Tourismus

29. August 2012 07:22; Akt: 29.08.2012 17:57 Print

Sawiris' Orascom schreibt erneut Verlust

Mehr Umsatz und trotzdem Verlust. Der Bau- und Hotelkonzern Orascom von Samih Sawiri hat im ersten Halbjahr 2012 ein Minus von 27,2 Millionen verzeichnet.

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Der Bau- und Hotelkonzern Orascom hat im ersten Halbjahr 2012 den Umsatz zwar um 24,5 Prozent auf 132,9 Mio. Fr. erhöht, doch resultiert ein Verlust von 27,2 (Vorjahr: 13,7) Mio. Franken. Konzernchef Gerhard Niesslein aber sieht nun «Licht am Ende des Tunnels».

Positiv am Halbjahresergebnis wertete Gerhard Niesslein an der Medienkonferenz vom Mittwoch in Altdorf UR insbesondere den operativen Cash flow von 24,0 Mio. Franken; im ersten Halbjahr 2011 lag er noch mit 44,5 Mio. Fr. in der Verlustzone.

Den Grund für den neuerlichen Nettoverlust sieht der Konzern des ägyptischen Investors Samih Sawiris in einer Kombination von Wertberichtigungen, einem tieferen Finanzertrag und höheren Steuern. Wegen Überkapazitäten im Baubereich sank überdies der Bruttogewinn von 16,3 Mio. Fr. im ersten Halbjahr 2011 auf 12,0 Mio. Franken.

Es harzt mit den Verkäufen in Andermatt

Probleme bereitet Orascom immer noch der arabische Frühling. So führten etwa Probleme mit Beduinen auf der Sinai-Halbinsel zu einem Rückgang der Auslastung. Der Krieg in Syrien wirkte sich in Jordanien negativ aus.

Auch beim Tourismusresort Andermatt UR harzt es. Die Verkaufszahlen sind rückläufig. Die Immobilienverkäufe belaufen sich gerade mal auf 123 Millionen, die Reservationen auf 45 Mio. Franken. Dazu beigetragen haben Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Zweitwohnungs-Initiative sowie der Realisierung des Skigebietes Andermatt-Sedrun.

Doch nun ortet Konzernchef Niesslein «Licht am Ende des Tunnels». Inzwischen sei klar, dass das Resort Andermatt nicht unter die Zweitwohnungs-Initiative falle. Und nachdem in Andermatt die ersten Gebäude entstehen, werde das Projekt für Interessenten auch konkreter als auf Plänen und in Broschüren.

Schwedische SkiStar wieder an Bord

Zudem ist beim neuen Skigebiet Andermatt-Sedrun der schwedische Skigebietsbetreiber SkiStar an Bord - auch diese Neuigkeit wurde am Mittwoch bekanntgegeben. SkiStar hatte sich bei den komplizierten Verhandlungen um die Übernahme der Bergbahnen in Andermatt und Sedrun zurückgezogen.

Damit verbunden waren Zweifel an der Realisierung des Skigebietes mit 130 Kilometern Pisten, in das 130 Mio. Franken investiert werden sollen. Für das Tourismusresort Andermatt aber ist ein attraktives Wintersportangebot lebenswichtig. Jetzt steht der Deal mit SkiStar. Deren technischer Direktor, Bo Halvardsson, wird die Andermatt Surselva Sport AG persönlich leiten.

Auch für Ägypten gibt sich Niesslein optimistisch. Die Präsidentenwahl sei gut verlaufen. Man spüre die Beruhigung auch an den Reservationen für die kommenden Festtage von Ende Jahr. Trotz weiterhin schwierigem Umfeld gibt sich Orascom insgesamt zuversichtlich.

Optimistisch zeigten sich am Mittwoch auch die Anleger: Die Orascom-Aktie ging mit einem Plus von 5,7 Prozent aus dem Handel. Der Swiss Performance Index (SPI) schloss unverändert.

Laufende Projekte und Investitionen gesichert

Wie an der Medienkonferenz zu erfahren war, stieg die Nachfrage in der Tourismusbranche im ersten Halbjahr 2012 wieder an, was sich auf den Umsatz der Gruppe auswirkte. Dieser stieg auf 132,9 (106,7) Mio. Franken. Beide Hauptsegmente konnten dabei zulegen.

Im Segment Hotels stieg die Auslastung auf 54 Prozent - vor allem aufgrund höherer Belegungsraten im Tourismusresort El Gouna. Aus diesem Grund nahm der Umsatz hier um 27,3 Prozent auf 69,0 Mio. Fr. zu. Der Umsatz im Segment Immobilien und Bau wuchs mit 34,4 Prozent auf 37,3 Mio. Fr. ebenfalls deutlich an.

Orsacom hat für 2012 Kreditvereinbarungen in der Höhe von 125 Mio. Fr. abgeschlossen. Laut Niesslein erlauben sie es der Gruppe, die laufenden Projekte und das Investitionsprogramm 2012 zu finanzieren. Letzteres wird indessen um 5 Prozent auf 115 Mio. Fr. gekürzt.

Für 2013 plant die Gruppe Investitionen von 100 Mio. Franken, welche durch Verkäufe von nicht-strategischen Anlagen aus der Bilanz (Ende Juni 2012: 2,159 Mrd. Fr.) finanziert werden sollen.

Einigung mit der Börsenaufsicht wegen Regelverstoss

Die Schweizer Börsenaufsicht teilte am Mittwoch überdies mit, dass sie sich mit Orascom bezüglich eines Verstosses gegen die Rechnungslegungs-Vorschriften (IFRS) geeinigt habe.

Orascom hatte den Geschäftsverlust von 2011 um 35 Mio. Fr. besser dargestellt. Bei einer korrekten Erfassung hätte der Jahresverlust 111 Mio. Fr. und nicht nur 76 Mio. Fr. betragen, teilte die SIX Exchange Regulation mit.

Laut Börsenaufsicht hatte Orascom trotz signifikanter Abnahme des Marktwertes zweier Finanzbeteiligungen auf eine erfolgswirksame Wertberichtigung im Jahresabschluss verzichtet. Damit verstiess Orascom gegen die Vorgaben der Rechnungslegungs-Vorschrift IAS 39 wie auch gegen die eigenen Rechnungslegungs-Grundsätze.

Laut Börsenaufsicht hat Orascom den Fehler im aktuellen Halbjahresabschluss nun berichtigt. Samih Sawiris' Unternehmen muss zur Wiedergutmachung eine Zahlung von 15 000 Franken an die IFRS- Stiftung bezahlen.

(sda)