bei Steuerhinterziehern und Kriminellen. (Bild: Keystone)

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33,275 Millionen Tausendernoten waren Ende 2011 im Umlauf, wie der jüngsten Statistik der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zu entnehmen ist. Das entspricht einer Zunahme von 2,867 Millionen Noten oder 9,4 Prozent innert Jahresfrist. Mit anderen Worten: Letztes Jahr kamen im Schnitt täglich 7855 neue Tausendernoten hinzu.

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Zum Verwendungszweck gibt es keine Statistiken, aber eine Reihe von Hinweisen und Mutmassungen. Die Nationalbank selber macht darauf aufmerksam, dass die Tausendernote in erheblichem Masse als Wertaufbewahrungsmittel dient. Der hohe Nennwert – unter den führenden Währungen der höchste - in Kombination mit der Rolle des Schweizer Frankens als sicherer Hafen - übt vor allem in Krisenzeiten eine zusätzliche Anziehungskraft aus. Seit dem Beginn der Finanzkrise im Jahre 2007 hat sich der Umlauf der Tausendernoten um 36 Prozent erhöht.

Die Tausendernote wird gehortet

In Krisenzeiten kann sich die Nachfrage nach Banknoten über Nacht vervielfachen. So geschehen auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im Herbst 2008. Damals hat sich die Nachfrage nach Tausendernoten innerhalb von wenigen Tagen verdreifacht, wie man sich bei der Grossbank Credit Suisse (CS) erinnert. Sie gehört weltweit zu den führenden Playern im Notenhandel.

Wer die Endkunden der Tausendernoten sind, ist nicht bekannt. Im täglichen Zahlungsverkehr spielen sie bloss eine untergeordnete Rolle. Wer am Kiosk oder im Restaurant mit einem Tausender zahlen will, dürfte jedenfalls auf Schwierigkeiten stossen. Am ehesten wird die grösste Banknote noch beim Autokauf verwendet. Auch am Postschalter sind noch Einzahlungen mit Tausendernoten zu beobachten, meist von älteren Leuten. Der grösste Teil der Tausender dürfte aber gehortet werden.

Nachfrage nach frischen Tausendern aus dem Osten

Im professionellen Banknotenhandel wird eine starke Nachfrage nach Tausendernoten aus dem Nahen Osten und aus Asien beobachtet. Besonders gefragt sind brandneue Noten. In der Schweiz wurden Banknoten vor allem in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts, im Ersten Weltkrieg sowie in der Deflation Anfang der 1920er Jahre und in der Krise der 1930er Jahre gehortet. Tiefe Zinsen und sinkende Teuerung könnten dem Geldhorten im Safe oder unter der Matratze auch hierzulande zu einem Comeback verholfen haben.

Nicht auszuschliessen ist weiter, dass die Umstellung des Finanzplatzes auf die Weissgeldstrategie die Nachfrage nach Tausendernoten erhöht. Weil Kunden unversteuertes Geld von Schweizer Banken abziehen. Bei der Nationalbank hat man keine Angaben über solche Vorgänge. Die Banken haben sich mit Blick auf die Abgeltungssteuerabkommen mit Deutschland und Grossbritannien einen Verhaltenskodex gegeben. Darin verpflichteten sie sich, dem Abzug von Geldern keinen Vorschub zu leisten.

Beliebt bei Kriminellen

Grosse Noten sind auch bei Kriminellen beliebt. Die britische Behörde im Kampf gegen das organisierte Verbrechen SOCA zog die 500-Euro-Note im Mai 2010 aus dem Verkehr. Mit der Begründung, über 90 Prozent der Nachfrage nach diesen Geldscheinen stamme von Kriminellen. Für die SNB ist die Abschaffung der Tausendernote aus Gründen der Geldwäschereiprävention kein Thema. Auch die neue Banknotenserie, die sich wegen technischer Probleme mehrmals verzögert hat, wird eine Tausendernote umfassen.

Ein US-Währungsblog sagt unterdessen einen weiteren Run auf die Schweizer Tausender voraus. Falsch liegt er allerdings, wenn er vermutet, dass die Nationalbank die neue Banknotenserie deshalb verschiebe, weil sie den Umtausch der Tausendernoten nicht bewältigen könne. Denn alte Banknoten können in der Schweiz nach dem Rückrufdatum noch während 20 Jahren zum vollen Nennwert umgetauscht werden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • roli der Weltenbummler am 22.02.2012 00:56 Report Diesen Beitrag melden

    Nur Angeber!!!

