Air Berlin

12. September 2017 17:08; Akt: 12.09.2017 17:20 Print

Piloten krankgemeldet – Flüge ab Zürich fallen aus

Dutzende Flüge der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin sind heute gestrichen worden. Was Passagiere nun wissen müssen.

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Die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin hat am Dienstag rund 70 Flüge gestrichen. Betroffen in der Schweiz sind Flüge zwischen Zürich und Berlin respektive Zürich und Düsseldorf gewesen. «Der heutige Tag kostet uns mehrere Millionen Euro», teilte Air Berlin-Chef Thomas Winkelmann mit.

«Wir verzeichnen aktuell ungewöhnlich viele Krankmeldungen der Piloten», erklärte die Airline. Rund 200 der 1500 Piloten hatten sich krank gemeldet, viele nach Unternehmensangaben erst unmittelbar vor dem Flug. Das Unternehmen rief betroffene Fluggäste auf ihrer Internetseite auf, nicht zum Flughafen zu kommen und sich stattdessen an die Hotline zu wenden. «Wir bedauern die Unannehmlichkeiten für unsere Gäste», sagte eine Sprecherin.

Die «Bild»-Zeitung berichtete in ihrer Online-Ausgabe, Hintergrund sei eine Piloten-Revolte, weil der Zeitung zufolge am Montag die Verhandlungen zum Übergang von 1200 Air-Berlin-Piloten auf den potenziellen neuen Käufer von der Geschäftsführung abgebrochen wurden.

Grund dafür soll dem Bericht zufolge eine Auseinandersetzung über den Übergang von Piloten der insolventen Airline auf den potenziellen neuen Käufer sein.

«Die Braut wird quasi für die Hochzeit hübsch gemacht»

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) befürchtet, dass der Langstreckenbetrieb der Air Berlin komplett eingestellt werden könnte. VC-Präsident Ilja Schulz sagte der «Rheinischen Post», es bestehe die Sorge, dass mit einer «enormen Preiserhöhung die Langstrecke so unattraktiv gemacht werden soll, dass sie noch vor der Übernahme eingestampft werden kann».

Hintergrund könnte Schulz zufolge sein, dass man insbesondere die gut bezahlten Langstreckenpiloten loswerden wolle, bevor es zu einer Übergabe von Betriebsteilen komme. «Die könnte der Insolvenzverwalter bei einer Einstellung der Langstrecke sofort entlassen wollen», sagte Schulz der Zeitung. «Die Braut wird quasi für die Hochzeit hübsch gemacht. Das ist ein Skandal, den wir uns so nicht bieten lassen.»

Gewerkschaft appelliert an Piloten

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) appellierte derweil an die Mitarbeiter, den Betrieb der insolventen Airline sicherzustellen. Es sei «extrem wichtig, dass der Flugbetrieb weiter läuft», sagte Cockpit-Sprecher Markus Wahl. Ansonsten sei ein Lösungsweg am Verhandlungstisch «unmöglich».

Es müsse vermieden werden, dass die Flugzeuge von Air Berlin am Boden blieben, sagte Wahl. Zugleich signalisierte der Gewerkschafter Verständnis für die Betroffenen – bei vielen herrsche «Angst und Verzweiflung». Diese müsse aber in «geordnete Bahnen» zu Verhandlungen über einen geordneten Übergang der Beschäftigten gelenkt werden. Zuvor hatte bereits die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi die Mitarbeiter von Air Berlin aufgefordert, den Flugbetrieb weiter aufrecht zu erhalten, um die Arbeitsplätze nicht zu gefährden. Allerdings seien die Krankmeldungen nicht verwunderlich, da es um die «Existenzen ganzer Familien» gehe.

Kaufangebote bis 15. September

Erst am Montag hatte Air Berlin bekanntgegeben, ihr Karibik-Flugprogramm ab Düsseldorf zum 24. September einzustellen. Flüge auf die Niederländischen Antillen, nach Cancún in Mexiko, Havanna und Varadero in Kuba sowie in die Dominikanische Republik entfielen damit. Hintergrund sei die im Insolvenzverfahren nötige Reduzierung der Langstreckenflotte.

Die verlustreiche Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet, nachdem ihre arabische Grossaktionärin Etihad die Zahlungen an die Berliner eingestellt hatte. Noch bis zum 15. September können Kaufangebote für die Fluggesellschaft abgegeben werden.

Eine Entscheidung über den Verkauf der Airline könnte schon am 21. September fallen.

(woz/fal/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Passagier am 12.09.2017 08:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Air Berlin - Sterben auf Raten

    Mit jeder Streichung eines Fluges und jeder weiteren Hiobsbotschaft, werden immer weniger Air Berlin buchen. Der Exodus kommt und Air Berlin wird leider der Vergangenheit angehören.

