Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
Steuersünder am Pranger
12. November 2012 18:56; Akt: 12.11.2012 19:30 Print
Die UBS-Razzien waren womöglich illegal
von Sandro Spaeth - Deutsche Fahnder haben die Häuser von mutmasslichen Steuerhinterziehern mit Konten bei der UBS durchsucht. Ob die sichergestellten Daten vor Gericht zulässig sind, ist ungewiss.

Deutsche UBS-Kunden haben besuch von der Steuerfahndung erhalten. Im Bild: Eine UBS-Filiale in Hamburg. (Bild: Keystone)
Panik bei deutschen UBS Kunden: Am Montagmorgen haben mehrere Staatsanwälte sowie rund 50 Fahnder in ganz Deutschland Razzien in Privathäusern und Firmen von Kunden der Schweizer Grossbank durchgeführt. Betroffen seien zahlreiche Verdächtige, die Steuern hinterzogen haben könnten, sagte der Bochumer Oberstaatsanwalt Bernd Bieniossek am Montag.
Steuerfahnder sind FrühaufsteherDie Männer der Steuerfahndung kommen selten allein: «In der Regel stehen Fahnder zu fünft oder zu sechst vor der Tür», erzählte ein deutscher Steueranwalt im Frühjahr im Gespräch mit 20 Minuten Online. Die geballte Staatsmacht komme zum Steuerpflichtigen – um ihn einzuschüchtern. In der kalten Jahreszeit schlagen die Steuerfahnder etwa ab sechs Uhr in der Früh zu. Ein Anwalt, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte, erzählte, dass er mehrmals pro Jahr aus dem Bett geklingelt wird, wenn die Fahnder mit dem Durchsuchungsbefehl vor den Häusern seiner Klienten stehen.(sas)
Ob die Durchsuchungsbeschlüsse der Fahnder tatsächlich rechtens sind, ist jedoch unklar. Der deutsche Steueranwalt Prof. Dr. Thomas Koblenzer zieht dies im Gespräch mit 20 Minuten Online in Zweifel: «Beruhen sie allein auf Informationen aus dem Ankauf von Steuer-CDs, sind sie unzulässig», ist der Steueranwalt mit Kanzleien in Düsseldorf und Zürich überzeugt.
Zudem wären auch die bei den Razzien beschlagnahmten Dokumente bei einem Strafverfahren und bei der Nachbesteuerung vermutlich nicht verwertbar, so man denn die Rechtsprechung des deutschen Bundesverfassungsgerichts ernst nehme, glaubt Koblenzer. Das Finanzministerium in Düsseldorf hat seit 2010 insgesamt sechs CDs aus der Schweiz mit den Daten mutmasslicher deutscher Steuerhinterzieher gekauft.
Wer clever ist, hat keine Unterlagen zuhause
Steuerrechtspezialist Koblenzer kommt aufgrund einer Beurteilung eines Entscheids des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2010 zu dieser Einsicht – der NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borians (SPD) behauptet regelmässig das Gegenteil. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kläger in einem Präzedenzfall vor Gericht obsiegt, liegt laut dem Steuerrechtsexperten bei über 90 Prozent. «Einen solchen Fall durchzuziehen braucht aber Nerven, denn die Behörden könnten je nach Schwere der vorgeworfenen Steuerhinterziehungstat auch Untersuchungshaft anordnen», so der Experte.
Wenn der Steuerfahnder an der Haustüre klingelt, sollte man am besten Ruhe bewahren und sich den Durchsuchungsbeschluss zeigen lassen. «Wichtig ist, umgehend den juristischen Berater beizuziehen», sagt Koblenzer, der davon abrät, in letzter Sekunde irgendwelche Dokumente zu verstecken. «Sonst stellen einem die Beamten das ganze Haus auf den Kopf.» Wer clever sei, würde gar keine Unterlagen zuhause aufbewahren.
Ermittlungen auch in Mannheim
Erst am Donnerstag war bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft Mannheim gegen den deutschen UBS-Ableger ermittelt. Laut Informationen aus der Staatsanwaltschaft soll die Bank Anleger dabei unterstützt haben, Gelder am Fiskus vorbei in die Schweiz zu transferieren. Das Geld soll über ein internes Verrechnungskonto der Bank in die Schweiz verschoben worden sein.
Auf Anfrage von 20 Minuten Online sagt UBS-Sprecher Dominique Gerster: «Die UBS leistet Kunden keine Unterstützung bei Umgehung der Steuerpflichten.» Die UBS hat laut eigenen Angaben 2009 das grenzüberschreitende Geschäft einer genauen Prüfung unterzogen und die Regeln wo nötig angepasst.
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»
Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.
«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»
Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.
«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»
Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)
Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?
Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 72 Stunden, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.
-
Alle 52 Kommentare

Die Printausgabe von 20 Minuten gibts jetzt auch als ePaper.
Die 20 Minuten App Familie
Thank god it's Friday!
DIE Nightlife-Website für Partyverrückte aus aller Welt





















Armes Deutschland
Tönt nach Stasi Methoden, ob das jetzt UBS Kunden sind oder anderer Banken. Anscheinend steht finanziell Deutschland das Messer bis zum Hals.
Eine andere Art von Krieg und wieder ???
Eine Einschüchterungstaktik, mehr nicht. Man hat in letzter zeit vermehrt vernommen, dass der Bundestag das Steuerabkommen durchwinkt. Die SPD musste also irgendetwas unternehmen, was auch in den Medien verbreitet werden kann. Hier geht es nicht mehr nur ums Geld, Deutschland will mit aller Macht über die Schweiz regieren. Dass die kleine Schweiz besser da steht, wie Gross-Deutschland, das geht Ihnen innerlich so auf den Sack.
Frage
Wann wird eindlich in der Schweiz eine Finanzpolizei ins Leben gerufen?