Skrupellose Unternehmen

27. Januar 2012 12:44; Akt: 27.01.2012 13:34 Print

Barclays und Vale sind die Schlimmsten

Der Schmähpreis Public Eye Award geht dieses Jahr an eine britische Bank und einen brasilianischen Bergbaukonzern. Japans AKW-Betreiber Tepco und die Schweizer Syngenta blieben verschont.

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«Wie vergiften wir Mensch und Umwelt?» lautet die maliziöse Frage, mit der die NGO Public Eye ein «Werbeplakat» für Syngenta hergestellt hat. Die ebenso maliziösen Antworten lauten: «Indem wir hochgiftige Pestizide verkaufen sowie die unabhängige Wissenschaft behindern.» Der weltgrössten Agrochemie-Produzentin mit Sitz in Basel wird vorgeworfen, tausende von Bauern auf dem Gewissen zu haben. (Bild: Public Eye) «Wetten, dass Spekulationen auf Esswaren die Preise unerreichbar machen und der Bank einen feinen Profit bescheren?» So lautet der «Werbespruch», den Public Eye für die britische Grossbank Barclays kreiert hat. Die Bank wird denn auch als der «schnellstwachsende Nahrungsmittelspekulant der Welt» bezeichnet. (Bild: Public Eye) Die weltgrösste Gold- und Kupfermine ist auf West-Papua angesiedelt und wird vom US-Minenkonzern Freeport McMoRan betrieben. Täglich fallen 230 000 Tonnen mit Schwermetall verseuchter Morast an, schreibt Public Eye. Kein Wunder, wird die Mine mit dem sarkastischen Satz «angepriesen»: «Eine allgemeine Gefahr für Eingeborene und Umwelt - nicht nur in der Gold- und Kupfermine in West-Papua.» (Bild: Public Eye) Auch Südkoreas reichster Mischkonzern Samsung kommt bei Public Eye nicht gut weg: In seinen Fabriken setze das Unternehmen teils hochgiftige Stoffe ein, ohne die Arbeiter zu schützen. Deshalb fordert Public Eye in seinem erfundenen Werbeplakat: «Es ist Zeit, der Wahrheit ins Gesicht zu blicken.» Das «Gesicht» ist ein Totenkopf, entstanden aus giftigen Dämpfen. (Bild: Public Eye) Dass der grösste japanische Energiekonzern Tepco nach der atomaren Katastrophe von Fukushima ins Blickfeld von Public Eye geraten ist, verwundert nicht. Tepco habe «wider besseren Wissens aus Kostengründen» die Sicherheit seiner Atomkraftwerke vernachlässigt. Ganz nach dem sarkastischen Motto: «Wir können nicht mehr kontrollieren, was wir geschaffen haben.» (Bild: Public Eye) Auch schön: «Wir verwandeln Regenwälder in Minen und Staudämme - egal wie viel es braucht.» Was wie ein Werbespruch daherkommt, ist in Tat und Wahrheit eine Anklage von Public Eye gegenüber dem brasilianischen Minenkonzern Vale. Der Eisenerzhersteller und Dammbauer schrecke auch vor Zwangsumsiedlungen im Amazonas nicht zurück. (Bild: Public Eye)

Die Nominierten für den Public Eye Award 2012.

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Kopf-an-Kopf-Rennen in Davos: Mit dem Public Eye Award zeichnen die Umweltschutzorganisation Greenpeace und die Anti-Globalisierungs-Bewegung Erklärung von Bern (EvB) die übelsten Unternehmen der Welt aus. Anlässlich des diesjährigen Weltwirtschaftsforums in Davos ist der Schmähpreis nun erneut verliehen worden: Den Jurypreis erhält die britische Bank Barclays – laut Yves Zenger von Greenpeace «für ihre Spekulationen mit Nahrungsmitteln auf dem Buckel der Ärmsten». Der via Internet-Voting bestimmte Publikumspreis geht an Vale, einen brasilianischen Berg- und Dammbaukonzern.

«Heute brandmarken wir zwei Fälle besonders krasser Menschenrechtsverletzungen und Umweltsünden», sagt Zenger gegenüber 20 Minuten Online. Beim Publikumspreis sei es aber am Ende knapp geworden: Um ein Haar hätte Tepco, der japanische Betreiber der AKW in Fukushima, die Auszeichnung abgestaubt. Der Stromkonzern bekam 24 245 Stimmen und somit nur 976 Stimmen weniger als Vale. «Vale hat das Rennen gemacht, weil man hier noch etwas verhindern kann. Die Katastrophe in Japan ist leider schon geschehen», mutmasst Zenger.

