Sharing Economy

09. Dezember 2015 23:38; Akt: 09.12.2015 23:38 Print

Teilen muss nicht zwingend nachhaltig sein

von F. Lindegger - Die Sharing Economy gilt bei vielen als Versprechen für die Nachhaltigkeit. Durch gesteigerten Konsum könnten die positiven Effekte des Teilens aber hinfällig werden.

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Unternehmen der Sharing Economy verweisen gerne darauf, dass ihre Angebote Ressourcen schonen und einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten. Airbnb veröffentlichte etwa 2014 eine Studie, die aufzeigte, dass die Kunden des Diensts 2013 in Europa so viel CO2 einsparten, wie 200'000 Autos produzierten, weil sie statt der Hotelinfrastruktur bestehende Wohnungen nutzten.

Carsharing an Stelle eines eigenen Autos oder eine Bohrmaschine ausleihen, statt eine kaufen: Auf den ersten Blick leuchtet es ein, dass mit dem Teilen Ressourcen geschont werden können. Wird das durchs Teilen eingesparte Geld aber in einen Städtetrip investiert, ist der positive Effekt schnell dahin. Genau dies wurde in einer Studie des Boston College festgestellt: Die US-Forscher kamen zum Schluss, dass die Nutzer von Airbnb durch den Dienst öfter reisten oder dass die Verfügbarkeit von günstigen Fahrdiensten Verbraucher vom öffentlichen Verkehr weglocke.

Negativer Einfluss aufgrund des Rebound-Effekts

In dieses Bild passen auch die Zahlen, die der englische «Economist» ermittelte. Im Juni 2013 wurden in New York 14,7 Millionen Fahrten durch traditionelle Taxis sowie Uber verzeichnet. Im Juni diesen Jahres betrug diese Zahl 15,8 Millionen. Laut einer Studie des deutschen Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) warben einerseits Fahrdienstanbieter wie Uber den klassischen gelben Taxis Kunden ab, andererseits konnten – vor allem in den Aussenbezirken – neue Kunden gewonnen werden, die vorher nicht mit dem Taxi unterwegs waren. Die Autoren der IZA-Studie führen dies vor allem auf die günstigen Preise von Uber und Co. zurück, die bewirkten, dass sich mehr Leute eine Fahrt mit Chauffeur leisten könnten.

Diese indirekten Wirkungen werden auch Rebound-Effekt genannt. «Der Rebound-Effekt ist die längere, häufigere oder intensivere Nutzung einer Ressource aufgrund der gesteigerten Effizienz», erklärt Friedel Bachmann, der am Lehrstuhl für Sozial- und Wirtschaftspsychologie an der Universität Zürich forscht. In Bezug auf den Energieverbrauch hänge es aber immer auch davon ab, in welchem Rahmen dieser betrachtet werde. «Eine Studie von Interface-Politikstudien und Infras zu Mobility-Carsharing zeigte etwa, dass drei Viertel der privaten Nutzer mehr Energie verbrauchten als zu der Zeit, bevor sie das Angebot nutzten.» Unter dem Strich, so ein Fazit der Studie, sei durch das Carsharing aber trotzdem Energie eingespart worden. «Die Einsparungen jener, die weniger Energie verbrauchten als zuvor, haben insgesamt den Mehrverbrauch überwogen», sagt Bachmann.

Lukratives Geschäft

Grundsätzlich seien die Auswirkungen der Sharing Economy auf den Energieverbrauch aber komplex und schwierig zu quantifizieren. Bisher wurden diese Effekte denn auch noch wenig erforscht. Bachmann und seine Kollegen befassen sich deshalb zurzeit im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms 71 mit den Auswirkungen der Sharing Economy auf den Energieverbrauch. Eines der Ziele ist unter anderem, die Produktkategorien mit dem grössten Potenzial für Energieeinsparungen durch die Sharing Economy zu identifizieren.

