Verkauf von Heinz

17. Februar 2013 13:43; Akt: 17.02.2013 13:53 Print

Insider aus der Schweiz wusste von Buffett-Deal

Über ein Schweizer Konto der Goldman Sachs hat sich ein Unbekannter um über 1,7 Millionen Dollar am Heinz-Deal von Warren Buffett bereichert. Der Verdacht: Insiderhandel.

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Warren Buffett hat Heinz Ketchup übernommen. (Bild: Keystone)

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Die US-Börsenaufsicht SEC verdächtigt bislang unbekannte Anleger, frühzeitig Wind von der Milliardenübernahme des Ketchup-Herstellers Heinz bekommen zu haben. Mit dem Insiderwissen sollen sie sich über ein Zürcher Konto der Bank Goldman Sachs um über 1,7 Mio. Dollar bereichert haben.

Das Konto wurde per Eilbeschluss gesperrt. Wer die Besitzer sind, ist allerdings unklar. «Die Beschuldigten in dieser Klage befinden sich entweder in Zürich, Schweiz oder sind über dortige Konten vorgegangen», heisst es im Gerichtsbegehren der SEC, das am Freitag in New York eingereicht wurde. Das Dokument liegt der Nachrichtenagentur SDA vor.

Call-Optionen platziert

Die Übernahme des amerikanischen Ketchup- und Suppenriesen H.J. Heinz für 28 Milliarden Dollar durch die Firma Berkshire Hathaway des berühmten Investors Warren Buffett und durch den Finanzinvestor 3G Capital war am Donnerstag bekannt gegeben worden.

Doch bereits am Mittwoch hatten die unbekannten Händler sogenannte Call-Optionen in grossem Umfang platziert: Sie reservierten sich für 90'000 Dollar das Recht, über 2500 Heinz-Aktien zum Preis von je 65 Dollar zu kaufen. Nach Ankündigung der Übernahme stieg die Aktie um über 20 Prozent auf gut 72 Dollar - ein Gewinn von über 1,7 Millionen für die Händler.

Der Auftrag in grossem Umfang fiel der Börsenaufsicht auf: Die Nachfrage nach solchen Optionsscheinen war davor minimal. Vom besagten Zürcher Konto wurden Heinz-Call-Optionen zudem noch nie in Auftrag gegeben.

«Höchst verdächtig»

Als «höchst verdächtig» bezeichnet die SEC die Bewegungen und führt im Gerichtsschreiben an: «Die Händler waren im Besitz wichtiger, nicht öffentlicher Informationen über das Übernahme-Vorhaben und haben sich illegal dadurch bereichert.»

Die SEC-Kommission hält den Richter dazu an, ein Verfahren gegen die Händler einzuleiten. Das Handeln mit den Heinz-Aktien soll ihnen verboten und alles unrechtmässige Einkommen beschlagnahmt werden. Dazu fordert die SEC das Gericht auf, nach eigenem Ermessen Strafzahlungen zu verhängen.

Der Richter in dem Fall ist in der Schweiz nicht unbekannt: Richter Jed Rakoff leitete die Verhandlungen im Fall der Bank Wegelin, die sich Anfang Jahr der Beihilfe zum Steuerbetrug schuldig bekannte. Rakoff hat die Börsenaufsicht in der Vergangenheit dazu angehalten, schärfer gegen Insiderhandel vorzugehen.

Sollte sich der Verdacht des Insiderhandels erhärten, wäre das insbesondere für Warren Buffett ein Schlag. Der 82-jährige Chef und Hauptaktionär der Investmentholding Berkshire Hathaway legt besonderen Wert auf saubere Geschäfte. Schon vor zwei Jahren trennte er sich wegen zweifelhafter Aktienkäufe von seinem wichtigen Manager und möglichen Nachfolger David Sokol.

Viele Eingeweihte

Das Problem bei den Ermittlungen nach dem möglichen Leck ist, dass es zahlreiche Mitwisser bei der grössten Übernahme in der Lebensmittel-Branche gab: beteiligte Anwälte und Banker, das Management von Heinz und die Seite der Käufer. Sie werden sich nun Fragen der Börsenaufseher gefallen lassen müssen.

(sda)