Internal Revenue Service

06. Februar 2012 09:16; Akt: 06.02.2012 10:03 Print

Die lästigste Behörde der WeltDie lästigste Behörde der Welt

von Sabina Sturzenegger - Sie hat einst Al Capone hinter Gitter gebracht und nagelt nun die Schweizer Banken an die Wand: die US-Steuerbehörde IRS. Warum ist das Washingtoner Superamt derart gefürchtet?

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Nur die IRS, die US-amerikanische Steuerbehörde, schaffte es, ihn hinter Gitter zu bringen: Gangsterboss Al Capone im Jahr 1931. (Bild: Keystone)

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Bei der US-Steuerbehörde IRS gibt man sich kundenfreundlich: Besuchern der Website werden Tipps erteilt, man kann dem Amt auf Twitter und Facebook folgen. In den zahlreichen empfohlenen Videos auf YouTube erläutern IRS-Mitarbeitende, was man als US-Bürger bei der Steuerdeklaration beachten sollte und wie man seine Rückzahlungen am einfachsten abwickelt. Bald, so verspricht die Seite, werde es auch eine Smartphone-App geben, mit der man den Überblick über das Steuerkonto behält, wie über ein Bankkonto.

Hinter dieser netten Fassade verbirgt sich eines der gefürchtetsten Ämter der Welt. Die Schweizer Banken, unter ihnen die UBS B”rsenkurs, die CS B”rsenkurs, sowie diverse Kantonalbanken und Privatbanken können vom Jagdinstinkt der amerikanischen Steuerbehörde ein Liedchen singen. Wer denkt, nur das FBI oder der Geheimdienst CIA jagten erfolgreich Gangster, vergisst den IRS.

Dank dem Internal Revenue Service, kurz IRS, sind schon legendäre Gangsterbosse wie Al Capone hinter Gittern gelandet: Während dem Mafioso nie ein Mord oder Mordauftrag nachgewiesen werden konnte, schaffte es die Steuerbehörde, ihn wegen Steuerhinterziehung für 11 Jahre in den Knast zu bringen. Der IRS hatte herausgefunden, dass Al Capones Kosten für seine Lebensführung nicht mit seinen steuerlichen Erklärungen übereinstimmen konnten.

100 000 Angestellte, 12 Milliarden Budget

Den IRS gibt es seit 1913. Er ist in der US-amerikanischen Hauptstadt Washington angesiedelt und gleicht einer Monster-Behörde: Den 100 000 Angestellten steht ein Jahresbudget von 12 Milliarden Dollar zur Verfügung. Zu den Aufgaben des IRS gehören neben der Erhebung von Steuern auch die Ermittlung in Steuerstrafsachen. Dafür gibt es die Abteilung «Criminal Investigation». Diese verfügt über untersuchtungsrichterliche Kompetenzen, kann also von sich aus ermitteln, strafrechtlich verfolgen - und die Konsequenzen ziehen. Diese Abteilung ist mit weltweit über 4000 Mitarbeitern, den «Special Agents», dotiert.

An der Spitze des IRS steht der 45-jährige Douglas Shulman. Er ist zwar bei uns weniger bekannt als der US-Präsident, wird aber dennoch zuweilen als «Gesicht des Staats» bezeichnet: Praktisch jeder Amerikaner hat in irgendeiner Form irgendeinmal mit dem US-Steueramt zu tun.

«Am besten volle Kooperation»

«Der IRS ist ein sehr gefürchtetes Amt, man spricht ihm eine hohe Professionalität zu», sagt Martin Naville, Geschäftsleiter der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer. Wenn in einem amerikanischen Haushalt oder in einer Firma ein Brief des IRS eintreffe, werde dieser «sehr prioritär» behandelt. «Im Umgang mit der Steuerbehörde wendet man in den USA am besten sofort die Taktik ‹full cooperation›, also vollständige Zusammenarbeit an», ergänzt Naville.

Denn, so Naville weiter: «Der IRS weiss alles. Das erklärt auch, weshalb Steuerhinterziehung in den USA praktisch inexistent ist.» Es gebe keinen Lohn, der nicht über den Tisch des IRS gehe. Alle Daten über die Einkünfte von US-amerikanischen Bürgern, aber auch von Ausländern, die in den USA arbeiteten, gingen an die Behörde.

