Lohndumping

10. Juli 2016 10:30; Akt: 10.07.2016 10:30 Print

Schweizer Löhne sinken bis zu 8 Prozent

Gewerkschaften werfen den Arbeitgebern vor, die Personenfreizügigkeit zu missbrauchen.

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Starker Franken drückt auf die Löhne: Ein Schweisser in einer Werkstatt. (Symbolbild) (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

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Angestellte in der Schweiz verdienten zwischen 2012 und 2014 bis zu 8 Prozent weniger. Das zeigen Recherchen der «SonntagsZeitung», gestützt auf der Lohnstrukturerhebung 2014 des Bundes. Besonders betroffen sind demnach Industrie, öffentliche Verwaltung, Personalverleih, Bankenbranche, Gesundheits- und Sozialwesen sowie die Verkehrsbranche.

Im Schnitt sanken die Löhne innert der Zweijahres-Frist um 0,2 Prozent. Am stärksten zurückgegangen waren die Einstiegslöhne von ausländischen Jahresaufenthaltern. Das verstärke den Lohndruck auf Schweizer Berufseinsteiger, heisst es in dem Bericht weiter. In der Industrie verdienten sie 0,7 Prozent weniger, in der öffentlichen Verwaltung sogar 3,7 Prozent.

Mehr Lohnverstösse

Der starke Franken zwinge die Unternehmen dazu, ihre Kosten zu senken, erklärt Swissmem-Direktor Peter Dietrich. Dadurch sei der Druck auf die Löhne gestiegen. Das bestätigt auch Daniel Lampart. Der Chefökonom des Gewerkschaftsbundes wirft den Firmen allerdings Missbrauch der Personenfreizügigkeit vor. «Schweizer Firmen rekrutieren Arbeitnehmer im Ausland zu tiefen Löhnen, statt Einheimische zu fairen Bedingungen anzustellen», sagt Lampart zur «SonntagsZeitung».

Lohnkontrollen aus dem letzten Jahr hätten gezeigt, dass es mehr Missbrauch gebe, so Lampart. Bei 17 Prozent der ausländischen Firmen und bei 11 Prozent der Schweizer Unternehmen gab es demzufolge im Jahr 2015 Lohnverstösse.

Auch Stefan Studer, Geschäftsführer der Angestellten Schweiz, stört sich an der Praxis der Firmen: «Offensichtlich versuchen sie, die Löhne von neu in den Arbeitsprozess einsteigenden Angestellten von Anfang an zu drücken.»

Vertreter der Arbeitgeber weisen die Kritik zurück. Langfristig hätten sich die Löhne seit 2002 positiv entwickelt, heisst es beim Industrieverband Swissmem und dem Schweizerischen Arbeitgeberverband. Die Personenfreizügigkeit werde nicht missbraucht.

Firmenregister soll schwarze Schafe auflisten

Es brauche stärkere Kontrollen gegen Dumpinglöhne, allgemeinverbindliche Gesamtarbeitsverträge, einen Kündigungsschutz für ältere Mitarbeiter und eine Meldepflicht für freie Stellen an die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren, fordert der Gewerkschaftsbund. Zudem sei ein Register nötig, das schwarze Schafe unter den Firmen aufliste. Der Arbeitgeberverband lehnt die Forderungen ab.

Boris Zürcher vom Staatssekretariat für Wirtschaft spricht sich für häufigere Kontrollen in Kantonen aus, die stärker von der Einwanderung betroffen sind – allen voran im Tessin und in Genf.

(ij)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ........ am 10.07.2016 10:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gueti Sach

    Der Lohn sinkt und die Krankenkassen werden teurer, sonst noch eine gute Nachricht?

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  • Jonny sh am 10.07.2016 10:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Logisch

    Nun ja, Firmen nutzen die Möglichkeiten die sie von der Politik bekommt. Irgendwie Logisch. Wer trägt eigentlich die Verantwortung dafür?

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  • ursa am 10.07.2016 10:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Löhne sinken

    immer wieder die Frankenstärke ist schuld Macht endlich eure Hausaufgaben und hört auf zu Lasten derjenigen zu taktieren, die notabene auch den Lohn von Euch Managern verdienen helfen. Mir kommts vor als wären auf den Chefetagen lauter Kindergartenschüler tätig die meist nur eines kennen: ICH, ICH, ICH....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Heinz am 11.07.2016 20:18 Report Diesen Beitrag melden

    RUNTER MIT DEN ABZOCKER-LÖHNEN

    Fr. 60'000,.-- bis Fr. 80'000.-- Jahres-Lohn von A-Z und nicht mehr sollte zur Regel werden - alles darüber ist Abzocke pur. BR - Politik + Verbände müssen schweizweit Zeichen setzen - die CH darf nicht weiter wursteln bis zum geht nicht mehr.

  • globi am 11.07.2016 20:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fairtrade

    ....Geiz ist geil....gilt wohl nicht nur für die Konsumenten...Folks wacht auf es gibt keine Geschenke...

  • G. Nervt am 11.07.2016 17:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Macht Euch keine Sorgen...

    ...dafür gibt es ja die flankierenden Massnahmen... Bin gespannt, wie lange die Menschen der immer weitergehenden Öffnung der Schere zwischen Arm und Reich zuschauen! Lasst Euch nur noch mehr ausnehmen, ausnutzen und auslachen!

  • lucky luck am 11.07.2016 17:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ausländische Arbeiter für Bundesbauten

    wurden schon vor paar Jahren eingesetzt zum Errichten einer Halle für die Armee. Schweizer Firmen erhielten den Auftrag und vergaben den ins Aussland. Darf das sein und erstnoch für eine Bundesbaustelle?

  • salvi 1 am 11.07.2016 16:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geiz ist geil

    Bei Geiz ist geil trifft es eben alle.