Nachhaltigkeit

05. März 2017 21:24; Akt: 05.03.2017 21:24 Print

Dior schneidet schlechter ab als Primark

von F. Lindegger - H&M, Zara oder Primark stehen wegen den Arbeitsbedingungen in ihren Fabriken oft in der Kritik. Doch bei Luxuslabels sieht es meist noch schlechter aus

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Wenn es ums Essen geht, sind uns Tierwohl und die Nachhaltigkeit sehr wichtig. Gemäss dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau wird nirgends auf der Welt pro Kopf so viel für Bio-Produkte ausgegeben wie in der Schweiz. Die Konsumenten sind dafür auch gerne bereit, etwas mehr auszugeben. Anders siehts bei der Mode aus: Bei Kleidern steht für viele ein möglichst günstiger Preis im Vordergrund. Nachhaltigkeit oder die Arbeitsbedinungen interessieren weniger.

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Allerdings sagt der Preis von Kleidern wenig darüber aus, wie fair sie produziert wurden. Im Gegenteil: Luxuslabels wie Givenchy, Dior, Kenzo, Hermès oder Marc Jacobs schneiden in Sachen Nachhaltigkeit und Arbeitsbedingungen deutlich schlechter ab als Billigketten wie Zara, H&M oder gar Primark. Das zeigt eine neue Bewertung von Rank A Brand, wie die «Sonntagszeitung» berichtet.

Luxuslabels «nicht empfehlenswert»

Die erwähnten Luxuslabels erhalten bei der Beurteilung alle die schlechteste Note: «nicht empfehlenswert». Der irische Discounter Primark, der T-Shirts schon für wenige Franken verkauft, wird leicht besser bewertet («kaum empfehlenswert»). H&M und Zara sind «bedingt empfehlenswert». Zu H&M schreibt Rank A Brand etwa, dass vieles «verbesserungswürdig» sei. Es wird aber auch anerkannt, dass der schwedische Konzern in den vergangenen Jahren verschiedene Massnahmen einleitete, um Arbeitsbedingungen der Fabrikarbeiter oder Klimaschutzmassnahmen zu verbessern.

«Luxusmarken meinen, unter dem Radar zu fliegen», sagt Oliver Classen, Sprecher von Public Eye. Public Eye koordiniert in der Schweiz die Clean Clothes Campaign, die die Arbeitsbedingungen in der Textilbranche verbessern will. Grosse Modekonzerne wie H&M oder Zara stünden mehr im Fokus der Öffentlichkeit und hätten in den vergangenen Jahren vorwärts gemacht. «Die Luxuslabels sind aber mindestens genauso in der Pflicht», so Classen.

Tote bei Feuer in italienischer Fabrik

Würden den Fabrikarbeitern minimale Arbeitsplatzsicherheit gewährleistet und Existenzlöhne bezahlt, verteuerte sich ein T-Shirt um 20 bis 30 Rappen. «Das ist bei einem Luxuslabel nicht anders», sagt Classen. Die hohen Margen bei den teuren Brands würden darunter also kaum leiden.

Während Billiglabels fast ausschliesslich in Asien produzieren, fertigen Luxusmarken vieles in Italien oder anderen europäischen Ländern. Doch «Made in Europe» muss nicht zwingend besser als «Made in Bangladesh» sein. «Auch in Europa werden Kleider unter desolaten Bedingungen produziert», erklärt Classen. Viele Luxuslabels beziehen etwa Ware aus Fabriken in Prato nahe Florenz. Zehntausende Chinesen schuften in der Toskana bei widrigsten Zuständen. 2013 starben in Prato sieben Arbeiter in einer Fabrik bei einem Feuer, das in einem illegalen Schlafraum ausbrach.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dachs am 05.03.2017 22:13 Report Diesen Beitrag melden

    Wirtschaftssystem

    Ihr habt das System nicht verstanden wir können nur so gut leben (Genug zu essen, Kleider in masse, Auto, OV, keine Sorgen ums überleben) weil unser Reichtum auf der Armut der anderen Basiert... genau so wie die Super reichen auf unser "Armut" basiert das ist das System und das wird sich auch nicht ändern das Schicksal entscheiden wo man geboren wird

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  • anonym am 05.03.2017 21:52 Report Diesen Beitrag melden

    Wen wunderts...

