Neues Konzept

01. Dezember 2017 10:12; Akt: 01.12.2017 10:12 Print

Lehrlinge müssen eigenen Laptop zur Schule bringen

von R. Knecht - Computerräume an Berufsschulen könnten schon bald Geschichte sein: Viele Auszubildende müssen ihre eigenen Laptops mitbringen.

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Im Kanton Luzern müssen Lernende an Berufsschulen nächstes Jahr ihre eigenen Laptops organisieren. «Bring your own device» heisst das Konzept, das im Rahmen des kantonalen Programms zur Digitalisierung der Ausbildung, Pegasus, umgesetzt wird. Dieser Schritt soll die Informatikkompetenz der Lernenden stärken, wie Christof Spöring, Leiter der Luzerner Dienststelle Berufs- und Weiterbildung, zur «Luzerner Zeitung» sagt.

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Wie es bereits bei vielen Berufsschulen in der Schweiz der Fall ist, sollen auch in Luzern einzelne Institutionen vorgeben, was Laptops für die verschiedenen Berufe leisten können müssen. Laut Spöring sei je nach Fachgebiet mit Ausgaben von 300 bis 700 Franken zu rechnen, sofern die Lernenden auf Aktionspreise zurückgreifen.

Den Lehrbetrieben werde empfohlen, sich an diesen Kosten zu beteiligen. Das kritisiert Gaudenz Zemp, Direktor des kantonalen Gewerbeverbands: «Weitere Auslagen machen die Ausbildung von Lehrlingen zunehmend unattraktiv», so Zemp.

Luzern ist keine Ausnahme

Immer weniger Schweizer Ausbildungsstätten haben fest installierte Computerstationen. Die Berufsfachschule BBB in Baden etwa setzt ebenfalls auf Notebooks und verlangt, dass die Lernenden ihre eigenen Geräte mitbringen.

Die Schule arbeitet mit einem IT-Dienstleister zusammen, um besondere Angebote zu ermöglichen. Das günstigste Gerät kostete im Sommer 740 Franken. Ein Laptop, der sich für Polymechaniker eignete, kostete 1250 Franken. Besonders teuer waren Geräte, die sich für Informatikberufe eignen: Der Preis betrug bis zu 1670 Franken. Lernende konnten ihre Geräte natürlich auch andernorts beschaffen.

Auszubildende stört es nicht

Von den Lernenden habe es bezüglich der Laptop-Pflicht bisher keine Reklamationen gegeben, sagt Rolf Häner, Rektor der Berufsfachschule BBB, zu 20 Minuten. «Das eigene Notebook ist eine Investition in die Ausbildung und ins Leben», so Häner, «Viele Lehrlinge in technischen Berufen haben sowieso schon eines.»

Anders als in Baden ist es an der Technischen Berufsschule Zürich: Dort gilt «Bring your own device» nur bei bestimmten Berufsgruppen. Ein Sprecher der Schule sagt zu 20 Minuten, die Auszubildenden müssten ihre eigenen Geräte nur mitbringen, wenn sie auch im Berufsalltag damit konfrontiert seien. Für die anderen gebe es feste Computerstationen. Prinzipiell auf private Laptops umzustellen, biete keinen allgemeinen Mehrwert, sagt der Sprecher.

Alle Schulen werden umsteigen

Für Philippe Wampfler, Lehrer und Experte für Lernen mit neuen Medien, ist klar, dass in der Schweiz auf Sekundarstufe zwei bald alle Schüler ihre eigenen Geräte mitbringen müssen. In den nächsten fünf Jahren würden alle Schulen auf dieses System wechseln, prognostiziert Wampfler.

Doch was, wenn sich Lernende und deren Familien keinen teuren Laptop leisten können? Wampfler sieht zwei Lösungsansätze. Einerseits sollten Schulen in solchen Fällen eine Lösung zur finanziellen Unterstützung bieten. Betriebe, die sowieso mit ähnlichen Geräten arbeiten, sollten sich zudem überlegen, den Auszubildenden einen Laptop bereitzustellen. «Schliesslich ist es im Berufsalltag normal, dass der Betrieb ein Arbeitsgerät zur Verfügung stellt», so der Experte.

Für die Lehrbetriebe könnte es auch von Vorteil sein, wenn sie den Lehrlingen ein Gerät stellten, sagt Wampfler. So würden sie auf dem gleichen Laptop arbeiten, mit dem sie in der Berufsschule lernten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rita R. am 01.12.2017 10:20 Report Diesen Beitrag melden

    Noch mehr Kosten für Familien

    Zum Glück sind meine Kinder nun mit der Ausbildung fast fertig. Wir hätten uns es als Familie nicht leisten können, jedem einen eigenen Laptop oder ein eigenes Notebook zu finanzieren.

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  • Broetli am 01.12.2017 10:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    In Luzern ja klar

    Geld für Bildung gibt es dort ja keines mehr.

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  • ReFa am 01.12.2017 10:18 Report Diesen Beitrag melden

    BBBaden gibts das schon lange

    Gar nicht neu! Das haben wir an der BBBaden schon längst müssen! Als ich 2010 dort in die Berufsschule ging, musste schon jeder Lehrling seinen eigene Laptop bringen... War schon recht mühsam immer mit dem Schulkoffer in die Berufsschule zu müssen...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Anony Mouse am 02.12.2017 22:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super Idee, aber nicht wirklich neu

    Ich musste in der Lehre mein wichtigstes Werkzeug auch selber bezahlen. War damals völlig normal und so soll es auch heute sein. Oder wer soll denn für die Kosten aufkommen? Vermute mal wie üblich alle anderen, nur nicht die Familie, deren Kind damit ausgebildet wird...

  • R. Infanger am 02.12.2017 21:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Idee

    Super. Dann lernen die Youngsters auch grad Sorge zu tragen mit dem Gerät. Und in der Freizeit dient das Gerät als Computer, e-BookReader, TV, etc. Eine Investition in die Zukunft. Habe 4 Kinder und muss das halt budgetieren. Dafür mal halt anderswo weniger Kohle raushauen.

  • Gandalf am 02.12.2017 21:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leider keine Loby

    Mal wieder Luzern. Aber x-Zehntausende im Heimbach rausschmeisen für ein neues Schulzimmer einer Kleinstberufsklasse geht.

  • TommyM am 02.12.2017 20:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichts neues...

    Ich habe von 98-02 eine Lehre in der Tech. Branche gemacht und musste damalls schon ein Notebook kaufen. Das war Vorschrift vom Lehrbetrieb. Der Betrieb hatte auf Wunsch das Gerät vorfinanziert und in Raten vom Lehrlingslohn abgezogen. Die Geräte kosteten dazumal 4200.- Ist also nicht so neu die Idee...

  • Tim am 02.12.2017 19:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Und? Musste damals 1997 ein Texas Instrument Rechner für 300.- mitbringen. Dann gibt es halt mal ein Jahr ohne kauf eines neuen Smartphones.