Streit um Begriff

10. Juni 2017 15:09; Akt: 10.06.2017 15:09 Print

Wer «Fidget-Spinner» braucht, wird abgemahnt

von F. Lindegger - Fidget-Spinner sind das Spielzeug der Stunde. Nun verschickt ein Schweizer Online-Händler Abmahnungen an Konkurrenten, die den Begriff verwenden.

Was man alles mit dem Fidget Spinner anstellen kann, zeigt dieses Video (Jonas Rathje).
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Seit einigen Wochen gibt es um Fidget-Spinner einen Hype. Kein Pausenplatz, auf dem nicht einige der Handkreisel drehen. Zahlreiche Händler wollen vom Trend profitieren und verkaufen die Spielgeräte, die von verschiedensten Firmen produziert werden.

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Nun will die Zürcher Firma Esons, die die Handkreisel ebenfalls vertreibt, den Begriff Fidget-Spinner in der Schweiz als Marke eintragen lassen. Konkret geht es um die Begriffe Fidget-Spinner, Hand-Spinner und auch eine Abbildung der Handkreisel wurde hinterlegt. Mitte Mai reichte Esons beim Institut für Geistiges Eigentum entsprechende Gesuche ein. Alle Gesuche sind noch hängig.

Klage oder Lizenz

Bereits heute geht Esons allerdings gegen Händler vor, die die Begriffe verwenden. Eine Zürcher Anwaltskanzlei verschickt im Namen des Online-Händlers Abmahnungen an andere Anbieter. Im Schreiben wird verlangt, dass sie auf die Verwendung, Verkauf oder Bewerbung von Geräten verzichten, falls der Name Fidget-Spinner verwendet wird. Andernfalls müssten sie mit einer Zivilklage rechnen. Gleichzeitig wird den Händlern angeboten, eine Lizenz zu erwerben, um den Begriff weiterhin zu nutzen.

«Esons hat an den Erfolg des Fidget-Spinners geglaubt und deshalb die Marke in der Schweiz – wie übrigens viele andere Händler weltweit – frühzeitig in das nationale Markenschutzregister eintragen lassen», teilt Christoph Muster, Geschäftsführer von Esons mit. Man sei zuversichtlich, dass das Institut für Geistiges Eigentum den Antrag gutheisse. «Tatsächlich handelt es sich ja nicht um einen Eigennamen und in unserem Sprachraum auch nicht um eine Produktekategorie», so Muster.

Händer reagieren unterschiedlich

«Ich halte es für dreist, pauschal gehaltene Abmahnungen im Zusammenhang mit einer noch nicht eingetragenen Marke zu versenden», erklärt dagegen der Anwalt Martin Steiger 20 Minuten. Für ihn ist zudem fraglich, ob Fidget-Spinner als Marke für ein Spielzeug überhaupt geschützt werden kann, wie er in einem Blog-Post schreibt. Das Markenschutzgesetz schliesse den Schutz von Gemeingut aus. Steiger vertritt einen Händler, der abgemahnt wurde und weiss von verschiedenen weiteren Fällen.

Nicht allen Händlern macht die Abmahnung Eindruck. «Wir haben die Angelegenheit geprüft und sind zum Schluss gekommen, dass nichts gegen einen weiteren Verkauf von Fidget-Spinnern spricht», teilt etwa Media-Markt mit. Wegen der starken Nachfrage habe man sich erst eben mit dem Spielzeug eingedeckt.

Fidget-Spinner bestehen in der Regel aus drei Blättern mit einem oder vier Kugellagern. Ähnliche Varianten existieren bereits seit Anfang der 1990er-Jahre, doch erst in diesem Jahr wurden sie wirklich populär. Der Name leitet sich auch den englischen Begriffen Fidget (Unruhe,Zappelphilipp) und to spin (drehen, kreiseln) ab. Dem Spielzeug wird eine beruhigende Wirkung nachgesagt und wird deshalb teilweise auch mit dem Hinweis auf diesen Effekt vermarktet.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MrNiceGuy am 10.06.2017 15:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viel Lärm...

    ...um nichts. In wenigen Wochen interessiert sich kein Mensch mehr für die Dinger.

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  • dani am 10.06.2017 15:26 Report Diesen Beitrag melden

    sehr dreist

    Die Abmahnungen schon abzuschicken bevor man überhaupt den Markeneintrag hat finde ich sehr dreist. Ausserdem können Onlinehändler dies locker überlisten.

  • Marko am 10.06.2017 15:22 Report Diesen Beitrag melden

    Boykottieren

    Wenn das so ist, dann bestellen wir einfach nichts mehr bei esons. So unterstützen wir die anderen Händler. Mittlerweile will jeder aus einer Sache nur Profit machen.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rudinio am 22.06.2017 14:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Giiiiiier!

    Ich sag mal sovil, ein Schweizerunternehmer kann nicht ein Name dass in der ganzen Welt benutzt wird, für sich allein beanspruchen.

  • Peter Von Rotz am 15.06.2017 13:56 Report Diesen Beitrag melden

    Fidget spinner - handelsüblicher begriff

    Ich habe für meinen sohn ein fidget spinner bei weightless bestellt. Vor meiner bestellung fragte ich ob dies eine marke von weightless ist da meim sohn ein original fidget spinner wollte :) Sie haben mir gesagt, dass fidget spinner der handelsübliche befriff ist und dieser begriff wohl kaum geschützt werden kann. Abgesehen davon habe ich den spinner bereits anfangs märz bestellt. Ich denke, das esons bis dahin noch gar nichts gehört hat von diesem produkt da der boom in der schweiz erst im mai los ging. Aber esons behaubtet der erste gewesen zu sein.

  • Faules Schwein am 12.06.2017 18:44 Report Diesen Beitrag melden

    Bumerang

    Wenn das kein Bumerang für esons gibt, andere Händler für eine Lizenz abmahnen die es noch gar nicht gibt. Hoffe das es für esons so richtig in die Hose geht.

  • Peter am 12.06.2017 17:08 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist da schützenswert?

    Dann mache ich einen Markeneintrag auf Kühlschrank. Bin dann mal in den Ferien, gesponsert von jedem Elektro-Händer in der Schweiz. Spinners ist im Englischen Kreisel und Fidget Zappelfillip. Selbst Migrosoft hat es nicht geschafft Ihr "Windows" patentieren zu lassen. Allgemein Namen kann man Gott sei Dank nicht schützen.

  • Kom Mentar am 12.06.2017 16:01 Report Diesen Beitrag melden

    Ein ganz Schlauer

    Nun ja, bislang kannte wohl kaum einer diesen (Saft-)Laden, aber jetzt schon. Wer jetzt noch da bestellt, dem ist nicht zu helfen - und dem guten Muster wohl auch nicht mehr. Der hat seinen Namen völlig ruiniert, ein Schuss ins eigene Knie.