Starker Franken

07. November 2012 16:04; Akt: 07.11.2012 16:08 Print

Die Franken-Kanone ruht

von B. Bruppacher - Feuerpause für Thomas Jordan: Die Nationalbank muss nicht mehr aus allen Rohren schiessen, um den Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken zu verteidigen. Von Abrüsten ist aber nicht die Rede.

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Die Franken-Kanone hat eine Verschnaufpause. (Bild: Keystone)

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Erstmals seit acht Monaten ist der Devisenberg der Schweizerischen Nationalbank (SNB) im Oktober nicht weiter gewachsen. Der Bilanzposten mit den ausländischen Währungen ging vielmehr im Vergleich zum Vormonat um 5,1 Milliarden auf 424,4 Milliarden Franken zurück. Das sind noch immer fast 200 Milliarden mehr als im letzten Februar. Schon seit Juli hat sich die Zunahme aber deutlich abgeschwächt. Jetzt folgte erstmals eine leichte Reduktion.

Die Nationalbank gibt nicht bekannt, wie viele Franken sie auf den Markt werfen muss, um ein Absinken des Euro unter die Marke von 1,20 Franken zu verhindern. Die Käufe von Euro und anderen ausländischen Währungen spiegeln sich aber in der Entwicklung der Devisenreserven. Deren Höhe wird zudem von den Wechselkursveränderungen beeinflusst. Dieser Effekt war gemäss dem UBS-Devisenstrategen Thomas Flury im Oktober aber nicht derart stark, dass er den gesamten Rückgang der Devisenreserven erklären würde. Der Schluss ist deshalb zulässig, dass die Nationalbank in den letzten Wochen nicht mehr intervenieren musste, um den Mindestkurs zu verteidigen.

Eurokrise bleibt virulent

Thomas Jordan und sein Team an der SNB-Spitze sind damit aber noch lange nicht aus dem Schneider. Denn ein Ende der Eurokrise ist nicht Sicht. Im Gegenteil: Griechenland bleibt Krisenherd Nummer 1. Und auch in Spanien sind die Aussichten düster. Die EU-Wirtschaftsprognose für Spanien zeige deutlich, «dass die Euro-Schuldenkrise und ihre Auswirkungen noch länger marktbeherrschende Themen bleiben dürften», schreibt zum Beispiel die Zürcher Kantonalbank in ihrem heutigen Devisenkommentar.

Jordan sieht keine Verknüpfung mit der Eurozone

Jordan selber hatte in einem am letzten Samstag veröffentlichten Interview der Genfer Zeitung «Le Temps» bekräftigt, die Dauer des Festhaltens am Mindestkurs hänge von der internationalen Entwicklung ab. Jede Diskussion über einen Ausstieg sei verfrüht. Anderseits trat der oberste Währungshüter auch der Kritik entgegen, dass die Schweiz mit der Festsetzung des Mindestkurses stark vom Schicksal des Euro und der EU abhängig geworden sei. «Unsere Geldpolitik schafft weder eine Verknüpfung mit dem Euro, noch mit der Eurozone oder mit der EU», sagte Jordan. Denn es gebe keine Verpflichtung, die Untergrenze unbeschränkt aufrechtzuerhalten.

Ökonomen weisen aber darauf hin, dass die Nationalbank mit der Fixierung der Kursuntergrenze für den Euro einen Teil ihrer geldpolitischen Unabhängigkeit aufgegeben hat. In einer kürzlich veröffentlichten Studie der Credit Suisse wird darauf hingewiesen, dass die Nationalbank die Zinsen faktisch nicht anheben kann, solange die Europäische Zentralbank (EZB) keine Zinserhöhung beschliesst. Denn ein isolierter Zinsanstieg in der Schweiz würde zu einem erhöhten Aufwertungsdruck auf den Franken führen.

Sprudelnde Gewinne und tiefe Teuerung helfen den Währungshütern

Zwei weitere Faktoren machen der Nationalbank das Leben zurzeit etwas leichter als auch schon: Zum einen wirft der hohe Devisenberg in Kombination mit dem Euro-Mindestkurs und dem gestiegenen Goldpreis satte Gewinne ab. Knapp 17 Milliarden Franken waren es in den ersten neun Monaten dieses Jahres. Die Fortsetzung der Gewinnausschüttung an Bund und Kantone scheint damit nicht in Gefahr. Und neuer politischer Druck auf die Währungshüter ist wenig wahrscheinlich.

Zum anderen gibt es auch an der Teuerungsfront keine Alarmzeichen, die sofortiges Handeln in der Geldpolitik nötig machen würden. Die Jahresteuerungsrate blieb mit minus 0,2 Prozent im Oktober zum zwölften Mal in Serie im negativen Bereich. Experten gehen aber davon aus, dass die Zeiten mit Minusteuerung bald vorbei sein werden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Joe CE am 08.11.2012 10:48 Report Diesen Beitrag melden

    Verlierer Volk

    Händler haben verdient, Nationalbank hat verdient, die Verlierer sind das Volk. Ein Trug mit Zahlen, jedoch ohne reellen Wert

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  • Philipp Stone am 07.11.2012 21:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hopp helvetia!

    Bravo! ..beim verteidigen vom Mindestkurs auch noch Geld verdient! Gute Arbeit! Danke auch an die EU :-)

  • Herr Vorragend am 08.11.2012 03:12 Report Diesen Beitrag melden

    Da streut wieder einer mal

    ohne gefragt zu werden, Sand in die Augen des Volkes! Und blufft, dass (nur) für CHF 5 Mia weniger EURO - Devisen "gekauft" wurden .....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Joe CE am 08.11.2012 10:48 Report Diesen Beitrag melden

    Verlierer Volk

    Händler haben verdient, Nationalbank hat verdient, die Verlierer sind das Volk. Ein Trug mit Zahlen, jedoch ohne reellen Wert

    • Supermario am 09.11.2012 10:01 Report Diesen Beitrag melden

      Na und?

      Ist nun mal so; gäbs keine Händler (weil nichts zu verdienen ist), gäbs auch keinen Handel. Das gilt für reales wie auch für virtuelles. Übrigens helf ich dir gern, dein virtuelles Konto zu erleichtern, damit du selber ethisch und moralisch mit reinem Gewissen da stehst :-)

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  • Herr Vorragend am 08.11.2012 03:12 Report Diesen Beitrag melden

    Da streut wieder einer mal

    ohne gefragt zu werden, Sand in die Augen des Volkes! Und blufft, dass (nur) für CHF 5 Mia weniger EURO - Devisen "gekauft" wurden .....

    • Maik am 08.11.2012 11:23 Report Diesen Beitrag melden

      Lesn

      wer lesen kann ist klar im vorteil. Es wurde nicht weniger gekauft sondern der Devisenbestand wurd um 5,1 Mia auf 429 Mia abgebaut

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  • Philipp Stone am 07.11.2012 21:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hopp helvetia!

    Bravo! ..beim verteidigen vom Mindestkurs auch noch Geld verdient! Gute Arbeit! Danke auch an die EU :-)

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