Faule Mitarbeiter

28. November 2012 13:34; Akt: 28.11.2012 14:07 Print

60 Prozent lassen es ab und zu mal schleifen

Misstrauen gegenüber dem Arbeitgeber ist Gift und fördert das Fehlverhalten der Angestellten, wie das Human Resources Barometer von Universität und ETH Zürich zeigt.

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Am häufigsten sind Träumereien, zu lange oder zusätzliche Pausen und zu wenig Einsatz. (colourbox.com)

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Mehr als die Hälfte der Angestellten verstösst am Arbeitsplatz gelegentlich gegen die Regeln. Am häufigsten sind Träumereien, zu lange oder zusätzliche Pausen und zu wenig Einsatz. Dies zeigt der Human Resources Barometer von Universität und ETH Zürich.

60 Prozent von 1483 Befragten gaben an, wegen Tagträumereien am Arbeitsplatz manchmal unproduktiv zu sein. 25 Prozent erzählten schon vertrauliche Firmeninformationen weiter und knapp 13 Prozent räumten ein, schon einmal die Arbeit hinausgezögert zu haben, um Überstunden aufschreiben zu können.

Misstrauen ist Gift

Wie das am Mittwoch veröffentlichte HR-Barometer zeigt, haben zudem 2 Prozent der Arbeitnehmer in den Befragungen zugegeben, schon einmal Quittungen gefälscht zu haben, um mehr Geld zu bekommen. Die Branche und die Grösse der Firma haben keinen Einfluss auf die Häufigkeit solchen Fehlverhaltens.

Einfluss hat hingegen, ob die Arbeitnehmer ihrer Firma vertrauen, wie die Studienverfasser festhalten. Misstrauen in den Arbeitgeber sei Gift und fördere das Fehlverhalten. Entscheidend ist auch, ob die Angestellten Probleme offen ansprechen können oder ob sie Konsequenzen zu befürchten haben.

Schweigen um des Friedens willen

Die Umfrage zeigt, dass es vielen schwerfällt, mit ihren Vorgesetzten über mangelnde Kompetenz ihrer Kollegen, über Bedenken bezüglich der Firmenpolitik und über Belästigungen und Missbräuche zu reden. Die grösste Mühe bereitet vielen Befragten, mit ihren Chefs über Lohnprobleme und Lohnungerechtigkeiten zu reden.

Oft wird geschwiegen, um die Zusammenarbeit mit anderen nicht zu gefährden. Häufig sei aber auch Resignation der Grund dafür, also die Annahme, dass das Ansprechen von Problemen sowieso nichts nütze. Angesprochen werden Missstände vor allem von arbeitsmarktfähigen und leistungsstarken Angestellten. Wer sich in seiner Position schwach fühlt, hält lieber den Mund.

Insgesamt fühlen sich die Schweizerinnen und Schweizer ihrem Unternehmen aber immer noch sehr verbunden und bezeichnen ihre Arbeitszufriedenheit als «hoch». Die Studie zeigt aber eine Dynamik, die die Verfasser als «Warnzeichen» deuten: Die Zahl der «fixiert Unzufriedenen», die über die Jahre stetig zugelegt hat.

Die Unzufriedenen nehmen zu

Damit sind jene Angestellten gemeint, die unzufrieden sind, ihre Ansprüche aber nicht senken wollen und auch nichts dazu beitragen, ihre Situation zu verbessern. Es seien zwar noch weniger als 10 Prozent der Beschäftigten dieser Gruppe zuzuordnen, schreiben die Verfasser. Dieser Trend müsse aber kritisch beobachtet werden.

Bruno Staffelbach, Wirtschaftswissenschaftler an der Uni Zürich, bezeichnet Unzufriedene als «gefährlich für ihr Umfeld». Diese Angestellten ohne Perspektiven und Alternativen würden versauern. Es könne vorkommen, dass sie schliesslich gegen die eigene Firma agieren würden. «Sie demotivieren andere Mitarbeiter oder stehlen.»

Das Schweizer HR-Barometer erfasst, wie Arbeitnehmer in der Schweiz ihren Alltag erleben. Dafür wurden in diesem Jahr 1483 Beschäftigte aus allen Landesteilen befragt. Die Studie wird von der ETH Zürich in Zusammenarbeit mit der Universität Zürich publiziert.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Luna am 28.11.2012 16:31 Report Diesen Beitrag melden

    Arbeitszeit

    Ich surfe während der Arbeitszeit auch hin und wieder privat, wenn gerade nicht sehr viel los ist (ist so ca. 3M/Jahr so). Aber solange mich mein Chef während meiner Freizeit anrufen darf, habe ich auch kein schlechtes Gewissen dabei.

