Neue Strategie

29. Juni 2017 10:47; Akt: 29.06.2017 10:47 Print

Lässt Nestlé nun seine Kitkat-Riegel fallen?

von Isabel Strassheim - Süsswaren verkaufen sich immer weniger. Der Nahrungsmittelriese Nestlé will deshalb stärker auf Medikamente setzen.

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Nestlé will einen Teil seines Süsswarengeschäfts verkaufen.... .... betroffen sind US-Schokoladenmarken. Seinen weltweit bekannten Kitkat-Schoggiriegel wird Nestlé behalten, denn mit dem hat der Konzern in Schwellenländern Erfolg. Die Schweizer Traditionsschoggi Cailler will Nestlé behalten. Die Maggiflasche im Nestlémuseum am Hauptsitz in Vevey. Der Konzern will weg vom einfachen Nahrungsmittelgeschäft .... ... und stattdessen noch mehr Babynahrung verkaufen. Auch der Umsatz mit rezeptfreien Medikamenten soll ausgebaut werden. Auch er forciert den Konzernumbau: US-Miliardär Daniel Loeb hält 1,25 Prozent der Nestlé-Aktien und ist somit achtgrösster Aktionär des Lebensmittelmultis. Der Nestlé-CEO Mark Schneider sieht sich mit Forderungen des Hedgefonds konfrontiert. Loeb verlangt vom Schweizer Lebensmittelkonzern eine Strategieänderung. So solle er u.a. seine Beteiligung an L'Oréal abstossen. Mit dem Erlös soll Nestlé laut Loeb überwiegend eigene Aktien zurückkaufen. Zudem drängt der Hedgefonds auf ein Margenziel von 18 bis 20 Prozent bis zum Jahr 2020. Derzeit gehören zum Nestlé-Imperium neben unzähligen Lebensmittel- und Getränkebrands... ... auch Tierfuttermarken und Parfüm-Brands. Loeb forderte von Nestlé, gewisse Brands abzustossen und in Wachstumsbereiche zu investieren. Im Bild: Nestlé-Produkte im Nestlé-Museum in Vevey. Die Nestlé-Aktie springt derzeit von Allzeithoch zu Allzeithoch. Mark Schneider posiert am Hauptsitz in Vevey. Der Deutsche ist seit Frühjahr 2017 Chef bei Nestlé Schneider kündigte neben dem Konzernumbau auch ein Aktienrückkaufprogramm von bis zu 20 Milliarden Franken an.

der neue Nestlé-Chef Mark Schneider plant eine Neuausrichtung.

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Nestlé ist der grösste Nahrungsmittelkonzern weltweit. Das Motto des Riesen: die Welt zu «einem besseren Ort machen und zu einer gesünderen Zukunft beitragen». Statt mit Maggisuppen, Babymilch oder Kitkat dürfte das nun verstärkt auch mit rezeptfreien Medikamenten passieren. Der Umbau des Konzerns soll nun weiter forciert werden.

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Nestlé steht unter Druck – nicht nur weil diese Woche der US-Hedgefonds Third Point eingestiegen ist, der eine höhere Rendite verlangt. Sondern auch, weil sich die Märkte verschieben: Süsswaren waren vergangenes Jahr mit einem Wachstum von 1,8 Prozent nach Milchprodukten und Eiscreme die Sparte mit dem geringsten Wachstum. «Es gibt Produkte, die nicht mehr in die Nestlé-Strategie passen, und die dürfte der Konzern verkaufen», sagt Finanzanalyst Jean-Philippe Bertschy von der Bank Vontobel zu 20 Minuten.

Verkauf von Butterfinger

In den USA dürfte Nestlé seine Schokoladenmarken wie Butterfinger oder BabyRuth noch dieses Jahr verkaufen. Der Konzern hatte dies Mitte Juni in Aussicht gestellt. «Auch das US- Eiscremegeschäft oder Tiefkühl-Pizza könnten abgestossen werden», so Bertschy.

Nestlés Weltmarke Kitkat droht jedoch kein Verkauf. Sie rettet, dass sie vor allem in den Schwellenländern noch stark wächst. Mit dem fast überall bekannten Schokoriegel lassen sich die neuen Märkte besser erobern als mit nur kleinen, lokalen Schoggimarken.

