Effizient dosiert

19. November 2017 08:55; Akt: 19.11.2017 10:05 Print

Kaffeekapseln schneiden besser ab als Filterkaffee

von R. Knecht - Kapselkaffee ist bei umweltbewussten Konsumenten verpönt. Doch sollen die Alukapseln aus ökologischer Sicht gar nicht so schlimm sein, besagt eine Studie.

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Die Alukapseln von Nespresso haben keinen guten Ruf, was ihre Umweltfreundlichkeit betrifft. Doch wie schlimm sind die kleinen Metallbehälter aus ökologischer Sicht wirklich? Die Nachhaltigkeitsforscher von Quantis haben im Auftrag von Nespresso Deutschland eine Studie durchgeführt, deren Ergebnisse dem Kaffee-Riesen gefallen dürften.

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Kaffee aus der Kapsel ist laut Quantis von der Produktion bis zur Entsorgung meistens die ökologisch bessere Wahl im Vergleich zu Vollautomaten oder klassischem Filterkaffee. Wenn man die Nachhaltigkeit von Kaffee beurteile, würden in erster Linie der Kaffeeanbau und die Zubereitung ins Gewicht fallen. Die Entsorgung der Verpackung habe die geringsten Auswirkungen auf die Ökobilanz, so die Autoren des Studie.

Kaffee geht verloren

Wie Chahan Yeretzian, Professor an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaft (ZHAW), erklärt, haben 1,5 Gramm Kaffee etwa den gleichen CO2-Fussabdruck wie die Kapsel selbst. Wenn man berücksichtige, dass eine Nespresso-Kapsel etwa 5,6 Gramm enthält, so sei der CO2-Fussabdruck einer Nespresso-Kapsel gleich wie bei den anderen Zubereitungsarten. Zum Vergleich: Laut dem Experten werden bei Vollautomaten oder Filterkaffee etwa 7 oder mehr Gramm Kaffee für eine Tasse gebraucht. Yeretzian ist Leiter des Coffee Excellence Center an der ZHAW und arbeitete früher selbst in der Forschung für Nespresso.

Laut der Quantis-Studie gehen bei Vollautomaten und Filterkaffee etwa 15 Prozent des Pulverkaffees verloren. So würde oft zu hoch dosiert, mehr Kaffee aufgebrüht als notwendig und Pulver leicht verschüttet. Zudem bleibe in der Regel ein Rest in der Verpackung zurück. Dadurch entsteht ein grösserer CO2-Fussabdruck, was laut der Studie den entstehenden Abfall der effizienter dosierten Alukapseln wettmacht.

«Abfall wird als negativ wahrgenommen»

Dass die Wahl zwischen Kapsel, Vollautomat und Filterkaffee in Sachen Umweltfreundlichkeit nicht die grösste Rolle spielt, ist nicht neu. Bereits 2011 veröffentlichte das Schweizer Forschungsinstitut Empa einen Bericht, in dem die Autoren darauf hinwiesen, dass die Wahl des Kaffees selbst der wichtigste Faktor sei. Konkret gehe es darum, wie stark die Landwirtschaft die Umwelt beim Anbau belastet.

Warum also haben Kaffeekapseln so einen schlechten Ruf, wenn sie gar nicht so umweltschädigend sein sollen? Der Konsument sehe nur einen kleinen Ausschnitt aus der gesamten Produktionskette des Kaffees, erklärt Kaffee-Experte Yeretzian von der ZHAW. Er sehe somit nicht die gesamte Problematik. «Für den Konsumenten ist in erster Linie der Abfallberg sichtbar – und Abfall wird als sehr negativ wahrgenommen», so Yeretzian.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Machtzentrale Néstle am 19.11.2017 09:12 Report Diesen Beitrag melden

    Unabhängige Studie!?!?

    "Yeretzian ist Leiter des Coffee Excellence Center an der ZHAW und arbeitete früher selbst in der Forschung für Nespresso." Diese "Studie" stinkt gewaltig nach wirtschaftspolitischem Lobbyismus. Wurde die Produktion des Alus der Kapseln auch berücksichtigt?

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  • hukle am 19.11.2017 09:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fragwürdige Studie

    Auch eine weitere Studie, die von einem Grosskonzern (Nestle) finanziert wurde.

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  • AME am 19.11.2017 09:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wirklich

    Die Studie wurde wohl auch von den Kaffeeriesen finanziert.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Christine Tschiene am 22.11.2017 11:39 Report Diesen Beitrag melden

    Rentnerin

    Es ist doch unglaublich zu welchen Mitteln nestle greift, nestle Produkte sollte man sowieso nach Möglichkeit vermeiden. Ein Konzern der Menschen den Zugang zu Trinkwasser erschwert gehört boykottiert.

  • laggi am 21.11.2017 16:46 Report Diesen Beitrag melden

    Meine Art

    Kaffeekapseln müssen hergestellt, befüllt, entsorgt und bestenfalls recycelt werden. Maschinenkaffee dito (plus noch gewartet, falls möglich). Studien kann man sich offenbar Schönkaufen. Man besorge sich ein Pack gemahlenen Kaffee und eine Filterkanne, ist die ökologischste Kaffeezubereitung - und schmecken tut die schwarze Brühe auch.

  • Coffee Fanatic am 21.11.2017 14:49 Report Diesen Beitrag melden

    Nachfüllbare Kapsel von MediaMarkt

    Fülle meine nachfüllbare Plastikkapsel, die ich bei MediaMarkt gekauft habe, mit fein gemahlenem und angedrücktem Kaffee. Hab praktisch keinen Abfall, denn ich brauche den Kaffeesatz als Pflanzendünger und muss kein Aluminium entsorgen. Wenn man den Kaffee fein mahlt und richtig andrückt, ist er mindestens so gut wie ein Nespresso. Aber viel billiger. Die wiederverwendbare Plastikkapsel passt in Nespresso- und ähnliche Maschinen.

  • Markus H am 21.11.2017 14:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auftrag von Nestlé

    muss ja so rauskommen wenn die Studie von Nestlé in Auftrag gegeben wurde...

  • Coffee am 20.11.2017 23:45 Report Diesen Beitrag melden

    Genau

    Gebt mir einen Monat Zeit und ich beweise das Gegenteil....