  • Markus Wegmann am 28.11.2012 14:52 Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Ob man EInsatz zeigt oder nicht, wenn es der Chef eh nicht merkt und sich auch nie bedankt, wieso soll man sich den Arsch aufreissen, man ist ja nur der Dumme. Orientierung nach unten (weniger Produktivität) zahlt sich vielfach aus, den man hat ja Zeit um sich beim Chef einzuschleimen.

  • Suche Arbeit am 28.11.2012 13:52 Report Diesen Beitrag melden

    Lästereien

    Lästereien! Bei uns ist der Chef die grösste Lästertasche! Am Liebsten macht er Mitarbeiter öffentlich nieder, wenn diese nicht anwesend sind! Super so ein Chef! Dazu kommt, dass das Misstrauen soweit unter allen Mitarbeitern ist, dass keine Vernünftigen Gespräche mehr statt finden! Jeder "bewacht" den anderen und geht wenn nötig petzen! Und wenn man nicht mitmacht - sprich nicht mehr zur Kaffeepause geht, ist man ein "Verräter" Achja...hat noch jemand einen Job für mich?? Bin auf der Suche!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Teamwork am 29.11.2012 14:45 Report Diesen Beitrag melden

    Selber Schuld..

    Wir WAREN ein sehr motiviertes Team das voller Freude helfen wollte ein neues Geschäft mit aufzubauen! Unsere Stimmung und Motivation ist auf dem Nullpunkt angelangt.. Und warum?! Wegen der sowohl sozialen als auch fachlichen Inkompetenz unserer unzumutbaren Chefin! Da frage sich noch einer warum MA keine Lust mehr haben zu arbeiten.. Eigentlich dramatische Zustände die so nicht sein sollten! Schade fürs Team und letztendlich auch fürs Geschäft sehr kontraproduktiv!

  • Louis am 29.11.2012 13:40 Report Diesen Beitrag melden

    Zum Schweizer Arbeiterstaat

    Ist nur recht so! Schliesslich sind wir wieder mal das Land an oberster Stelle, bezüglich der durchschn. Wochenarbeitszeiten. In der Schweiz lebt man nur zum arbeiten oder zumindest mir kommt das so rein. Die ganze Zeit hört man nur Arbeit, Arbeit, Arbeit. Sobald es mal darum geht, dass der ArbeitNEHMER etwas bekommen soll, wird abgewunken. Einzige Konsequenz die ich dann persönlich daraus ziehen kann, ist jede Gelegenheit nutzen, um wenigstens ein bisschen an den europäischen Durchschnitt ranzukommen, denn unterm Strich bleibt mir genausowenig wie einem EU-Bürger, arbeite aber viel mehr!

  • Werner Werren am 29.11.2012 12:17 Report Diesen Beitrag melden

    Zukunft Dank Studie

    Super-Probanden: Nun leiden in Zukunft alle unter höherer Kontrolle. Nix mehr private Arzttermine abmachen und nix mehr Versicherngen per E-Mail vom Geschäft kündigen. Gut gemacht, Jungs!

  • HaK Fan am 29.11.2012 07:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unzufrieden

    Ich bin auch einer dieser unzufriedenen Arbeitnehmer. Ich habe einfach Mühe mit dieser Art wie heute gearbeitet wird. Immer stressiger, schneller und besser. Wo zum Teufel bleibt die Menschlichkeit in der Gesellschaft? Und noch etwas für alle die es nicht wussten: Stress ist eine der Hauptursachen der Volkskrankheit Krebs...! Wollen wir uns durch die Wirtschaft und den Drang immer mehr Geld zu haben umbringen? Habe ich leider das Gefühl deshalb bin ich unzufrieden in diesem System zu leben wo den Menschen bereits das eigene Denken vorgeschrieben wird. Öffnet die Augen, wachet uf!

  • Tomi am 29.11.2012 07:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    vice versa

    Sozialkompetenz sollte in beide Richtungen funktionieren. AG anerkennen Leistungen von AN nicht. Umgekehrt ist das genau so. die wenigsten AN anerkennen die Leistungen der Chefs und AG. Bin selber Chef und die Mitarbeiter erwarten immer Respekt, Wertschätzung und mehr Lohn. Ist fast eine Konstante. Umgekehrt ist aber meist Fehlanzeige oder wann haben die AN hier ihren Chef das letzte Mal gelobt. Chefs sind auch nur Menschen. Wenn ihr mit denen nicht einverstanden seit, macht euch selbstständig und ich verspreche euch eine andere Perspektive auf viele Dinge