Firmen sind bisher vor allem mit Anwendungen im Bereich der Mobilität aktiv: Carsharing-Unternehmen wie Mobility sind etabliert und der Fahrdienst Uber soll inzwischen gar mit mehr als 60 Milliarden Dollar bewertet sein. Zum Vergleich: Der US-Autobauer Ford hat an der Börse einen Wert von rund 56 Milliarden Dollar. Teilen statt besitzen ist in jedem Fall auch ein lukratives Geschäft.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Adrian am 09.12.2015 23:52 Report Diesen Beitrag melden

    Sharingeconomy

    UBER würde ich nicht unter Sharing-Economy einstufen, die machen ja nichts anderes als ein Taxianbieter. Auch Air-BnB verdient die Bezeichnung nur, wenn wirklich die eigene Wohnung z.B. während den Ferien weitervermietet wird. Wenn es aber zu lukrativ wird und sich Leute extra für AirBnB eine weitere Wohnung mieten, ist der Sharing-Effekt verpufft.

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  • Lorenz Fellmann am 10.12.2015 01:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gewinnmaximierung

    Der Kapitalismus kann und wird niemals nachhaltig sein, da sein Ziel die Gewinnmaximierung ist und sonst überhaupt nichts eine Rolle spielt. Die Nachhaltigkeit ist im Kapitalismus nicht vorgesehen.

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  • Pedro am 09.12.2015 23:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    abwarten.....

    irgendwann kommt der renzi und kassiert dann nachträglich steuern ab. wetten?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Tom am 10.12.2015 17:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    moneymoneymoney

    halleluhja. Die Erkenntnis setzt sich spär durch, aber immerhin. Es geht um Geld, nicht um gspürschmi ich bin au ganz lieb und nachhaltig. Merke: es geht immer um Geld, alles andere ist Mittel zum Zweck. Immer.

  • huschmie am 10.12.2015 14:51 Report Diesen Beitrag melden

    Gewinner und Verlierer

    Jede Veränderung bringt Gewinner und Verlierer. Die Verlierer versuchen jetzt den Gewinnern Wind aus den Segeln zu nehmen und lassen mit einer neuen Studie wieder Mal das Gegenteil von dem beweisen was die Sharing Leute predigten.

  • Mc Gyver am 10.12.2015 12:52 Report Diesen Beitrag melden

    Ist schon so

    Bei CarSharing werden überhaupt keine Ressourcen gespart, den die Lebensdauer eines Autos ist mehr oder weniger gegeben. Wenn man annimmt die Lebensdauer sei 100'000 km, dann spielt es doch keine Rolle ob ich es mit meinem Auto in 10 Jahren fahre, oder ein Mobility Auto in 2 Jahren. Mit 100'000 wirft man es weg. Wobei ... das eigene wohl länger hält, da man besser darauf aufpasst als auf eines das einem ja nicht gehört.

  • Alfred am 10.12.2015 07:20 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaubwürdige Studie

    Rebound Effekt kann man auch als Einkommenseffekt sehen. Mehr Effizienz = günstigeres Angebot = mehr Verbrauch bei gegebenem Einkommen. Für mich ist wegen dem dann aber nicht die Sharing Economy "böse", wenn dadurch auch untere Einkommenskategorien die Umwelt mehr belasten. Dass man mit dem mobility Auto mehr fährt kann nicht sein, denn mit dem eigenen Auto hat man die fixen Kosten schon bezahlt und die variablen Kosten sind kleiner als bei mobility. Kleinere variable Kosten = kleinere Grenzkosten = tendenziell höherer Verbrauch. ...und weniger parkierte Autos ist wahrlich ein Segen!

  • Mark R. am 10.12.2015 07:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SUV

    Teilen? Ich fahre mit meinem SUV jeden Tag zur Arbeit. Meine Frau mit Ihrem eigenen SUV. Obschon unsere Arbeitsplätze nur 180m entfernt liegen. Das da sie halt 25min früher Feierabend hat. Naja stört mich nicht.

    • Supermario am 10.12.2015 08:26 Report Diesen Beitrag melden

      Nur weiter so

      Exakt für solche Mitbürger sollten die Benzinpreise auf mindestens 5 Franken pro Liter gefloort werden.

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