Prognosen

30. Dezember 2014 15:39; Akt: 30.12.2014 15:39 Print

Was 2015 der Schweizer Wirtschaft bringt

von S. Spaeth - Verteidigt die Nationalbank den Mindestkurs weiter? Hat der Benzinpreis den Tiefpunkt erreicht? Was die Schweizer Wirtschaft erwartet – ein Ausblick.

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Zwar sind die Grossbanken im US-Steuerstreit aus dem Schneider, doch rund 100 Schweizer Finanzinstitute sind weiter im US-Programm zur Lösung der Sünden der Vergangenheit. Klar ist: Steuerfragen werden 2015 wichtig dominieren. Schweiz Tourismus geht davon aus, dass Inländer für 1,7 Prozent mehr Hotelübernachtungen sorgen werden. Sogar um 2,5 Prozent steigen soll die Nachfrage bei ausländischen Gästen. Seit Jahren kommt der Schweizer Detailhandel nicht mehr richtig voran. Er stagniert bei rund 97 Milliarden Franken an Umsatz. «Auch 2015 wird der Sektor keine grossen Sprünge machen. Die meisten Märkte sind gesättigt», sagt GfK-Detailhandelsexperte Thomas Hochreutener. Für die Schweizerische Nationalbank (SNB) wird es 2015 schwieriger, den 1.20-Franken-Mindestkurs zum Euro zu verteidigen. «Doch ein Ende der Mindestkurspolitik wäre für die Glaubwürdigkeit der Nationalbank ein schwerer Schlag», sagt Anastassios Frangulidis, Chefökonom der ZKB. Er geht davon aus, dass der Mindestkurs auch im neuen Jahr Bestand haben wird. Auf dem Bau dürfte es 2015 seit Langem wieder zu einem Rückgang der Investitionen kommen. Die Ökonomen der ZKB rechnen mit einem Minus von 0,5 Prozent. Grund für den Rückgang sind verschärfte Vergabekriterien für Hypotheken und die Folgen der Zweitwohnungsinitiative. An der Jobfront bringt 2015 nur eine kleine Veränderung. Die Arbeitslosenquote dürfte 2015 um 0,1 Prozentpunkte auf 3,1 Prozent sinken. Eine Beschäftigungszunahme sieht das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) in der Industrie. 2015 kommt die Smartwatch von Apple in den Handel. «Wir erwarten deswegen keine negativen Auswirkungen für das traditionelle Uhrenhandwerk», sagt Jean-Daniel Pasche, Präsident des Uhrenverbandes. Hublot-Chef Jean-Claude Biver rechnet für die Uhrenbranche mit einem Wachstum von zwei bis drei Prozent.

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2015 könnte für die Schweizer Wirtschaft einiges besser werden als im laufenden Jahr. Den Motor dafür bildet das billige Rohöl, wodurch der Bevölkerung mehr Geld für den privaten Konsum bleibt. Laut den Ökonomen der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich steigt der Privatkonsum von heuer 1,1 Prozent auf 2,1 Prozent im Jahr 2015. Insgesamt rechnet die KOF mit einem Wirtschaftswachstum von 1,9 Prozent. Beschleunigen dürften sich auch die Exporte: Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) rechnet hier mit einer Zunahmen von 4,7 Prozent.

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Wie steht es um Ihren persönlichen Wirtschaftsausblick bzw. die finanziellen Aussichten 2015?
29 %
45 %
17 %
9 %
Insgesamt 798 Teilnehmer

• Tourismus: Weniger Russen – mehr Deutsche
2014 war vielerorts eine Tourismussaison zum Vergessen. Das Regenwetter im Sommer hat so manchem Hotel einen Strich durch die Rechnung gemacht. Im kommenden Jahr soll sich nun vieles ändern. Schweiz Tourismus geht davon aus, dass Inländer für 1,7 Prozent mehr Hotelübernachtungen sorgen werden. Sogar um 2,5 Prozent steigen soll die Nachfrage bei ausländischen Gästen. Im Oktober hat Schweiz Tourismus die Kampagne «Grüezi Deutschland» lanciert. «Wir möchten Gäste zurückgewinnen, die wir in den letzten Jahren verloren haben», so Sprecherin Daniela Bär. Der Schweiz fernbleiben dürften 2015 viele Russen. Für die laufende Wintersaison erwarten die Touristiker 10 bis 30 Prozent weniger Übernachtungen von Russen.

