Geschäft mit der Angst

15. Oktober 2012 09:26; Akt: 15.10.2012 10:38 Print

Versicherungen gegen Shitstorm und Datenklau

von Alex Hämmerli - Bankdaten-CDs, Kinderarbeit, Öllecks. Firmen können sich neuerdings gegen die Folgekosten von Presse-Desastern absichern. Die Versicherer wittern ein grosses Geschäft.

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Gegen Shitstorms kann man sich neuerdings versichern. (Bild: Keystone)

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Werden einem Industriekonzern die Baupläne oder einer Bank die Kundendaten geklaut, landen Menschen nach dem Verzehr von Gammelfleisch im Spital oder kommen Berichte über Kinderarbeit in die Medien, können die Kosten für die betroffenen Unternehmen schnell astronomische Höhen erreichen. So drohen etwa Umsatzeinbrüche oder Schadenersatzklagen. Kosten entstehen auch, weil die Firma die Krise mittels Öffentlichkeitsarbeit eindämmen muss. Denn die Gefahr eines «Shitstorms» ist allgegenwärtig (siehe Bildstrecke).

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In der Furcht vor solchen Risiken wittern Versicherer ein lukratives Geschäft. So hat etwa der grösste Rückversicherer der Welt, Munich Re seit kurzem eine Versicherung für Reputationsschäden im Angebot. Schliesst ein Unternehmen eine solche Police ab, ist dieses gegen Gewinneinbussen nach einer Krisensituation abgesichert – und das bis zu einer Summe von 50 bis 150 Millionen Euro. Laut dem «Handelsblatt» richtet sich die Versicherung vor allem an Unternehmen aus dem Lebensmittelsektor, der Bekleidungs- und Kosmetikindustrie, dem Tourismus oder der Elektronik.

PR-Agenturen sollen den Ruf polieren

Auch die Zurich Versicherung wittert in den neuen Ängsten der Unternehmen ein grosses Geschäft. «Wir lancieren gegen Ende dieses Monats eine Versicherung gegen die Folgen von Datendiebstahl», sagt Sprecher Franco Tonozzi auf Anfrage von 20 Minuten Online. Abgedeckt sei damit «der ganze Rattenschwanz» von Konsequenzen, also die Kosten zur Rekonstruktion verlorener Daten, der Schadenersatz an geschädigte Kunden sowie die PR-Arbeit, um den guten Ruf eines Unternehmens wieder herzustellen.

Als Hauptzielgruppe des in der Schweiz einmaligen Versicherungsprodukts sieht Tonozzi kleine und mittelgrosse Unternehmen. Der Zurich-Sprecher nennt als Beispiel einen Schönheitschirurgen, dessen Patientendaten gestohlen werden und die danach im Internet auftauchen. In solchen Fällen bezahlt Zurich bis zum Deckungslimit die Wiedergutmachung für entblösste Kunden, die Kosten einer PR-Firma, die die Krisenkommunikation übernimmt, sowie etwaige Zeitungs- oder Online-Inserate. Die Deckung der Versicherung soll laut Tonozzi von einigen Tausend bis zu mehreren Hunderttausend Franken möglich sein. Mittelfristig strebe man auch ein Angebot an, das etwa für Banken attraktiv sein könnte, die den Diebstahl ihrer Kundendaten fürchten. Was die Police kosten wird, will die Zurich nicht verraten.

Marktpotenzial ist umstritten

Auch die deutsche Allianz-Versicherung bietet neuerdings eine Reputationspolice an. «Sie ist nicht als Blockbuster gedacht, sondern als Abrundung unseres Angebots», zitiert das «Handelsblatt» Allianz-Manager Joachim Albers. Bei Zurich ist man zuversichtlicher: «Das Marktpotenzial ist enorm», glaubt Tonozzi. Umfragen bei Kunden hätten ergeben, dass sich viele kleine und mittelständische Unternehmen solche Versicherungen wünschen.

