Negativzinsen

10. Oktober 2012 20:49; Akt: 10.10.2012 20:49 Print

Geld bezahlen statt Zinsen kassieren

von Balz Bruppacher - Grosse Banken in Nordamerika verlangen jetzt Geld, wenn ihre Kunden Schweizer Franken parkieren wollen. Das hilft theoretisch der Nationalbank im Kampf gegen den teuren Franken.

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Mit Negativzinsen hatte sich die Schweiz in früheren Jahrzehnten gegen den Zustrom ausländischer Gelder gewehrt. (Bild: Keystone)

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Wer Geld auf die Bank trägt, erhält normalerweise etwas dafür. Die Staatsschuldenkrise rüttelt auch an diesem Grundsatz. Laut Berichten der Nachrichtenagenturen Bloomberg und Reuters sind führende Depotbanken in den USA und in Kanada dazu übergegangen, auf Einlagen in Schweizer Franken und dänischen Kronen Negativzinsen zu verlangen.

Genannt werden die Banken State Street, Royal Bank of Canada, Bank of New York Mellon und Euroclear. Verlangt wird ab einer bestimmten Höhe der angelegten Gelder – zum Beispiel 100 000 Franken – eine Gebühr von 0,25 bis 0,75 pro Jahr. Heisst das, dass wir auch bald in der Schweiz etwas zahlen müssen, wenn wir Bar-Einlagen in Franken bei der Bank deponieren? Eher nicht, meinen Währungsexperten, auch wenn ein Domino-Effekt nicht ganz ausgeschlossen wird.

Kunden lassen sich sicheren Hafen etwas kosten

«Bisher scheint es sich um ein isoliertes Phänomen amerikanischer Banken zu handeln», sagt Constantin Bolz, Devisenmarktstratege bei der UBS. Er erklärt sich dies mit der besonderen Situation dieser Institute: Sie bieten seit vielen Jahren Schweizer-Franken-Konten an, können die dort parkierten Gelder aber nicht oder nur zu sehr ungünstigen Konditionen für die Kreditgewährung einsetzen.

Das heisst, diese Banken verdienen mit den Frankenguthaben kein Geld mehr und können somit auch keine Zinsen auf diese Guthaben zahlen. Weil der Franken und die dänische Krone in der Schuldenkrise als sicherer Hafen gelten, sind Investoren bereit, für solche Anlagen sogar etwas zu bezahlen. Davon profitiert zum Beispiel auch der Bund: Mit der kurzfristigen Geldaufnahme verdient die Eidgenossenschaft seit über einem Jahr Geld, statt dass sie Zinsen bezahlen muss.

Bei der SNB im Giftschrank

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) wollte sich nicht zur Entwicklung bei den amerikanischen Banken äussern. «Zu Beziehungen zwischen Geschäftsbanken und ihren Kunden äussern wir uns nicht», sagte ein SNB-Sprecher. Negativzinsen gehören zu jenem Instrumentarium, mit dem sich die Schweiz in früheren Jahrzehnten gegen den Zustrom ausländischer Gelder gewehrt hatte. Diese Waffe blieb bisher aber im Giftschrank. Zum einen ist ihre Wirkung umstritten. Zum anderen setzt die Nationalbank mit dem Euro-Mindestkurs bereits seit über einem Jahr schweres Geschütz gegen die Aufwertung des Frankens ein.

Erhalten die Schweizer Währungshüter nun von den US-Banken Schützenhilfe? Kaum, lautet die vorläufige Antwort. Zwar sorgten die ersten Meldungen über die Negativzinsen auf Frankenguthaben in der Nacht auf Dienstag für einen kurzen Höhenflug Euro bis gegen 1.2150 Franken. Inzwischen ist die Einheitswährung auf rund 1.21 Franken zurückgefallen.

Negativzinsen: nur kleine Abschreckung

Der UBS-Experte Bolz bezweifelt aus drei Gründen, dass die von den US-Banken erhobenen Negativzinsen den Frankenkurs dauerhaft beeinflussen. Erstens muss ein minimaler Negativzins einen verängstigten Investor nicht davon abhalten sein Geld weiterhin in Schweizer Franken zu parkieren. Zweitens dürften die betroffenen Franken-Volumen zu niedrig sein. Und drittens kann nur eine Lösung der Probleme in der Eurozone die Kursverhältnisse nachhaltig verändern.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • EX-CS Kunde am 10.10.2012 22:02 Report Diesen Beitrag melden

    ist bei uns auch so

    Die Spesen, die beispielsweise eine CS verlangt fressen die mickrigen Zinsen schon lange auf....

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  • tinu am 10.10.2012 22:31 Report Diesen Beitrag melden

    PR->Programm

    ...das ganze ist einmal mehr PR und nicht einmal schlecht für uns. Die SNB muss unbedingt dagegen halten. auch wenn ich lieber günstiger aud kaufen würde.