• Detailhandel kommt nicht vom Fleck
Seit Jahren kommt der Schweizer Detailhandel nicht mehr richtig voran. Er stagniert bei rund 97 Milliarden Franken Umsatz. «Auch 2015 wird der Sektor keine grossen Sprünge machen. Die meisten Märkte sind gesättigt», sagt GfK-Detailhandelsexperte Thomas Hochreutener. Die grosse Herausforderung 2015 besteht für viele Akteure darin, den Online- mit dem stationären Handel zu verbinden. «Die Konsumenten möchten alle Kombinationen: online kaufen, im Laden retournieren oder umgekehrt», so Hochreutener.

• Banken werden für Steuersünden büssen
Das ablaufende Jahr stand im Zeichen des Steuerstreits mit den USA. Die Credit Suisse bezahlte für die Einigung mit den US-Behörden 2,6 Milliarden Dollar. Zwar sind die Grossbanken aus dem Schneider, doch rund 100 Schweizer Finanzinstitute sind weiterhin im US-Programm zur Lösung der Steuersünden. «Es ist im Sinne der Banken, wenn die Bereinigung so rasch wie möglich abgeschlossen werden kann», heisst es bei der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg). Steuerfragen werden 2015 wichtig bleiben. Insbesondere der Übergang zum automatischen Informationsaustausch mit dem Ausland werde für die Banken eine Herausforderung darstellen, so die SBvg.

• Bautätigkeit geht trotz günstigen Hypotheken zurück
Aus Angst vor einer Immobilienblase haben Banken und Behörden die Vergabekriterien für Hypotheken verschärft: Auf dem Bau dürfte es darum 2015 seit Langem wieder zu einem Rückgang der Investitionen kommen. Die Ökonomen der ZKB rechnen mit einem Minus von 0,5 Prozent. Grund für den Rückgang ist auch die Annahme der Zweitwohnungsinitiative, deren Effekte nun verstärkt durchschlagen. Die Zahl der Baugesuche geht zurück. Günstig bleiben dürften die Hypotheken. Die Zinswende lasse auch 2015 auf sich warten, heisst es bei der ZKB.

• Mindestkurs verteidigen wird schwieriger
Für die Schweizerische Nationalbank (SNB) wird es 2015 schwieriger, den 1.20-Franken-Mindestkurs zum Euro zu verteidigen. Grund dafür ist die schwächelnde Eurozone. Voraussichtlich Ende Januar wird die Europäische Zentralbank Anleiheankäufe ankündigen, was den Franken unter Aufwertungsdruck bringt. «Ein Ende der Mindestkurspolitik wäre für die Glaubwürdigkeit der Nationalbank ein schwerer Schlag», sagt Anastassios Frangulidis, Chefökonom der ZKB. Er geht davon aus, dass der Mindestkurs auch im neuen Jahr Bestand haben wird. Um gegen den starken Franken anzukämpfen, hat die SNB im Dezember Negativzinsen eingeführt. «Diese Politik wird die SNB 2015 behalten, wobei eine weitere Erhöhung der negativen Zinsen vorstellbar ist», so Frangulidis.

• Mehr Jobs in der Industrie
An der Jobfront bringt 2015 nur eine kleine Veränderung. Die ZKB geht davon aus, dass die Arbeitslosenquote 2015 lediglich um 0,1 Prozentpunkte auf 3,1 Prozent sinken wird. Eine Beschäftigungszunahme sieht das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) in der Industrie. Der Sektor hat seit der Finanzkrise in den in den letzten sechs Jahren per Saldo rund 35'000 Jobs verloren.

