-0,75 Prozent

15. Juni 2017 09:36; Akt: 15.06.2017 14:01 Print

Nationalbank verlängert Negativzins-Phase

Die SNB belässt Leit- und Negativzinsen auf Rekordtief. Notenbank-Chef Thomas Jordan will trotz Ankündigung eines politischen Vorstosses nichts von einem Staatsfonds wissen.

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Leitzins bleibt negativ: Die Schweizerische Nationalbank in Bern. (Archiv) (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

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Die Schweizerische Nationalbank (SNB) rüttelt nicht an ihrem geldpolitischen Regime: Banken müssen für Sichteinlagen bei der SNB weiterhin 0,75 Prozent Negativzinsen bezahlen. Die Nationalbank bleibt auch weiterhin bei Bedarf am Devisenmarkt aktiv.

Damit bestätigte die SNB heute ihre bisherige «Zweisäulen-Politik» im Kampf gegen den starken Franken. Ebenfalls unverändert beliess die Nationalbank die Leitzinsen. Das Zielband für den Drei-Monats-Libor beträgt weiterhin -1,25 bis -0,25 Prozent.

Beschluss perlt an Märkten ab

Die Entscheide wurde in dieser Form erwartet. Praktisch alle Experten gingen von einer unveränderten Geldpolitik der SNB aus. Die meisten Experten erwarten eine Zinsanhebung in der Schweiz erst im kommenden Jahr.

Die Schweizer Finanzmärkte haben am Donnerstag kaum auf die Veröffentlichung der geldpolitischen Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) reagiert. Sowohl der Euro-Franken-Wechselkurs als auch der Leitindex der Schweizer Börse SMI zeigten keine grossen Ausschläge. Ein Euro kostete kurz nach dem Zinsentscheid 1,0881 Franken nach 1,0882 Franken vor Bekanntgabe der Lagebeurteilung. Der SMI notierte kurz nach den SNB-Beschlüssen um 0,25 Prozent tiefer mit 8826 Punkten nach 8830 Punkten unmittelbar vorher.

Warten auf die EZB

Eine Normalisierung ist nach Ansicht der meisten Analysten erst möglich, wenn die Europäische Zentralbank (EZB) ihre geldpolitischen Zügel zu straffen beginnt. Während die US-Notenbank Fed am Mittwochabend bereits ihre zweite Zinserhöhung binnen weniger Monate vorgenommen hat, pumpt die EZB über ihr Anleihenkaufprogramm weiterhin billiges Geld in die Märkte. Die SNB erwartet laut Mitteilung, dass die Geldpolitik in der Eurozone expansiv bleibt.

Die Nationalbank bezeichnet den Franken in ihrer Lagebeurteilung als weiterhin deutlich überbewertet. Sie will bei Bedarf denn auch am Devisenmarkt aktiv bleiben, wobei sie die gesamte Währungssituation berücksichtigt, und nicht nur den Kurs des Frankens zum Euro.

Tiefere Inflationsprognose

Die SNB erwartet für das laufende Jahr weiterhin eine Teuerung von 0,3 Prozent. Für die beiden Jahre darauf hat die SNB ihre Inflationsprognose gesenkt. Für 2018 erwartet sie noch eine Teuerung von 0,3 nach 0,4 Prozent. Für 2019 sollen es 1,0 statt 1,1 Prozent sein.

Für die Schweizer Wirtschaft rechnet die Nationalbank mit einem Wachstum von rund 1,5 Prozent in diesem Jahr. Zwar hätten sich die positiven Impulse aus dem Ausland auch im ersten Quartal 2017 nur teilweise auf die einheimische Wirtschaft übertragen. Die verfügbaren Wirtschaftsindikatoren deuteten jedoch auf eine etwas robustere Konjunkturdynamik hin.

(mch/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Daniel am 15.06.2017 10:14 Report Diesen Beitrag melden

    SNB hält an Enteignung fest

    so müsste der Titel lauten. Der Klein-Sparer wird in jeder Hinsicht über den Tisch gezogen: Ich zahle Einkommenssteuer, spare ich für schlechte Zeiten, so darf ich dies ab 50'000 nochmals als Vermögen versteuern. Toll - sterbe ich, dann dürfen meine Eltern NOCHMALS Erbschaftssteuer zahlen, 3-fache Steuern für den Bürger und Kleinsparer und ja, dann noch die negativ-Zinsen Spirale mit Geldentwertung/Inflation....

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  • Miki Jac am 15.06.2017 09:47 Report Diesen Beitrag melden

    Betrug und Diebstahl

    Negativzinsen ist ein Betrug von Banken. Ein Diebstahl von die Sparer. Es gibt keine Chance dass Zinsen jemals Postiv wird.

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  • Dani am 15.06.2017 10:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mutloser Entscheid der SNB

    Und weiter mit der Vermögensumverteilung von unten nach oben. Und dem Stimmvieh wird erzählt die Verteilung gehe von jung zu alt...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Menas am 16.06.2017 15:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Wahnsinn geht weiter und alle machen das Spiel

    Seit Jahren läuft nun diese Umverteilung von unten noch oben dabei sollte es Umgekehrt sein. Die Unterschicht kann sich die Mieten kaum mehr ohne Verschuldung leisten , die Mittelschicht verschwindet zunehmend nur die Reichen werden immer reicher. Wann wird dem Wahnsinn endlich ein Ende gesetzt ?

