Neuer alter Chef

21. Januar 2011 08:09; Akt: 25.01.2011 11:29 Print

Page ist wieder auf dem Google-Thron

Über Twitter verkündet Noch-Google-Chef Eric Schmidt seinen Abgang. Nachfolger wird völlig überraschend sein Vorgänger und Google-Gründer Larry Page.

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Larry Page kehrt an die Google-Spitze zurück. (Bild: Reuters)

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Überraschender Führungswechsel bei Google: Mitbegründer Larry Page kehrt an die Konzernspitze des Internetriesen zurück. Der 37-Jährige wird die Nachfolge von Eric Schmidt am 4. April antreten.

«Tägliche Aufsicht durch Erwachsene nicht mehr nötig», twitterte der 55-jährige Schmidt kurz nachdem Google die Bombe platzen liess. Schmidt übernahm vor zehn Jahren das Ruder, da die Google-Investoren einen erfahreneren Manager forderten.

Doch nun sind die Lehrjahre vorbei. Page, der zuvor bereits drei Jahre lang das Unternehmen gelenkt hatte, darf wieder selbst ans Steuer. Sein Kompagnon Sergey Brin soll sich derweil um neue Produkte kümmern. Die ehemaligen Studienkollegen Page und Brin hatten Google 1998 gegründet.

2001 übergaben die beiden die Führung des Unternehmens an Schmidt, der zuvor Chef beim Software-Anbieter Novell war. Unter ihm hat sich Google von einem aufstrebenden Internetsuch-Unternehmen zu einem breit aufgestellten Technologiekonzern gemausert.

Schmidt macht Kasse

Google meldete die Änderungen an der Spitze der Börsenaufsichtsbehörde SEC. Dabei wurde bekannt, dass sich Schmidt auch von einem kleinen Teil seiner Google-Aktien trennen will. «Eric hat vor, 534 000 Aktien zu verkaufen», heisst es in der Meldung an die SEC.

Dies entspricht zum gegenwärtigen Börsenkurs einem Wert von 334 Mio. Dollar. Macht Schmidt von dieser Option in vollem Umfang Gebrauch, würde sich sein Anteil am Unternehmen von 2,9 auf 2,7 Prozent verringern.

Schmidt wird das Unternehmen als Präsident des Verwaltungsrats künftig vor allem nach aussen vertreten. Die Rollen seien jetzt klarer geregelt, sagte Schmidt in einer Medienkonferenz im kalifornischen Mountain View. Der bisherige Weg, Entscheidungen gemeinsam zu treffen, sei angesichts der Grösse des Unternehmens zu kompliziert geworden.

Kräftiges Wachstum

Das meiste Geld verdient Google weiterhin mit Online-Werbung, vor allem mit der bevorzugten Platzierung der Links zu Werbekunden auf den Trefferlisten einer Internet-Suche. Gut aufgestellt ist das Unternehmen darüber hinaus im Geschäft mit dem mobilen Internet - hier brachte Google das Handy-Betriebssystem Android auf den Weg.

Im Schlussquartal stieg der Umsatz um 26 Prozent auf 8,4 Mrd. Dollar, teilte Google weiter mit. Das Unternehmen verdiente unterm Strich 2,5 Mrd. Dollar, 29 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Damit übertraf Google klar die Erwartungen der Analysten.

Der Jahresgewinn 2010 erreichte 8,5 Mrd. Dollar. Doch Google kann das Geld gar nicht so schnell ausgeben, wie es hereinkommt. In der Kasse liegen mittlerweile 35 Mrd. Dollar.

Facebook als grösste Gefahr

Google stösst mit seinen Milliarden in immer neue Felder vor: Smartphones, Fernsehen, Internettelefonie, elektronische Bücher, Musik, Bürosoftware, PC-Betriebssystem oder Internetbrowser sind nur einige Baustellen.

Bei der Internet-Suche in Europa und Amerika kann lediglich das Bündnis aus Yahoo und Microsoft Google noch die Stirn bieten. In China heisst der Gegenspieler Baidu.

Eine Gefahr für Google sehen Experten im sozialen Netzwerk Facebook mit seinen mehr als 500 Millionen Mitgliedern. Die Nutzer verbringen dort teils Stunden am Tag - ein ideales Umfeld für die Werbeindustrie.

(sda)