Image der knallharten Fahnder

Entsprechend ist auch das Image der IRS-Mitarbeitenden: Sie gelten zwar als Bürokraten, doch sie arbeiten, wie Naville sagt, «oft investigativ – und exekutiv». Insbesondere die Special Agents der Abteilung Criminal Investigation sind knallharte Fahnder, die bei einem Verdacht jederzeit zugreifen können. «Es kann sein, dass die IRS-Beamten um 10 Uhr morgens ins Büro stürmen und jemanden vor den Augen seiner Mitarbeitenden in Handschellen legt», schildert Naville die Vorgehensweisen.

«Steuerhinterziehung ist in den USA eine echte Kriminaltat», sagt Robert Waldburger, Professor für Steuerrecht an der Universität St. Gallen. Das liege daran, dass das System der Steuererklärung in den Vereinigten Staaten ganz anders funktioniere: «In den USA kennt man das Selbstveranlagungssystem, bei dem jeder Bürger selber ausrechnen und deklarieren muss, wie viele Steuern er zahlt. Es werden nur etwa fünf Prozent aller Steuererklärungen überhaupt vom IRS geprüft.» In der Schweiz hingegen wird jede Steuererklärung von der Behörde kontrolliert und eine Verfügung erlassen, die man als Steuerzahler anfechten kann.

«Zahnlose» Schweizer Steuerbehörden

Das System des Selbstveranlagungsverfahrens, verbunden mit der niedrigen Kontrolldichte, funktioniert nur, weil die Konsequenzen bei der Steuerhinterziehung in den USA sehr hart sind: «Wer beim Steuerzahlen nicht ehrlich war, und dabei erwischt wird, muss schon beim ersten Mal mit einer Freiheitsstrafe rechnen», sagt Waldburger. Aus diesem Grund seien die Special Agents des IRS auch mit untersuchungsrichterlichen Kompetenzen ausgestattet, vergleichbar mit jenen der in Deutschland ebenfalls gefürchteten Steuerfahndung. Waldburger: «Dagegen wirken die Schweizer Steuerbehörden, zumindest auf Kantons- und Gemeindesteuerebene, natürlich zahnlos.»

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  • Roland S. am 07.02.2012 07:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mafia ?

    Interessant ist in diesem Bericht die Nennung des einstigen Mafiabosses im Vergleich Schweizer Banken in einem Satz....

  • Paolo Paletonno am 06.02.2012 18:54 Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Dokumentation über das Thema

    Die Steuergelder, die das IRS eintreibt, fliessen direkt als Sicherheiten an das Bankenkartell und gar nicht an den Staat, der nur immer neue Schulden macht. Eine natürliche Person müsste in den USA keine Einkommenssteuer zahlen. Sie zahlen es trotzdem, aus Ignoranz oder Angst. Die IRS verfügt über SWAT Teams, die den Bürgern das Leben so schwer macht, dass es einfacher ist zu zahlen als sich zu wehren. Es eine tolle Dokumentation über das Thema von Aaron Russo. "America: Freedom to Fascism" frei ansehbar auf dem Internet.

  • Samy am 06.02.2012 17:05 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt kein Gesetz..

    ..dass eine natürliche Person in den USA dazu zwingt eine Steuererklärung auszufüllen/Steuern zu zahlen. Warum? Das ursprüngliche Steuersystem sagt dass jede DIREKTE Steuer unter de Bevölkerung auffzuteilen ist und das wird sie nicht. Es gab sogar schon Gerichtsfälle wo Steuer-nicht-zahler freigesprochen wurden weil es de facto KEIN GESETZ gibt. Die IRS arbeitet mit Einschüchterung und Unwissenheit der Menschen. Beweist das Gegenteil und zeigt mir das Gesetz wenn ihr es nicht glaubt.

    • Peter Frei am 06.02.2012 18:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Richtig

      Genau! Und das mit der Einschüchterung versuchen sie nun auch mit den Schweizer Banken. Die wirklich Reichen in den USA bezahlen eh schon lange keine Steuern (mehr).

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