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  • Stefan am 12.09.2017 08:35 Report Diesen Beitrag melden

    Zu gross

    Die Flotte war einfach zu gross und die Konkurenz in Europa auch. Ich hoffe das all die Angestellten denen gekündigt wird schnell wider Arbeit haben.

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  • Ich bin's am 12.09.2017 08:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Air Berlin

    Zum Glück war ich im August schon dort...es war ein sehr angenehmer Flug mit Air Berlin...sehr freundliche Fluggesellschaft!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tom Roth am 13.09.2017 12:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe ich

    Ja verstehe ich wenn sich die Belegschaft wehrt. Hier wird die Braut auf deren Kosten schön gemacht.

  • Klaus am 12.09.2017 22:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Belair rettet wieder was zu retten gibt

    Und alle CH Belair Flüge sind heute wie gewohnt unterwegs. Ein grosses Dankeschön an die Belair Crew.

    • Jayjay am 13.09.2017 09:36 Report Diesen Beitrag melden

      AUSGERECHNET BELAIR!!!

      Nach mehreren Nächten an Flughafen, bei welchen wir uns stündlich irgendwo melden mussten (wer will schon schlafen?) nur um weiter vertröstet zu werden - DAS ist der gewohnte Belair Service. Nie wieder!

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  • Markus am 12.09.2017 21:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meine Meinung...

    ...dass das eine weitere dunkle Seite der freien kapitalistischen Demokratie ist. Nicht das der reine Kommunissmus funktioniert hätte. Aber bei dieser Regierungsform die absolut der kapitalistischen Marktsteuerung unterliegt kommt solches raus....SBB, Post, Swissair, und viile viile weitere sind solche Beispiele. In Ländern wie Russland oder China wird das präziser geregelt. Und genau solche besseren Funktionsprinzipien sollten übernommen werden. Staatlich relevanten Firmen gehören in Staatshand. Telecom, ÖV, Post, Strom, etc.....genau die absolute private Öffnung aller Institutionen provuziert den Nährboden für die Geiz-ist-geil-Mentalität....

    • Sammy am 12.09.2017 23:42 Report Diesen Beitrag melden

      Nein Danke

      Ui Ui Ui da die Staatshand ja einen so guten Namen hat in allem das Effizient und Wirtschaftlich Rentabel betrieben werden soll. Dank Steuergeldern natuerlich. Survival of the fittest....ist besser.

    • MikeMU am 13.09.2017 14:53 Report Diesen Beitrag melden

      @Markus

      Wenn man Europaweit Mitarbeiter Ersatz hat, muss man die Mitarbeiter in der Firma nicht anständig behandeln... Die EU ist aus meiner Sicht ein Kommunistischer Verein, das Politbüro ist in Belgien...

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  • Jay am 12.09.2017 17:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Spiess dreht sich irgendwann

    Dies sind die Folgen des immer grsser werden um einfach viel Profit zu machen. Ich sollte bei meinem AGB auch mal krank machen, bis die checken, dass es ohne die MA nicht geht. Heute gibts nur noch wenige Chefs die wirklich gut arbeiten. Die andere Sorte macht die MA kaputt und dementsprechend geht es den Firmen so. Tja, lieber einwenig kleiner und dafr alles im Griff haben als Hhenflge planen und dann in den Konkurs zu strzen...

  • A.J. am 12.09.2017 16:15 Report Diesen Beitrag melden

    Streik

    Den Begriff "Streik" ist hier ohne Zusatz nicht ganz angemessen, denn es handelt sich um einen "Wilden Streik", bei dem keine einzige Gewerkschaft als Tarifvertragspartei beteiligt wäre. Da dieser also (zumindest momentan noch) ganz klar rechtswidrig stattfindet, handelt es sich somit genau genommen um Arbeitsverweigerung. Ich hätte die krankgemeldeten Piloten allesamt zum Amtsarzt geschickt, um die jeweilige Diagnose überprüfen zu lassen. Bei allem Verständnis um Sorgen und Nöte von Arbeitnehmern: an bestehende Gesetze müssen sie sich dennoch halten.

    • Worm77 am 12.09.2017 16:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @A.J.

      Nun, ich weiss nicht, wie das Arbeitsgesetz in Deutschland genau aussieht... In der Schweiz kann der Arbeitgeber erst nach 6 Monaten eine Bestätigung vom Vertrauensarzt verlangen. Ob dies in Deutschland schon von Anfang an möglich ist, weiss ich nicht. Weiss das jemand?

    • Arbeitgeber am 12.09.2017 18:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Worm77

      Leider liegen Sie hier komplett falsch mit Ihrer annahme, dass der Arbeitgeber erst nach 6Monaten den Arbeitnehmer zu einem Vertrauensarzt beordern darf. Dies wird jenachdem Vertraglich festgelegt und ist somit ohne klare Regelung.

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