    Es war schon immer so, dass die ärmsten der Armen schamlos ausgebeutet werden, egal von welcher Branche und Firma. Warum nicht einfach einen Importstopp auf solche "unfair produzierte" Ware verhängen? Tja - dann müssten wir warscheinlich auf mindestens 95% Importware verzichten... Liebe Schweizer, kauft doch vermehrt wieder Schweizer Produkte! Sind etwas teurer - halten dafür auch länger ;o). Oder macht doch eure Kleider vermehrt wieder selber. Videos dazu gibt es im Internet. Schweizer Stoffe direkt ab Fabrik kaufen - so mache ich das oft.

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  • Der Ironiker am 05.03.2017 21:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Politik

    Das ist bei allen Produkten so. Die teuren Markenprodukte sind keinen Dreck besser als die billigen Produkte was die Arbeitsbedingungen und Entlöhnungen angeht. Nur der CEO wird stinkreich. Uns Kunden wird es durch Lobbyarbeit systematisch verunmöglicht Faire Produkte zu erkennen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • alex am 06.03.2017 20:35 Report Diesen Beitrag melden

    keinen echten designer

    dior hat seit john galliano auch keinen echten designer mehr. im gegensatz zu chanel mit lagerfeld...

  • Manti am 06.03.2017 13:14 Report Diesen Beitrag melden

    Faire Löhne sehen anders aus.

    Nachhaltig sind überhaupt keine Kleider die aus den fernen Osten kommen. Miese Bedinungen und ev. 20 Rp. mehr am Tag. Die Margen der Läden sind exorbitant hoch auf Kosten der Näherinen. Ob Dior, H& M oder wer auch immer. Zahlt faire Löhne.

  • bla am 06.03.2017 11:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    alles bla bla

    Es wird sich nichts ändern. Wer Geld hat hat die Macht und wird dafür sorgen das alles so bleibt. Denn ihnen gehöhren die Medien und auch die Politiker. Leider fehlt aber auch ein Entwurf für ein alternatives funktionierendes System.

  • Globi am 06.03.2017 07:00 Report Diesen Beitrag melden

    reset

    In Italien gibt es Gebiete die in Chinesischer Hand sind, die zahlen keine Steuern und Abgaben an den Italienischen Staat. Diese konkurrieren mit Dumping-Löhnen die ansässigen Firmen und Arbeiter. In Vendig hat es bald mehr Chinesiche geführte Läden als noch echte Einheimische Geschäfte. Macht die Globalisierung rückgängig.

    • René am 06.03.2017 07:53 Report Diesen Beitrag melden

      Markt in Italien

      Wenn man am Gardasee an die Märkte geht, sieht man jede Menge Chinesen, die Textilien verkaufen. Natürlich billiger als die Italiener. Ich weiss ja nicht, wie und wo die gefertigt wurden, aber es ist die reinsten China-Mafia.

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  • Stefu am 06.03.2017 06:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Nächstenliebe sondern Eigenliebe

    Das Problem ist das die Menschheit zu schnell und stark wächst, es ist daher unmöglich allen gute Jobs und genug Geld zu geben. Das schlimmste was man heute machen kann sind Kinder zeugen. Öko hier und öko da aber 2 + Kinder haben, das geht etwa gleich auf wie Fahrrad fahren und dafür 5 mal im Jahr mit dem Flieger fliegen. Wir erkennen nur das was wir wollen. Bio essen kaufen machen lediglich 20% für die Umwelt, der Rest weil es Hip ist oder weil Sie denken es sei gesünder.