Cailler dürfte bleiben

Das bedeutet nicht, dass wie in den USA allen lokalen Nestlé-Süsswaren der Verkauf bevorsteht: Bei den kleinen Schweizer Konzern-Marken wie Cailler rechnet Bertschy nicht damit, dass sich der Konzern von ihnen trennt. Auch Patrik Schwendimann von der Zürcher Kantonalbank geht davon aus, dass Nestlés Produktpalette breiter bleibt als von manchen Investoren erwartet.

Zukäufe dürften dagegen zu erwarten sein. Auch wenn der neue Nestlé-Chef Mark Schneider Ende April noch sagte, es sei ihm damit noch zu früh, weil er erst mit dem Unternehmen vertraut werden müsse. Am Dienstag kündigte Nestlé zudem ein Aktienrückkaufprogramm von bis zu 20 Milliarden Franken bis 2020 an, betonte jedoch, dass es wegen grösserer Zukäufe auch kleiner ausfallen könnte.

Nur Hundefutter wirft mehr Gewinn ab

Dabei peilt Nestlé neu auch Investitionen in Ländern mit hohem Wachstum, in Babynahrung sowie in Consumer Health an. Mit Consumer Health könnte der Konzern sein Geschäft mit frei verkäuflichen Medikamenten noch ausweiten. Bislang ist Nestlé mit Hautmedizin und Klinik-Spezialnahrung vertreten. «Ich rechne damit, dass Consumer Health bald weiter ausgebaut wird», sagt Analyst Bertschy. Die Betriebsgewinnmargen von Consumer Health und Babynahrung gehören mit knapp 20 Prozent zu den höchsten des Konzerns. Nur mit Haustierfutter verdient Nestlé mehr: Bei Hunde- und Katzennahrung mit seiner Marke Purina kommt er auf 21 Prozent.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Angela am 29.06.2017 11:26 Report Diesen Beitrag melden

    was soll denn das

    Nestle will die Welt zu einem besseren Ort machen? Wie dreist und skrupellos müssen die sein so etwas auszusprechen. Nestle raubt den Ärmsten der Armen das saubere Wasser und lässt die Leute zu Hungerlöhnen arbeiten, während wir hier für diese Produkte happige Schweizerpreise zahlen. Da werden ein paar wenige stinkreich auf Kosten der Ärmsten.

  • meierisli am 29.06.2017 11:05 Report Diesen Beitrag melden

    wie wärs mit gesundheit für alle?

    entweder süssigkeiten oder medikamente, was anderes kriegen wir nicht zu essen!

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  • Mammi am 29.06.2017 11:06 Report Diesen Beitrag melden

    ich boykottiere Nestlé seit 10 Jahren

    Cailler gehört Nestlé, ah, Danke für die Info, wusste ich nicht, ein Produkt mehr, dass niemals wieder in meinem Einkaufskorb landen wird!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Selecta am 30.06.2017 12:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kitkat

    Gab es da nicht mal einen Aufruf Kitkat zu boykottieren wegen dem Palmöl? Wegen der Zerstörung des Lebensraum für Orang Utans....

  • Daniel am 30.06.2017 09:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bitte was ?

    Das Motto, die Welt zu einem besseren Ort zu machen ist die grössere Frechheit die sich diese Unternehmen als Ziel setzt. Wie naiv muss man sein das zu glauben.

  • MArtin am 30.06.2017 09:07 Report Diesen Beitrag melden

    Wer gehört wem ?

    Stecken doch alle unter einer Decke. Firmen kaufen andere Firmen und behalten aber denn Namen bei und wir denken wir kaufen nicht bei diesem Konzern. Man hat garkeinen überblick mehr

  • Feinschmecker am 29.06.2017 20:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht gut genug

    Sorry aber Cailler ist die Chocolate die ich am wenigsten mag. Ist mir zu süss und auch sonst kann sie mit den anderen nicht mithalten, allen voran Lindt sowie Frey von der Migros

    • t. z. am 30.06.2017 14:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Feinschmecker

      Weder Lindt noch frey sind gut.

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  • Inve. stor am 29.06.2017 19:00 Report Diesen Beitrag melden

    Ja, Gerne

    Hoffentlich schreiben sie diese Geschäftsfelder aus. Ich würde sofort einsteigen, denn da ist immer noch Gewinn zu machen.