    Es giebt Leute die haben anfangs Monat den 1000 er Schein zum ihr Bierchen in der Beitz zu bezahlen und am 10. des Monats siehst du sie nichtmehr bis am ende des Monates.Ich habe nur 10er Noten aber jden Tag eine fuer meinen Drink.

  • A. Müller am 21.02.2012 18:48 Report Diesen Beitrag melden

    Aufpassen mit viel Geld

    Viel Geld bei sich haben ist auch sehr gefährlich von Trickdieben ausgeraubt zu werden. Deshalb empfehle ich allen lieber mit der Karte und kleineren Scheinen zu bezahlen. Wenn man es verliert, kann man nur die Karte sperren und der Verlust ist begrenzt. Für die Rechnungen ist das Lastschriftverfahren (LSV) sehr praktisch.

  • Julius Hadorn am 21.02.2012 17:20 Report Diesen Beitrag melden

    Irgendwo in die Weite mit dem Zaster

    Hatte schon paar mal einige Tausender in meiner Tasche und dachte dabei, in einen Flieger einzusteigen und mit meinem Zaster neu anfangen. Aber der Ruf der Post, zum bezahlen meiner Rechnungen war doch grösser.

    • Jakobus am 21.02.2012 18:18 Report Diesen Beitrag melden

      Wider die Versuchung

      Lieber Julius. Mach deine Einzahlungen mit E-Banking, dann kommst du nie in Versuchung, mit einer Tasche voller Tausender ins Flugi einzusteigen :)

    • Bernd Hochstettler am 22.02.2012 02:49 Report Diesen Beitrag melden

      So einfach ist es...

      Vorschlag. Immer Ende Monat eine Verlosung durchfuehren und die gezogenen Gewinnerrechnungen auf Platz 1 -3 werden bezaht. Wer mahnt, fliegt automatisch aus der Ziehung raus..... Diese Bedingungen jeweils "auch sehr kleingedruckt, bei jeder Bestellung mitsenden. Und wenn's doch Aerger gib, kann man ja immer noch mit dem Auto in die Waelder Schwedens...

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  • Tausenddank am 21.02.2012 16:59 Report Diesen Beitrag melden

    Ein hoch auf den Tausender

    Der Tausender hat schon so einiges günstiger gemacht, z.B. beim occ. Autokauf, 58000 Angeschrieben, dem Händler 50 Scheine gezeigt, zack war das Geschäft gemacht. Ich denke nicht das ich mit einer Karte oder mit einer überweisung das Geschäft so schnell mit dem selben Rabatt gemacht hätte. Dazu kommt das viele noch skonto geben beim Barkauf.

    • Jakobus am 21.02.2012 18:21 Report Diesen Beitrag melden

      Die Magie des Papiergeldes

      Womit bewiesen ist, dass das physische Geld doch eine magische Wirkung ausüben kann. Ein paar Bündel voller geiler Tausender hat schon manchen Deal befördert :).

    • Dagobert Duck am 21.02.2012 21:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Steuern sparen.

      Na klar und er wird dann auch nicht deklariert! Super das mit dem 1000er!?!

    • Dragon Capital am 21.02.2012 23:58 Report Diesen Beitrag melden

      cash is king

      da kann ich nur zustimmen! physisches geld ist geld, alles andere ist nur beilage

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  • Jacob Burckhardt am 21.02.2012 16:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ameisen auf den Augen...

    Die jetzigen Tausender haben keine Ameisen als Sujet....?!

    • ich-er am 21.02.2012 19:10 Report Diesen Beitrag melden

      Ameisen

      Die alten Noten hatten Tiere drauf. Kannst dich sicher noch an die grüne Eule (50er) errinnern. Und die alte 1000er hatte eine Ameise drauf und war dunkelviolett.

    • Jacob Burckhardt am 22.02.2012 09:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Eben...

      Genau. Aber eben es gibt keinen Run auf Ameisen, weils die nicht mehr gibt!!!

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