    • Supermario am 16.06.2017 16:45 Report Diesen Beitrag melden

      Reicher mit Nullzinsen?

      Kannst Du mir erklären, wie ein "Reicher", ohne zusätzliche Risiken einzugehen, mit Nullzinsen noch reicher wird? Das mit der Mittelschicht kann ich allerdings voll mit unterschreiben.

    • Mickey House am 16.06.2017 21:08 Report Diesen Beitrag melden

      @Supermario

      Immobilienkauf ohne Inanspruchnahme einer Hypothek oder das Erben einer hypothekfreien Immobilie. Sicher beides etwas atypisch, war aber durchaus möglich.

    • Supermario am 17.06.2017 00:58 Report Diesen Beitrag melden

      @Mickey House

      Ich wollte gern wissen, wie ein "Reicher" mit Nullzinsen noch reicher werden kann. Erben kann auch ein "Armer" und ein Immobilienkauf (gerade jetzt) ist nicht/nie frei von Marktrisiken!

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  • Unnutz am 16.06.2017 14:45 Report Diesen Beitrag melden

    was wäre wenn

    Einfach die Vollgeld Initiative annehmen und umsetzen. Dann kommen viele auf die Welt.

    • Supermario am 16.06.2017 16:43 Report Diesen Beitrag melden

      So sicher wie das Amen in der...

      Genau, dann kämen viele wieder auf die Welt! Aber mit Sicherheit nicht mehr in der gleichen, bequemen Wohlfühlsozialatmospäre!

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  • ChlapfadohrepunktCH am 16.06.2017 14:36 Report Diesen Beitrag melden

    komisch

    Früher Arbeitete das Geld für Mich, heute gegen Mich. Doch eigentlich sollte es nur ein Zahlungsmittel sein um den Tauschhandel zu vereinfachen.....

    • Supermario am 16.06.2017 16:42 Report Diesen Beitrag melden

      Ganz einfach

      Geld per Definition ist ein Zahlungs- UND Wertaufbewahrungsmittel! Damit ist wohl alles gesagt; es zwingt Dich niemand, Bargeld (ob Noten oder Bankguthaben) zu unterhalten. Wenn du den Mut hast, investiere das Geld dann arbeitet es auch für Dich.

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  • Stef am 16.06.2017 10:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die macht der Banken

    Wollte vom Firmensparkonto auf das reguläre Firmenkonto (läuft aber alles über ein Konto!) ca. 50 000 Fr. für eine Investition "verschieben". Die Antwort der Kantonalbank: Man kann max. 30 000 Fr., ansonsten zahlt man eine Gebühr von 1 000 Fr.!! Und ansonsten muss man 30 Tage warten. Unglaublich...das ich auf MEIN Geld welched ICH verdient habe keinen freien Zugriff habe WANN ich möchte. Es ist unglaublich welche Macht den Banken eingeräumt wird.

    • Supermario am 16.06.2017 12:25 Report Diesen Beitrag melden

      Macht??? Eher unflexibel

      Dann müsste man halt die Kontokonditionen VORHER durchlesen; allerdings scheint mir die diesbezügliche Kulanz - wenn der Fall den wirklich stimmt - schon ziemlich beschränkt! Ich jedenfalls hatte früher nie Mühe, beispielsweise temporär ein Festgeld zu Lasten eines Sparkontos zu installieren! Tipp: Transfer der Hälfte jetzt und den Rest halt in 30 Tagen; dann muss das "Investment" halt einen Monat warten oder Du gehst mit dem Firmenkonto 25k ins Soll (das gäbe dann max. 60 Kreditzinsen für den Monat!

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  • Werner am 16.06.2017 09:16 Report Diesen Beitrag melden

    Politik für Schuldner und Spekulanten

    Mit ihren Milliarden Investitionen in die Aktienmärkte treiben die Nationalbanken die Aktienpreise und somit auch die Profite von Spekulanten exorbitant in die Höhe mit Geldern die zur Geld- und Währungspolitik im Gesamtinteresse des Landes dienen müssen. Weder diese massiven Aktienspekulationen noch die Negativzinsen dienen dem Gesamtinteresse der Bürger unserer Schweiz, wenn auf Ersparnissen und Rückstellungen für das Alter oder sonstige Sicherheiten beruflich und geschäftlich Soll- anstatt Habenzinsen uns allen nur schaden mit Milliarden von Zinsertragsausfällen.

    • Supermario am 16.06.2017 10:06 Report Diesen Beitrag melden

      Kehrseite auch beachten

      Na ja, mag mehr oder weniger alles stimmen, nur hast Du die andere Seite der Medaille vergessen. Wie viele Schrauben oder Pumpen könnten wir noch produzieren und exportieren, wenn der Euro noch bei 0.60, 0.70 oder 0.80 gehandelt würde? Diese Arbeitsplätze (und auch dass Know-How) wären für ziemlich lange Zeit (wenn nicht für immer) verloren und der diesbezügliche Schaden - obwohl vermutlich schwer zu beziffern - steht eben auf der anderen Seite der Rechnung!

    • Menas am 16.06.2017 15:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Supermario

      Leider sspielen alle Nationalbanken das gleiche Spiel und so bringt es gar nix. Die US Notenbank steigt als erste aus und provitiert vermutlich als erste von der Vernunft.

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