Mangel an Führungsnachwuchs

22. September 2017 05:55; Akt: 22.09.2017 05:55 Print

Zu stressig – Talente wollen nicht Chef sein

von Dominic Benz - Junge Angestellte scheuen sich vor Verantwortung und haben keine Lust mehr auf den Chefsessel. Doch viele Firmen müssen sich selber an der Nase nehmen.

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Keine Lust auf mehr Verantwortung, lieber mehr Freizeit als ein guter Lohn – die Gründe, warum junge Arbeitnehmer keine Lust auf einen Chefjob haben, sind verschieden. Tatsache ist: Den Schweizer Unternehmen fehlt der Nachwuchs in den Führungspositionen. Das ist das Ergebnis einer Befragung des Personalvermittlers Robert Half.

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Rund jedes fünfte Unternehmen habe sich über den Mangel beklagt, sagt der Studienverantwortliche Yeng Chown. Darunter seien vor allem grössere Firmen.

Insgesamt 200 Schweizer Personalverantwortliche wurden befragt. Rund 80 Prozent sehen den Grund für das Desinteresse der Mitarbeiter an einem Chefposten darin, dass viele Mitarbeiter keine zusätzliche Verantwortung übernehmen möchten. Über 60 Prozent gaben an, dass eine gute Work-Life-Balance wichtiger sei als ein höheres Gehalt oder eine gehobenere Position. Weitere Gründe waren das zu hohe Geschäftstempo, zu geringe Motivation oder fehlende Trainings- und Mentoringprogramme, die Mitarbeiter unterstützen könnten.

Chefposten zu wenig attraktiv

Dass die Mitarbeiter keine Lust auf einen Chefjob haben, liegt allerdings nicht nur an ihnen selber. Die Unternehmen haben sich den Mangel teilweise selber zuzuschreiben. Die Führungspositionen seien weniger attraktiv als früher, sagt Chow. Vor allem in den Branchen, bei denen das Umfeld härter geworden sei.

So habe bei der jüngeren Generation ein Umdenken stattgefunden. Das Zauberwort heisst Work-Life-Balance. «Die Arbeitnehmer wollen nicht mehr alles nur wegen eines Jobs aufgeben.» Die Werte der Mitarbeiter hätten sich verändert. Teilzeit, Homeoffice und Flexibilität bei der Arbeit würden eine wichtigere Rolle spielen. «Die Unternehmen stehen in der Pflicht, sich den Bedürfnissen der Arbeitnehmer anzupassen», so Chow. Das sei letztlich eine Frage der Kultur bei den Unternehmen.»

Ansprüche haben sich verändert

Auch die Swisscom stellt fest, dass sich die Ansprüche an Führungspositionen verändern. «Selbstführung und die Führung von Themen werden wichtiger, dafür nimmt die hierarchische Führung an Bedeutung ab», sagt die Sprecherin Sabrina Hubacher auf Anfrage zu 20 Minuten. Von einem Mangel an Führungsnachwuchs will sie hingegen nichts wissen.

Bei Axa-Winterthur wird Flexibilität grossgeschrieben. Der Versicherer hat flachere Hierarchien eingeführt. «Das heisst: weniger Chefs und mehr Selbststeuerung», sagt die Personalchefin Mirjam Bamberger. Ebenso zentral sei die Teilzeitbeschäftigung. «Bei uns arbeitet auch das Topkader Teilzeit.»

Unternehmen sollten sich den Regeln der Zukunft anpassen, so Bamberger. Wenn man das nicht mache, müsse man sich nicht wundern, wenn Führungspositionen unbesetzt blieben.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Stannis Baratheon am 22.09.2017 06:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    0 Menschlichkeit

    Warum wir eine andere Einstellung haben ? Weil wir sehen wie z.B unsere eltern immer hart gearbeitet haben und schlussendlich nicht wirklich was haben nicht mal ein Dankeschön bekommen. Weil die hohen Tiere meinen wir seien Verbrauchsmaterial. Weil das Leben zu kurz ist um immer nur an die Arbeit zu denken

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  • Dega76 am 22.09.2017 06:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum sich verheizen lassen?

    Ich kann es nachvollziehen. Der Druck, den die Firmen machen ist enorm. Warum sich verheizen lassen? Es gibt wichtigeres im Leben!

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  • Andreas am 22.09.2017 06:05 Report Diesen Beitrag melden

    Warum? Es geht nur um Gewinnmaximierung

    Wachstum, Umstrukturierung, Produktivität. Menschen werden mehr und mehr wie Maschinen behandelt. Wir müssen ''funktionieren'', wer nicht mitmacht fällt aus dem System.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • D.B. am 23.09.2017 23:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Teamleiter genügt

    Leite heute ein IT Team und möchte keine Stufe mehr weiter nach oben. Früher hätte ich mich noch für den Posten des IT Leiters interessiert. Aber wenn ich sehe, wie man heute auf dieser Position verschliessen wird, da pfeif ich echt auf das mehr an Lohn. Finde es gut, wenn die Jungen heute nicht nur Geld- und Machtgeil sind, sondern auch über Lebensqualität nachdenken.

  • Wiliam am 23.09.2017 21:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wen meint ihr?

    Reden die hier von Schweizern oder generell von Leuten die keine Führungsposition haben wollen? Wobei die Firmen lehnen ja auch viele Bewerber ganz flapsig ab! Verrückte Berufswelt!

  • Cojones am 23.09.2017 20:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bin genau dort,

    wo ich sein möchte. Würde jederzeit mehr Verantwortung übernehmen, wäre dadurch aber leider nur noch an Meetings und müsste die Psychokurse unseres Unternehmens positiv unterstreichen. Nicht mit mir. Bleibe lieber da wo ich momentan bin, nämlich an der Front. Da gehöre ich hin. Habe dafür Feierabend und Zeit für mein privates Leben und kann meine Einstellung leben. Ist, mir zumindest, viel mehr Wert als mehr Kohle. Komme auch so sehr gut aus.

  • Köbeli am 23.09.2017 20:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Verantwortung

    Führen hat absolut nichts mit Übernahme von Verantwortung zu tun. Verantwortung zu tragen, würde bedeuten, dass man bei einem Fehlentscheid ins Gefängnis geht oder hingerichtet wird. Habe ich - zumindest in der Schweiz - noch nie gesehen.

  • Luzerner am 23.09.2017 14:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fachkräftemangel, Managermangel,....Menschenversta

    Es mangelt an allem.... lebt man nur zum Arbeiten, oder arbeitet man zum Leben? Wohl etwas dazwischen....