• Die Smartwatch nicht unterschätzen
2015 kommt die Smartwatch von Apple in den Handel. Was bedeutet das für die Schweizer Uhrenindustrie? «Wir erwarten keine negativen Auswirkungen für das traditionelle Uhrenhandwerk», sagt Jean-Daniel Pasche, Präsident des Uhrenverbandes. Zudem würden bald auch Schweizer Hersteller intelligente Uhren auf den Markt bringen. Vor der Gefahr, die Smartwatch zu unterschätzten, warnt Hublot-Präsident Jean-Claude Biver: «Chancen hat die Uhr bei der jungen Generation. Die Jungen denken anders und haben eine andere Beziehungen zur Technologie.» Von 2 bis 3 Prozent Wachstum geht Jean-Claude Biver aus, was etwa der Entwicklung von 2014 entspricht.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Biene am 30.12.2014 16:00 Report Diesen Beitrag melden

    Faire Chancen für alle

    Ich würde mir für das 2015 sehr wünschen, dass Lehrabgänger oder 50+ wieder eine faire Chance auf einen Arbeitsplatz bekommen. Ein zufriedenes Volk ist produktiver, kreativer und ist auch generell kompromissbereiter. Arbeitslosigkeit schafft Ängste und Verbitterung.

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  • J.Studer am 30.12.2014 16:13 Report Diesen Beitrag melden

    USA treibt unsere Wirtschaft in den Ruin

    Die EU-Außenbeauftragte Mogherini sagte, dass der Handel zwischen der EU und Russland zurückgegangen ist. Währenddessen hat der Handel zwischen Russland und den USA zugenommen. Durch die Sanktionen gegen Russland, den Mindestkurs, die Masseneinwanderung, etc. werden wir auch in der Schweiz immer ärmer.

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  • rado am 30.12.2014 16:15 Report Diesen Beitrag melden

    So gesehen...

    Steigende (echte) Arbeitslosigkeit (ca. 8-9%), Lohndumping, Ü50-Problematik usw. werden unser Einkommen weiter zu Gunsten weniger Profiteure der derzeitigen Politik schmälern.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • soso am 31.12.2014 22:11 Report Diesen Beitrag melden

    kokolores

    Es ist nicht so tragisch, dass ECOPOP nicht angenommen wurde. Vielleicht wurde sogar mit der PFZ übertrieben. Kenne 2 ungelernte CH-Arbeitskräfte, wo die eine im Büro (nie zuvor ein Büro von innen gesehen, geschweige denn darin gearbeitet) einen Job fand, der andere, ebenfalls CH, ungelernt, kaum aus der alten Firma rausgeflogen, schon eine neue Festanstellung gefunden hat. Habe so langsam meine Zweifel an der MEI Parole! Früher hätte ich dies verstanden, aber heute, wo es mehr AN als AG gibt und jede Menge Auswahl für die AG!

  • Plavalaguna am 30.12.2014 22:45 Report Diesen Beitrag melden

    Erkenntnis 2015

    Eine interessantere Frage wäre: "Was bringt die wachsende Wirtschaft dem einfachen Bürger im 2015?". Das Wirtschaftswachstum, wie es jetzt stattfindet, bringt mir nur noch härteren Konkurrenzdruck, Lohndruck sowie einen enormen Leitungsdruck. Der versprochene Wohlstand durch guter Wirtschaft bekommen nur die CEO/Verwaltungsräte oder höhere Chefs zu spüren. Der wichtige einfache Arbeiter bleibt dabei eine leicht ersetzbare Ressource.

    • Supermario am 31.12.2014 10:20 Report Diesen Beitrag melden

      Erkenntnis???

      Also Ellbogen raus und Karriere machen; denn Fünfer und das Weggli gibt's immer noch nicht!

