Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
Starker Franken
21. Dezember 2011 15:52; Akt: 21.12.2011 19:46 Print
Hoteliers müssen weniger Steuern zahlen
Tourismusbetriebe sollen im nächsten Jahr keine Mehrwertsteuer entrichten müssen. Darauf hat sich der Nationalrat knapp geeinigt, als Sofortmassnahme gegen den starken Franken.
Ist der Ratslinken in Sachen starker Franken zu wenig aktiv: Volkswirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann, der bei der Debatte von Eveline Widmer-Schlumpf unterstützt wurde. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)
-
Arbeitslosigkeit: Krise und starker Franken belasten den Arbeitsmarkt
-
KOF-Umfrage: Deutliche Abkühlung der Konjunktur
-
Logistik : Starker Franken frisst Panalpina Gewinn weg
-
Detailhandel: Starker Franken lässt Umsätze schrumpfen
-
Schweizer Hotellerie: Starker Franken verjagt Touristen
- Dossiers
-
Starker Franken
Der Nationalrat hat am Mittwoch einmal mehr über die negativen Auswirkungen des starken Frankens auf die Schweizer Wirtschaft debattiert. Dabei sprach er sich als Erstrat dafür aus, den Tourismussektor nächstes Jahr vorübergehend von der Mehrwertsteuer zu befreien.
Die Fraktionssprecher waren sich in einem Punkt einig: Auf die Schweiz kommen wirtschaftlich schwierige Zeiten zu. Wegen des überbewerteten Frankens stünden Exportindustrie und Tourismus immer mehr unter Druck. Tausende Arbeitsplätze drohten verloren zu gehen. Innert eines Jahres könnte die Arbeitslosigkeit deshalb um einen Prozentpunkt auf 4 Prozent ansteigen.
SP will Untergrenze 1.40 Franken
Weitgehend Einigkeit bestand auch darin, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) richtig gehandelt hat, indem sie eine Kursuntergrenze von 1.20 Franken für einen Euro festlegte. Nach Ansicht der Vertreter der Exportwirtschaft sowie der Linken reicht dies jedoch nicht. Für die SP müsste die SNB die Untergrenze auf mindestens 1.40 Franken anheben, wie der SP-Nationalrat und UNIA- Geschäftsleitungsmitglied Corrado Pardini
Corrado
Pardini
SP, BE
NationalratVerbunden mit
Genossenschaft Schönehof, Frauenfeld
weitere Verbindungen anzeigen (BE) sagte.
Auch Vertreter der Industrie fanden, dass die SNB ihre Bemühungen intensivieren muss, um den Franken zu schwächen. Am liebsten wäre ihm ein Wechselkurs von 1.50 Franken für einen Euro, sagte Exportunternehmer Hansruedi Wandfluh
Hansruedi
Wandfluh
SVP, BE
NationalratVerbunden mit
Schweizerische Fernfachhochschule Brig (strategischer Beirat)
weitere Verbindungen anzeigen (SVP/BE).
Uneinigkeit zu den Massnahmen
Vertreter der bürgerlichen Parteien machten jedoch deutlich, dass sie die meisten zur Diskussion stehenden kurzfristigen Massnahmen nicht unterstützen wollten. Der Politik seien die Hände gebunden, sagte der Industrielle Peter Spuhler
Peter
Spuhler
SVP, TG
NationalratVerbunden mit
Stadler USA, New Jersey
weitere Verbindungen anzeigen (SVP/TG) und erteilte den linken Anträgen, das währungspolitische Instrumentarium auszudehnen, von Beginn weg eine Absage.
Diese Vorstösse fanden denn auch allesamt keine Unterstützung. Dies umso mehr nachdem Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf darauf hingewiesen hatte, dass eine Taskforce aus Vertretern des Finanz- und des Volkswirtschaftsdepartements sowie der SNB daran sei, andere währungspolitische Massnahmen zu prüfen.