Branchenkenner orten allerdings schon jetzt Probleme: «Es ist enorm schwierig abzuschätzen, wie gross das Schadenspotenzial ist», sagt ein Versicherungsexperte, der nicht genannt werden möchte, zu 20 Minuten Online. Da die Versicherungsbranche mit sehr engen Margen kalkuliere, könnten sich die Versicherungen gegen Reputationsschäden und Datenklau am Ende als schmerzhaftes Verlustgeschäft herausstellen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ottokar am 15.10.2012 10:46 Report Diesen Beitrag melden

    Das will ich

    Ein Versicherung gegen den tagtäglichen Shitstorm in den Massenmedien. Würd ich sofort abschliessen.

  • Spiel mit dem Feuer am 15.10.2012 09:48 Report Diesen Beitrag melden

    Hoffen wir mal, dass

    dieses Angebot nicht einen Shith Storm gegen den Anbieter auslöst. ;-)

  • Andreas am 15.10.2012 11:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die meisten

    Versicherungen verdienen einen shitstorm!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Andreas am 15.10.2012 11:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die meisten

    Versicherungen verdienen einen shitstorm!

  • Ottokar am 15.10.2012 10:46 Report Diesen Beitrag melden

    Das will ich

    Ein Versicherung gegen den tagtäglichen Shitstorm in den Massenmedien. Würd ich sofort abschliessen.

  • Lukomat am 15.10.2012 09:58 Report Diesen Beitrag melden

    "Image" - Ein Nachruf

    Das klingt natürlich sehr verlockend, die ggf. negativen Konsequenzen seines Handelns einfach externalisieren zu können. Kosten der Police ins Budget et voilà: Man kann sich quasi verhalten, wie man will. In Zukunft wird die Welt aber noch transparenter werden, als sie das heute schon ist*, und dann wird eben doch nichts um einen ethische(re)n Umgang mit Kunden und Mitarbeitern herumführen. Je länger je weniger werden PR-Agenturen das "Image" eines Unternehmens gestalten, sondern dessen Taten, und das ist gut so. *Social Networking, steigende Datenkapazitäten, kleinere Speichermedien, etc.

    • peter schmailzl am 15.10.2012 10:44 Report Diesen Beitrag melden

      Erziehungsfrage

      Das Shitstorm-Prolem ist real, hat aber nur indirekt mit den neuen Medien zu tun, die wirkliche Ursache ist der moralische Zerfall unserer Gesellschaft, oder sagen wir es einfacher, der fehlende Anstand, und dagegen sind auch PC's machtlos.

    • Hamlet am 15.10.2012 11:37 Report Diesen Beitrag melden

      Moral ist kein Einstellungkriterium

      Wann gibt es den einen Reputationsschaden? Bei Fehlverhalten. Anstatt dafür zu sorgen das dieses abnimmt, versichert man sich gegen das. Was soll den das? Solche Firmen zeigen ja, wir sind nicht an einem solchen Verhalten interessiert und tolerieren das, genau weil wir versichert sind.

    • Lukomat am 15.10.2012 12:09 Report Diesen Beitrag melden

      Völlig einverstanden

      Ganz genau. Informationen verbreiten sich heute rasend schnell um die Welt, und durch jede Ritze. Wenn du nicht willst, dass die Kinderarbeit, die in deinen Produkten steckt, ein PR-Desaster auslöst, dann tu etwas gegen die Kinderarbeit in deinen Produkten. Wenn du nicht auf Facebook über die schlechten Arbeitsbedingungen deiner Mitarbeiter lesen willst, dann verbessere die Arbeitsbedingungen deiner Mitarbeiter. Wenn du nicht geleakt haben willst, dass deine Regierung foltert, dann foltere nicht.

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  • Spiel mit dem Feuer am 15.10.2012 09:48 Report Diesen Beitrag melden

    Hoffen wir mal, dass

    dieses Angebot nicht einen Shith Storm gegen den Anbieter auslöst. ;-)

  • Markus am 15.10.2012 09:34 Report Diesen Beitrag melden

    Sauerei

    Anstelle eine Versicherung zu bezahlen, die notabene auf Produktpreise aufgeschlagen werden, sollten die Firmen das Geld in ihre Produkte und Dienstleistungen investieren. Dan kommt es auch zu keinem Shitstorm...

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