Job-Anzeige

01. November 2017 12:02; Akt: 01.11.2017 17:19 Print

Google stellt auch Vorbestrafte ein

von Dominic Benz - Der Internetkonzern wirbt in Job-Inseraten mit einer toleranten Unternehmenskultur. So sollen auch ehemalige Kriminelle einen Job erhalten können.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Google gibt sich gern politisch korrekt. Bei Job-Inseraten schreibt der US-Internetkonzern jeweils im Kleingedruckten, dass man bei Bewerbern keine Unterschiede bei Geschlecht, Hautfarbe, sexueller Ausrichtung oder Religion macht. Pikant: Auch «qualifizierte Bewerber ungeachtet ihrer kriminellen Geschichte» sollen berücksichtigt werden.

Umfrage
Würden Sie einen ehemaligen Kriminellen einstellen?

Damit bricht Google mit einem Tabu. Doch stellt das US-Unternehmen tatsächlich auch vorbestrafte Menschen ein oder ist das bloss eine formeller Akt der «politischen Korrektheit»?

Nicht proaktiv nach Kriminellen suchen

Auf Anfrage von 20 Minuten gibt sich Google verschwiegen und verweist auf das Kleingedruckte. Damit sei alles gesagt. Auch die Frage, ob Google etwa Hacker mit Spezial-Wissen anlocken möchte, bleibt unbeantwortet. Der Konzern betont aber, dass nicht proaktiv nach Leuten mit kriminellem Hintergrund gesucht werde.

Für den HR-Experten Jörg Buckmann ist der Umgang von Google mit Kriminellen sehr ungewöhnlich. «Das habe ich bisher noch nie gesehen», sagt er zu 20 Minuten. Er verweist allerdings auf die aussergewöhnliche Werbekampagne des Schweizer Vegi-Pioniers Rolf Hiltl, der für sein Restaurant an der Zürcher Langstrasse Milieu-Gestalten «mit vielen Lücken im Lebenslauf» suchte.

Ich finde das grossartig und sehr mutig

Von Googles Vorgehen ist Buckmann dennoch begeistert. «Ich finde das grossartig und sehr mutig.» Für ihn ist klar: Dahinter stecke der Anspruch, die richtigen Leute mit den richtigen Kompetenzen zu finden. «Egal, ob jemand mal einen ‹Seich› gemacht hat», sagt Buckmann. Damit werde der Fokus auf das für einen Job Wesentliche gelegt.

Für ihn setzt Google damit neue Massstäbe. «Das Unternehmen hat im HR-Bereich immer wieder die Nase vorn», so Buckmann. Gerade mit vorbestraften Bewerbern würden sich viele Firmen schwertun. «Generell haben Unternehmen Mühe damit, einem Vorbestraften eine Chance zu geben.» So suchten die meisten Firmen mit einem 0815-Vorgehen den perfekten Mitarbeiter. «Da sind schon Lücken im Lebenslauf ein Problem.»

Security-Check bei Swisscom

Doch wie gehen Schweizer Unternehmen mit vorbestraften Bewerbern um? Bei der Swisscom wird im fortgeschrittenen Bewerbungsprozess vor jeder Vertragsausstellung nach einer allfälligen Vorbestrafung gefragt. «Im Anschluss daran wird beurteilt, ob eine Anstellung im entsprechenden Bereich erfolgen kann», sagt Sprecherin Sabrina Hubacher. Zudem gebe es bestimmte Stellen, für die ein Strafregisterauszug zwingend sei.

Auch bei der UBS entscheidet man im Einzelfall. Im Rahmen eines Bewerbungsverfahrens prüft die Bank jeweils den Strafregisterauszug.

Netcetera würde «rehabilitierte» Person anstellen

Ähnlich klingt es auch beim Software-Konzern Netcetera. Passe ein vorbestrafter Bewerber vom Typ und den Kompetenzen her perfekt zum Unternehmen, würde man eine «rehabilitierte» Person anstellen, teilt Netcetera mit. «Wir müssten sie dann aber eher für interne oder nicht sicherheitskritische Projekte einsetzen.»


Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ueli am 01.11.2017 12:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja, und?

    Wenn es Ex-Kriminelle sind, sind sie ja keine Kriminellen mehr.

    einklappen einklappen
  • Daniel am 01.11.2017 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    Finde ich begrüssenswert

    Wenn Menschen mit einer Vorstrafe nirgends mehr einen Job finden, zwingt man sie ja gleich wieder in die Kriminalität! Also von daher ist so etwas doch begrüssenswert und der langfristigen Zukunft ohne kriminelle Handlungen dienlich!

    einklappen einklappen
  • Rudi R. am 01.11.2017 12:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Endlich

    Danke Google. Jetzt kann ich mich endlich auch bewerben.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Andre am 02.11.2017 12:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    was heisst Vorbestraft

    früher brauchte es für gewisse Jobs ein Strafregisterauszug, heute will das jeder sehen. Völlig unnötig oder soll einer die Jahre warten bis es gelöscht ist?

  • Urs Schelling am 02.11.2017 06:12 Report Diesen Beitrag melden

    Na und

    Der FC Bayern auch !!

  • Differenzierer am 02.11.2017 00:17 Report Diesen Beitrag melden

    Vorstrafe auf Grund wessen?

    Nicht die Vorstrafe ist das argument, sondern der Grund von dieser.

  • Seerose am 01.11.2017 22:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum auch nicht?

    Wenn die Firma einen guten Fachmann einstellen kann, ist es doch in Ordnung. Es muss ja nicht herumgeschnurrt werden, dass ein ehemaliger Knasti in der Firma arbeitet. Nicht jeder Mensch wird rückfällig und der Satz: "Einmal Knasti immer Knasti" gilt nicht für alle. Des weiteren gibt es viele Wirtschaftskriminelle, die sitzen aber nicht alle im Knast, nein, die tätigen tagtäglich ihre feinen Geschäfte.

  • Poloma Pupsmann am 01.11.2017 19:14 Report Diesen Beitrag melden

    Politisch korrekt, ok...

    Hoffentlich handelt es sich a) im Grossen und Ganzen nur um Rhetorik zwecks Political Correctness und b) höchstens um Einzelfälle bzw. wenige ehem. Hacker, welche aussergewöhnliche Fähigkeiten ins Unternehmen bringen. Ansonsten bereue ich wohl bald mein kürzlich getätigtes Investment (GOOG)...