Raubbau und Menschenrechtsverstösse

Vale ist der zweitgrösste Konzern Brasiliens, der zweitgrösste Minenkonzern der Welt und der grösste Hersteller von Eisenerz überhaupt. Der Konzern habe sich in seiner 60-jährigen Geschichte immer wieder Menschenrechtsverstösse zuschulden kommen lassen, lassen EvB und Greenpeace verlauten. Vales Mitarbeiter müssten teils unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten. Darüber hinaus beute der Konzern die Natur rücksichtslos aus.

Verhindern möchten EvB, Greenpeace sowie die brasilianische Organisation Justiça nos Trilhos derzeit, dass mit Vales Beteiligung der Belo-Monte-Staudamm im Amazonas gebaut wird. Der Bau des Damms hätte voraussichtlich 40 000 Zwangsumsiedlungen zur Folge. Und die Betroffenen hätten weder ein Mitspracherecht noch würden sie entschädigt. «Eine Fläche so gross wie der Bodensee würde unter Wasser gesetzt – mit verheerenden Folgen für Bevölkerung, Pflanzen und Tiere», wettert Zenger.

Spekulation mit Lebensmitteln

Den Jurypreis erhält der britische Bankkonzern Barclays, weil der laut EvB und Greenpeace wohl am schnellsten wachsende Nahrungsmittelspekulant die Preise für Lebensmittel in die Höhe treibe. Das gehe auf Kosten der Ärmsten dieser Welt. «Allein im zweiten Halbjahr 2010 wurden weltweit 44 Millionen Menschen durch steigende Nahrungsmittelpreise in extreme Armut gedrängt», klagt Zenger.

Ob Barclays und Vale die Preise annehmen, ist derzeit noch unklar. Erfahrungsgemäss ist nicht damit zu rechnen: Erst zum zweiten Mal in der Geschichte des «Public Eye People’s Award» hat 2011 mit Neste Oil die geschmähte Firma den Preis an ihrem Sitz in der Schweiz entgegengenommen.

Ehrengast an der Preisverleihung war der US-Starökonom und Nobelpreisträger Joseph «Joe» Stiglitz. Er erklärte, es sei im Interesse aller, sogar des reichsten Prozents der Weltbevölkerung, dass es unserem Planeten gut gehe, und dass der Graben zwischen den Reichen und den Armen sich nicht noch mehr vertiefe. In Bezug auf den Public Eye Award fordert er: «Mit diesen Nominationen wurden einige der schlimmsten Auswüchse unverantwortlichen Handelns von Unternehmen 2011 benannt. Nun ist es wichtig, nicht nur zu benennen, was genau an ihrem Verhalten gegenüber den Arbeitnehmenden und der Umwelt falsch ist, sondern auch systematische Verbesserungen zu fordern – des Anreizsystems, der rechtlichen Grundlagen und unserer eigenen Erwartungen und Forderungen an Unternehmen als globale Bürger.» Nur dann könne man hoffen, dass nachhaltige und faire Unternehmenspraktiken zukünftig die Regel und nicht die Ausnahme seien.

(ahi)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Matthieu am 27.01.2012 23:21 Report Diesen Beitrag melden

    Apple auch gesundheitsgefährdend

    Apple nutzt in den Zuliefererfirmen wie Wintek N-Hexane nur um die Produktion zu steigern und gefährdet damit die Arbeitenden in China nachweislich.

  • Sunshine Lollipop am 27.01.2012 18:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mensch bleibt Mensch

    So lange Geld in einem Atemzug mit Macht zu nennen ist, wird keine nennenswerte Veränderung zu erreichen sein. Der Mensch arbeitet auf sein eigenes Wohl hin, nicht auf das des Kollektivs. Zu zynisch? Kein Gegenargument.

  • j.t.collins am 27.01.2012 13:22 Report Diesen Beitrag melden

    Schweigen

    Und über China wird immer noch geschwiegen ....

    • Realist am 27.01.2012 17:51 Report Diesen Beitrag melden

      Was soll denn das?

      Die Chinesische Regierung hat 300+ millionen aus der Armut gehoben. Nenne mir irgendeine andere Organisation die so Etwas von sich sagen kann. Wie vielen hat denn Greenpeace (geschweige denn EvB) geholfen?

    • Bern Boppers am 27.01.2012 18:09 Report Diesen Beitrag melden

      Hmmm?

      Ist China ein Konzern?

    • Franz am 27.01.2012 19:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Award

      China eine Firma ??? Unternehmen ??

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