Heftige Proteste

26. Januar 2011 18:05; Akt: 26.01.2011 18:05 Print

Panik an der ägyptischen Börse

von Tarek El-Tablawy, AP - Nach den Unruhen in Ägypten reagierte die Börse panisch: Der Leitindex brach über sechs Prozent ein.

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Nach dem Umsturz in Tunesien und den heftigen Protesten in Kairo und anderen Städten könnte es für Ägypten schwierig werden, die Sorgen von Investoren zu zerstreuen. Der EGX30-Index schloss um 6,14 Prozent niedriger bei 6.310,44 Punkten. Der Rückgang war beinahe so kräftig wie beim bisherigen Rekordverlust von 6,2 Prozent vergangenen Mai.

Wegen eines Feiertags am Dienstag gab am Mittwoch erstmals Gelegenheit, auf die Proteste zu reagieren. «Der Markt eröffnete panisch», sagte der Händler Ahmed Hanafi von Guthour Trading. «Es ist eine Weile her, dass es solche Zahlen gab. Der Markt hat auf die Proteste sehr negativ reagiert.»

Nach dem Vorbild Tunesiens waren Zehntausende zum Protest gegen die Regierung auf die Strasse gegangen. Bei Zusammenstössen mit der Polizei kamen vier Menschen ums Leben: zwei Demonstranten und ein Polizist starben am Dienstag, ein weiterer Demonstrant erlag am Mittwoch seinen Verletzungen. Rund 250 Menschen wurden verletzt.

Wachsender Unmut

Die Demonstrationen sind die deutlichste Kampfansage an Präsident Husni Mubarak seit Jahren. Angefacht wurden sie durch die wachsende Unzufriedenheit in der bevölkerungsreichsten Nation der arabischen Welt mit der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich, unzureichenden Sozialleistungen und blühender Korruption.

Der 82-jährige Mubarak herrscht seit fast 30 Jahren über Ägypten und betrachtet die politische Stabilität und die Rolle seines Landes als enger Verbündeter der USA als sein Vermächtnis. Doch viele Ägypter klagen darüber, dass die ehrgeizigen Wirtschaftsreformen mit Wachstumsraten über sieben Prozent in den vergangenen Jahren der breiten Masse nichts gebracht haben und die Regierung nur wenig gegen die bittere Armut unternommen hat.

Situation der Ärmsten verbessern

Für das im Juni endende Haushaltsjahr wird eine weitere Erholung von der weltweiten Krise und ein Wachstum von sechs Prozent erwartet. Für Mubaraks Regierung zeigt sich darin, dass Ägypten für Anleger attraktiv bleibt und Erfolg hat dabei, durch Wirtschaftsförderung und Schaffung von Arbeitsplätzen den allgemeinen Lebensstandard zu heben.

Monate vor der nächsten Präsidentschaftswahl hat der Amtsinhaber noch nicht erkennen lassen, ob er für eine sechste Amtszeit kandidieren will. In letzter Zeit strich Mubarak wiederholt heraus, dass seine Regierung ihr Augenmerk darauf konzentriere, die wirtschaftliche Situation der ärmsten Bürger zu verbessern.

Bangen um ausländische Investoren

Im Regierungslager wächst allerdings die Befürchtung, dass der Aufstand in Tunesien in der Region Wellen schlagen und Investoren verschrecken könnte, die Parallelen zu Ägypten entdecken: noch ein arabisches Land, das seit Jahrzehnten von ein und demselben Mann regiert wird und wo der Machterhalt die Freiheit aussticht.

Die Lage in Ägypten sei ganz anders als in Tunesien, sagte Industrie- und Handelsminister Rachid Mohammed Rachid am Sonntag. Er räumte jedoch ein, dass Befürchtungen das Interesse von Investoren an seinem Land beeinträchtigen könnten. Die Entwicklung am Mittwoch allerdings gab noch keinen Hinweis darauf, dass ausländische Anleger vergrault worden wären.