Freihandelsabkommen

04. März 2016 05:47; Akt: 04.03.2016 05:47 Print

Chinesen schikanieren Schweizer Exporteure

von K. Wolfensberger - Das Freihandelsabkommen mit China bringt Schweizer Firmen bisher nicht den gewünschten Erfolg. Woran liegts? Wir haben bei einem Experten nachgefragt.

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Es hätte den Handel erleichtern sollen, das Freihandelsabkommen der Schweiz mit China. Fast zwei Jahre nach Inkrafttreten des Deals herrscht bei Schweizer Exportfirmen aber Ernüchterung. Denn chinesische Zöllner schikanieren Schweizer Firmen systematisch, schreibt die «Handelszeitung». Bei Waren, die durch den Deal von einer Zollreduktion profitieren sollten, seien die chinesischen Zöllner doppelt so streng wie bei solchen mit normalem Zinssatz.

Der bürokratische Aufwand für Zollvergünstigungen ist enorm. Rund zwei Drittel der exportierenden Firmen verzichten daher darauf, das Abkommen anzuwenden und die vorgesehenen Zollvorteile wahrzunehmen, so eine Studie der Handelskammer Schweiz-China.

Kritik äussert zum Beispiel der Confiseur Läderach. «Die Zollvorteile werden durch die Schikanen der chinesischen Behörden zunichtegemacht», so die Exportverantwortliche Carola Borm zur «Handelszeitung». Und der Werkzeughersteller Fraisa beklagt, es sei dem Zufall überlassen, ob Zöllner zollbegünstigte Warensendungen akzeptierten oder nicht. Der Bund hingegen verteidigt das Abkommen: Schwierigkeiten würden durch die Zollbehörden beider Seiten erörtert und seien meist bereits beigelegt worden.

Wieso kommt es bei der Umsetzung des Abkommens zu solchen Problemen? 20 Minuten sprach mit China-Experte Stephan Oehen.

Herr Oehen, wie gross sind die Schwierigkeiten der Schweizer Exporteure in China?
Die Probleme im Handel zwischen China und der Schweiz sind erheblich. Das hat aber nichts mit dem Freihandelsabkommen zu tun, sondern damit, dass die administrativen Abläufe in China anders sind als in der Schweiz. Das Freihandelsabkommen reduziert die Zölle. Das tut es erfolgreich. Es beseitigt allerdings keine administrativen Barrieren innerhalb von China. Das war auch nie die Absicht der Chinesen.

Wie sehen diese administrativen Barrieren denn aus?
Konkret geht es beispielsweise um die Zulassung eines Produkt oder einer Kategorie von Produkten, die das offizielle Zertifikat der zuständigen chinesischen Behörde erhalten muss. Unabhängig vom Abkommen muss diese Bewilligung eingeholt werden. Die Chinesen behandeln dabei alle Herkunftsländer gleich. Und was in der Schweiz verkauft werden kann, erhält nicht automatisch die Zulassung. Je anspruchsvoller das Produkt ist, desto länger dauert der Prozess in der Regel.

Wie müssten sich Schweizer Firmen verhalten, damit die Exporte nach China erleichter werden?
Im internationalen Handel mit China sollte man in einer staatlich-definierten chinesischen Freihandelszone präsent sein. Man kann in einer solchen eigene Leute beschäftigen, die mit den lokalen Gegebenheiten vertraut sind. Lange Lagerzeiten an der Grenze können so verhindert werden, weil die eigenen Angestellten dann die richtigen Verbindungen zu den entscheidenden Personen haben.

Heisst das, dass man die richtigen Personen bestechen muss?
Bestechung ist nicht der richtige Begriff. Wer mit China Geschäfte macht, muss sich den Gepflogenheiten anpassen. Dazu gehört unter anderem ein gutes Netzwerk und die Zusammenarbeit mit Chinesen. Ferngesteuert lässt sich wenig erreichen.