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  • Freier Mensch am 10.10.2012 22:25 Report Diesen Beitrag melden

    In GOLD we trust

    Gibt zwar keinen Zins und essen kann man es auch nicht. Mit einer Milliarde Reichsmark konnte immerhin noch geheizt werden :-))

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Die neusten Leser-Kommentare

  • max käppeli am 11.10.2012 10:58 Report Diesen Beitrag melden

    Ablaufdatum

    Geld müsste eigentlich ein Ablaufdatum haben, somit wäre sichergestellt, dass es in Umlauf kommt und nicht einfach nur gehortet wird.

    • Supermario am 11.10.2012 18:01 Report Diesen Beitrag melden

      Oder besteuern (Minuszinsen)?

      Nein, der Ansatz, dass "totes" Kapital besteuert wird (Minuszinsen) ist grundsätzlich nicht schlecht. Ich habe allerdings noch keine Antwort auf die Frage gefunden wie es denn mit gehortetem Papiergeld funktionieren soll? Vielleicht weisst du diesbezüglich mehr?

    • Tilo B. am 12.10.2012 00:08 Report Diesen Beitrag melden

      @Supermario

      In Aktien darf man zur Zeit ja leider auch nicht mehr investieren, da es letztendlich nur ungeschütztes Papier ist. Deshalb kaufe ich seit einigen Monaten mit meinem Geld regelmässig Gold. Steuern brauche ich wohl demzufolge keine mehr bezahlen. Zudem spare ich mir obendrein die Bankspesen. Und das beste dabei ... Raten Sie mal wie sich ihr Gehalt und ihre Rentenansprüche in den nächsten Jahren entwickeln werden.

    • Supermario am 12.10.2012 10:43 Report Diesen Beitrag melden

      @Tilo; Lebens- und Anlageweisheit

      Goldanlagen sind genauso "tot" wie Bargeld da unproduktiv! Wie du persönlich dazu stehst.... sei deine Sache aber einen wirtschaftlichen Wert haben auch Goldanlagen (wie auch alle anderen Rohstoffe) zu Investmentzwecken nicht. Einen kapitalen Schutz auf deinen Anlagen gibts übrigens nicht; was raufgeht kann auch jederzeit wieder runtergehen!

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  • René Widmer am 11.10.2012 09:52 Report Diesen Beitrag melden

    Andere Sichtweise

    Man kann die Sache ja auch so sehen, dass Geld ein beliebiges Produkt - oder Tauschmittel ist. Dass für die Einlagerung von Produkten Geld oder Gebühren verlangt wird, ist in der Normalwirtschaft selbstverständlich. Vielleicht müssen wir unser verkrampftes Verhältnis zum Geld neu überdenken.

  • Thomas am 11.10.2012 00:34 Report Diesen Beitrag melden

    Wunder von Wörgl

    Schon mal was vom "Wunder von Wörgl" gehört?

  • Hans Fischer am 10.10.2012 23:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Chunnsch drus?

    Spannend. Wenn das so weitergeht, bekomme ich von der Bank bald einmal Geld für meine Hypothek und damit zahle ich dann wieder die Zinsen. Funktioniert wohl doch nicht, also soll sie mir doch einfach das geschuldete Geld schenken und dann ist's auch gut, für mich jedenfalls schon.

    • Supermario am 11.10.2012 17:58 Report Diesen Beitrag melden

      Schnellmerker

      Schnellmerker; funktionale Schulden (wenn sie denn wirtschaftlich begründet sind) sind das beste, was man in inflationären Zeiten haben kann.

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  • Angel Heart am 10.10.2012 22:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spesen

    Man bezahlt sich ja bei jedem Konto an Spesen dumm und dämlich, für jeden Auszug wird noch extra was verlangt. Das ist in der CH schon lange so!

    • Seameus am 10.10.2012 23:17 Report Diesen Beitrag melden

      Andere Bank

      Ich würde mal prüfen, ob du bei einer anderen Bank oder Post nicht vielleicht besser aufgehoben wärst.

    • HeGla am 11.10.2012 06:03 Report Diesen Beitrag melden

      E-Banking

      Viele Banken verlangen keine Gebühren mehr, wenn der Auszug nur elektronisch zugestellt wird.

    • Röfe Heinrich am 11.10.2012 08:22 Report Diesen Beitrag melden

      PostFinace

      ... genau, die Post hat hier sicherlich die tieften Spesen. Und der Service ist absolut gut. Zahlen kannst mit der PostCard auch überall. Auch ist das E-Finance eine geniale Sache. Schau mal rein, ist empfehlenswert.

    • Reto Meier am 11.10.2012 10:19 Report Diesen Beitrag melden

      Postfinance?

      Kann die Leute nicht verstehen welche alle die Postfinance derart gut finden, diese hat in den letzten Jahren die Spesen massiv erhöht und gehört heute fast in die Kategorie UBS/CS, zudem ist der Service alles andere als gut meiner Erfahrung nach. Ich persönlich rate ganz klar ab von der Postfinance, da doch eher eine Regionalbank, Raiffeisenbank oder Kantonalbank, die Gebühren/Spesen sind deutlich tiefer und die Mitarbeiter meist wesentlich kompetenter.

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