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  • mutter am 30.12.2014 22:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zu wenig motivation

    kein wunder brechen viele die Lehre ab oder bekommen keine Lehrstelle weil die Firmenen lieber billige arbeiter/innen oder gar pensionierten einstellen es ist auch übertrieben was für bewerbungen die Firmen erwarten es ist alles so unpersönlich und unmenschlich geworden vor 20 jahre hatten alle schulabgänger eine Lehre und nach der LAP eine stelle jetzt werden wir wie ware angesehen entweder man ist erste qualität oder zweite qualität jeder von uns hat schwäche und stärke aber das sehen die arbeitgeber nicht ausserdem es hat viele Schweizer Firmen die im Ausland produzieren weil da die arbeiter billiger sind aber keine Schweizer Qualität mehr bringen..leider veliert auch die Schweiz an Qualität ist eigentlich schade...

    • Supermario am 31.12.2014 10:19 Report Diesen Beitrag melden

      Mag sein, aber...

      Hindert aber niemanden daran, dank PFK, sich zum Beispiel in Europa zu orientieren???

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  • Markus am 30.12.2014 20:41 Report Diesen Beitrag melden

    Macht die Augen auf!

    Uhiuhiuhi da lese ich aber verdammt viele Kommentare, von wegen Billigeinwanderung stoppen, oder Lohn ist gesunken, oder in 10 Jahren das Armenhaus und so weiter. Aber wie viele von Euch stimmen an Abstimmungen nicht ab, oder stimmen pro Bundesrat ohne sich Gedanken zu machen, oder wie viele laufen Blind mit einer Rosabrille durch die Gegend. Ich mag je länger je mehr solche Kommentare nicht mehr lesen, die Ausrufen, aber etwas Mut beweisen und sich mal Gedanken machen, tun dann wieder die wenigsten. Leider zu wenige die die Augen geöffnet haben.

    • DenktWeiter am 30.12.2014 22:12 Report Diesen Beitrag melden

      Schon lange offen!

      Ja, wir hatten die Chance dies zu tun. Dieser Zug ist leider abgefahren. Ich glaube viele haben bei Ecopop nein gestimmt weil sie dachten dass die MEI doch genügend sei. Diese wurden dann allerdings mit lancierung der RASA böse aufgeschreckt. War allerdings abzusehen das die Politik nun versucht die MEI zu verlochen. Leider wird es noch schlimmer da man uns bald die Beibehaltung der bilateralen & die anstehenden Rahmenabkommen auch (wie die PFZ) schönredend verkaufen will, sogar noch Scheibchenweise! Dass wir dann durch Brüssel mehr & mehr Bevormundet werden scheint niemanden zu stören.

    • Franz G. am 31.12.2014 00:43 Report Diesen Beitrag melden

      Genau so ist es!

      Ich habe immer "richtig" gestimmt und gewählt. Aber das Volk will anscheinend eine andere Schweiz als wie das will. Der Frust ist bei mir mittlerweile dermassen riesig, dass ich beschlossen habe, mit meiner Familie auszuwandern. Das was in 20 Jahren hier los sein wird, tue ich meinen Kindern nicht an. Denn dann stehen die am Anfang ihres Berufslebens und können nur noch die Drecksarbeit der Einwanderer in den Chefetagen erledigen!

    • Martin M. am 31.12.2014 12:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Franz G.

      Deiner Meinung nach hat also die Mehrheit des Volkes falsch gestimmt!? Dann ist es nur konsequent, wenn Du mit Deiner Familie auswanderst. Bedenke aber, dass IHR dann die Einwanderer im fremden Land seid. Ich wünsche Euch dazu viel Erfolg, Glück und Ausdauer.

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  • M.G. am 30.12.2014 20:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ersparnis durch Rohöl?

    Verstehe ich das richtig? Das billige Rohöl führt dazu, dass ich mehr Geld für den Privatkonsum zur Verfügung habe?? 55 Liter-Tank x 1.53 = 84.15 Fr. 55 Liter-Tank x 1.40 = 77.00 Fr. Ersparnis Fr. 7.15 Wooow, gibt 3 Wochen Seychellen.

    • Supermario am 31.12.2014 10:17 Report Diesen Beitrag melden

      Etwas mehr Patriotismus

      Gib das Geld lieber in der Schweiz als auf irgendeiner Südseeinsel aus!

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