Peter Harf

27. September 2017 08:54; Akt: 27.09.2017 08:54 Print

Dieser Milliardär jagt mit seinem Kaffee Nestlé

von Isabel Strassheim - Peter Harf setzt voll auf Kaffee und hat in den letzten fünf Jahren das weltweit zweitgrösste Imperium aufgebaut. Nestlé hält dagegen.

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Er ist selbst Milliardär und arbeitet für eine der verschwiegensten und reichsten Milliardärsfamilien Deutschlands: Peter Harf. Sein Motto: Ideen rigoros durchziehen. Tatsächlich hat er seinen Plan, das weltweit grösste reine Kaffeegeschäft aufzubauen, quasi im Handumdrehen durchgesetzt. Mit insgesamt rund 30 Milliarden Dollar kauft der Deutsche seit 2012 Kaffeeröstereien zusammen und kontrolliert jetzt mit knapp 20 Prozent des Weltabsatzes bald so viel wie Nestlé.

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Tassimo, Senseo, Jacobs oder Kaffee Hag – Harf deckt mit der von ihm geführten JAB-Holding von der Kapsel bis zur Bohne die ganze Palette ab. Warum der 71-Jährige in den Markt überhaupt eingestiegen ist? «Der Grossteil der Bevölkerung trinkt Kaffee», erklärte er 2014 der deutschen Zeitung «Die Welt». Ausserdem sei Koffein auch in Krisenzeiten gefragt, der Konsum ging selbst während der Finanzkrise 2009 nicht zurück. Und: Kaffeetrinker seien besonders markentreu.

Das Vermögen von vier Adoptivkindern

Der eigentliche Grund für das neue Imperium ist aber, dass Harf für die Familie Reimann und ihre JAB-Holding ein Milliarden-Erbe anlegen muss. Das Geld stammt aus einer Chemiefabrik im 19. Jahrhundert, aus der der heutige Konzern Reckitt Benckiser (Calgon, Kukident, Clearasil) hervorgegangen ist. Die Erben sind vier Adoptivkinder, die das Vermögen nicht in Aktien oder Immobilien investieren, sondern eben Firmen kaufen. Oder vielmehr Harf kaufen lassen, der dabei freie Hand hat und selbst zum Milliardär wurde.

Bis Harf das neue Kaffee-Imperium schmiedete, war der Markt noch breiter aufgefächert. Nun aber rösten 10 Unternehmen 40 Prozent des weltweit verkauften Kaffees. Und sie machen damit einen hohen Gewinn, denn der Grossteil der Marge bleibt bei den Röstereien und in der Direktvermarktung, wo Starbucks die Nummer eins ist. «Letztlich drückt eine Marktkonzentration die Preise für die Produzenten nach unten. Dies spüren insbesondere die Kleinbauern», sagt Simon Aebi zu 20 Minuten. Er ist Kaffeeexperte bei der Fairtrade-Organisation Max Havelaar, bei der die Bauern einen garantierten Mindestpreis sowie eine Prämie bekommen. Fairtrade-Kaffee macht jedoch nur knapp zwei Prozent des weltweiten Marktes aus.

Der Bierkönig

Bevor sich Peter Harf auf das Kaffeegeschäft konzentrierte, stand für ihn Bier im Fokus: Er leitete AB Inbev. Den weltweit grössten Brauereikonzern hatte er 2004 mit einer Fusion geformt. Inzwischen hat Harf diesen Coup fast wiederholt, diesmal mit Koffein.

Aber auch Nestlé lässt beim Kaffee nicht locker. Der Schweizer Konzern hatte erst diesen Monat gut 400 Millionen Dollar in die Übernahme der US-Edelkaffeekette Blue Bottle investiert. Bei der Neuausrichtung auf Produkte mit hoher Gewinnmarge fallen zwar Süssigkeiten durch. Aber Kaffee (Nescafé, Nespresso) bleibt dabei, wie Nestle-Chef Mark Schneider am Dienstag betonte (siehe Box). Er soll eine Schlüsselrolle spielen.

Für Bally 700 Millionen Dollar

Derweil setzt Harf noch stärker auf Kaffee und stösst Beteiligungen der JAB-Holding in anderen Branchen ab. Den Plan, einen neuen Luxusgiganten zu schmieden, hat er aufgegeben und verkaufte im Sommer die Schuhmarke Jimmy Choo. Ebenso noch dieses Jahr dürfte er das ehemalige Schweizer Label Bally weitergeben: Er fordert dafür rund 700 Millionen Dollar.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Beat Meier am 27.09.2017 09:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kartelle zerschlagen

    Solche marktbeherrschenden Kartellirganisationen muessen zerschlagen werden. Harf koennte die Welt etwas besser machen. Und was macht er? Er pluendert uns alle aus. Eine bodenlose Frechheit.

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  • ramsy_zh am 27.09.2017 09:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klug

    "Die Erben sind vier Adoptivkinder, die das Vermögen nicht in Aktien oder Immobilien investieren, sondern eben Firmen kaufen." Ok, und was bitte sind dann Aktien?

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  • Beat am 27.09.2017 09:21 Report Diesen Beitrag melden

    nuir Fairtrade-Kaffee

    Irgendwann können die Kaffeebauern nicht mehr (über-)leben. Zahlt endlich einen fairen Preis für den Kaffee, statt mit überteuerten Kaffekapseln die "Monopolisten" zu unterstützen (Eine Kaffeekapsel kostet etwa 50 Rp. bis 70 Rp.; ein Portion Kaffeebohnen (ca. 9 Gramm) zwischen 10 Rp. und 20 Rappen, wobei Fairtrade eher bei 17 Rp. bis 20 Rp liegt)...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Realist am 28.09.2017 12:14 Report Diesen Beitrag melden

    AKTIEN-ANTEIL-BEGRENZUNG MUSS KOMMEN

    Dem Milliardär muss der Riegel geschoben werden, bevor er Nestle noch übernehmen will - es 5 vor 12 um zu Handeln.

  • Realist am 27.09.2017 21:10 Report Diesen Beitrag melden

    KAUF - VERKAUF - KAUF

    Am Ende werden Nestlé-Aktien aufgekauft und die Übernahme ist perfekt - Ausverkauf der Schweiz darf so nicht stattfinden - es 5 vor 12 um zu Handeln.

  • Seppetoni am 27.09.2017 20:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ungenau

    Aufgebaut hat der nicht viel. Zusammengekauft. Das ist keine Leistung. Der hat nichts gemacht

  • Karl Marx am 27.09.2017 15:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach mal wechseln,

    die Kaffeeanbieter und Kaffeesorten. Mach ich. Zwei Kapselsysteme, Vollautomat, Kaffeemaschine und eine Kaffeemühle aus Holz.

  • ruedi n. am 27.09.2017 14:15 Report Diesen Beitrag melden

    shareholdervalue

    ich selbst habe mal für eine sich im besitz findende firma von JAB gearbeitet. ich sage bloss soviel dazu: dort wird ohne irgend einen hauch von gewissen ausschliesslich nach profit gestrebt. würde niemehr für ein mit den reimanns verlinktes unternehmen arbeiten.