Hat der Bundesrat die Schweizer Wirtschaft beim China-Deal getäuscht?
Wenn der Bundesrat in der Schweiz das Abkommen aus verschiedenen Gründen anders verkauft hat, dann liegt der Fehler bei der Schweizer Politik. Für die Chinesen geht es primär darum, mit den Schweizern einen Testlauf durchzuführen, um später allenfalls ein gleiches Abkommen mit der EU abzuschliessen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Verena C. am 04.03.2016 06:20 Report Diesen Beitrag melden

    rosarot

    Die Politiker sehen halt immer alles rosarot, die Wirklichkeit wird einfach vergessen.

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  • H.S. am 04.03.2016 06:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schon klar...

    Wobei man auch sagen muss, dass schweizer Firmen teilweise richtig inkompetent sind was den export angeht. Es scheint manchmal so dass diese Arbeit einfach einem Mitarbeiter zu geschoben wird der glaubt Export sei eine neue Kleidermarke. Von Kummulation Wert-Grenzen und Positions Sprüngen keine Ahnung...

  • Arthur W. am 04.03.2016 06:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Richtige Dokumente

    Sicher gibt es gar keine Probleme mit den Behörden. Man darf halt den 'Schmierstoff' zwischen den Zollpapieren nicht vergessen. Man stelle sich den chinesischen Beamten vor, der sich durch die Dokumente blättert, und nichts findet. Dann blättert er die Papiere ungläubig, noch ein weiteres Mal durch. Und dann zeigt er sie einem Kollegen.....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Hans im Glück am 05.03.2016 12:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grösse

    Wer interessiert sich für die kleinen Player? Niemand. Es wird schwierig mit den grossen Volkswirtschaften auf Augenhöhe zu diskutieren. Die grossen bestimmen das Geschäft.

  • Max Hess am 04.03.2016 11:54 Report Diesen Beitrag melden

    Der Chinesische Hunger

    Als ich diese Woche schrieb man solle die Exporte nach China nicht überbewerten und sich freuen wenn China weniger produziert und zu uns exportiert kriegte ich vor allem Daumen nach unten. Und jetzt? China war noch nie an Importen interessiert. China will für den eigenen Markt produzieren und exportieren. Mit dem Geld aus den Exporten geht man dann weltweit auf Einkaufstour - wie zuletzt bei uns Syngenta. Importe mag man auch deswegen nicht weil man mit diesen Firmen lieber in China produzieren würde - als Kooperation, gesetzlich gegeben - um das Know-how abzusaugen. Wacht auf!!!

  • Sepp Maier am 04.03.2016 10:43 Report Diesen Beitrag melden

    TTIP ist das Todesstoss pendant

    Ich werde die flächendeckende Naivität nie verstehen. Die einzige Erklärung für mich ist, dass die sogenannten Top-Entscheider von Lobby und Politik nie im echten Leben unterwegs waren. Wer sein Glück bei TTIP und der EU sucht ist völligs verraten. Die Wirtschaft und die Welt ist nunmal brutal und kein naives wir sind alles Brüder-Sozialparadies

    • Ueli am 04.03.2016 11:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Völlig richtig, Sepp

      Deswegen ist auch der Satz: "Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern..." so was von daneben.

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  • Stanley am 04.03.2016 10:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    fast keine Koruption mehr in China

    in Sachen Koruption ist China heute total anders als vor 5 Jahren.

    • Gecko am 04.03.2016 11:29 Report Diesen Beitrag melden

      Es lebe die Koruption

      Genau, und die Erde ist eine Scheibe

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  • Yellow Star am 04.03.2016 10:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Versand Fernost

    Am besten klappt der Versand nach China wenn alle Nötigen Papiere (Zolldokummente, Ursprungserklärung) beiliegen. Dann klappt es im normalfall. Aber das problem ist dass nicht immer die "normalen" Dokumente ausreichen. Ist reine Glückssache.