Konkret geht es etwa um Negativzinsen auf ausländischen Geldanlagen in der Schweiz, Transaktionsabgaben zur Einschränkung der Spekulation sowie Kapitaleinfuhrbeschränkungen. So sei der Bund für den Fall der Fälle bereit.
Von den insgesamt 24 Motionen und 3 Postulaten, über die der Nationalrat am Mittwoch zu befinden hatte, wurden am Ende der Debatte nur 4, respektive 1 angenommen. Einem weiteren Postulat hatte der Bundesrat zugestimmt.
Zufallsmehr zugunsten des Tourismus
Mit einem Zufallsmehr von 93 zu 92 Stimmen bei 5 Enthaltungen sprach sich die grosse Kammer dafür aus, dem Tourismussektor nächstes Jahr die Mehrwertsteuer von derzeit 3,8 Prozent für die Gastronomie und Hotellerie zu befreien.
Damit der Bundesrat einen Entwurf für einen entsprechenden dringlichen Bundesbeschluss ausarbeiten muss, braucht es noch die Zustimmung des Ständerats. Bislang hatte sich das Parlament immer gegen ähnlich lautende Vorschläge ausgesprochen. Auch Volkswirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann plädierte gegen Massnahmen nach dem «Giesskannenprinzip».
Weiter hiess der Nationalrat eine Motion der FDP gut, die eine rasche Umsetzung der Unternehmenssteuerreform III fordert. Der Bundesrat solle dem Parlament dazu bis Ende März 2012 eine Botschaft unterbreiten, die insgesamt eine Senkung der Unternehmenssteuern beinhalte.
Alle anderen Vorstösse zur Senkung von Gebühren und Abgaben - etwa zu den TV- und Radiogebühren oder der leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe LSVA - wurden abgelehnt.
Für Kartellgesetzrevision
Angenommen wurde hingegen eine Motion von Markus Hutter
Markus
Hutter
FDP-Liberale, ZH
NationalratVerbunden mit
Hutter Dynamics AG, Winterthur
weitere Verbindungen anzeigen (FDP/ZH), die dem Bundesrat den Auftrag erteilt, mit China ein Währungsabkommen abzuschliessen, damit die Schweizer Firmen unabhängig vom US-Dollar nach China exportieren können.
Unterstützung fand auch eine Motion von Priska Birrer-Heimo (SP/ LU), die eine Kartellgesetzrevision fordert. Angenommen wurden zudem zwei Postulate. Das eine fordert, dass der Bundesrat die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt in Grenzgebieten untersucht.
Das andere verlangt Massnahmen, damit nicht alle leistungsstarken Schulabgänger den gymnasialen Weg einschlagen, sondern auch zu einer Berufslehre motiviert werden.
Keine Chancen hatten alle Vorstösse, mit denen die Ratslinke die Vorschriften für systemrelevante Grossbanken verschärfen wollte. Gefordert worden war etwa ein Verbot für das Investment-Banking oder den Eigenhandel.
(sda)
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»
Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.
«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»
Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.
«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»
Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)
Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?
Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.
-
Alle 48 Kommentare

Die Printausgabe von 20 Minuten gibts jetzt auch als ePaper.
Die 20 Minuten App Familie
Thank god it's Friday!
DIE Nightlife-Website für Partyverrückte aus aller Welt



















Passend dazu
Fällt mir gerade noch ein dazu: Ist der Ruf erst einmal ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.
Gespannt
Na, da bin ich aber mal gespannt, wie die Hotellerie Ende nächsten Jahres dastehen wird. Meine Prognose: Nichts wird sich geändert haben, d. h., immer noch kein gerechtes Preis-/Leistungsverhältnis, immer noch saure-Gurken-Gesichter bei der Bedienung, null Innovation und Motivation usw. Doch, halt, eines wird anders sein: Sie werden noch lauter jammern und nach (Bundes-)hilfe schreien.
Minimallöhne
gehe davon aus, dass die Angestellten der Hotels nicht von der Vergünstigung profitieren werden.