Thurella

08. September 2010 20:16; Akt: 08.09.2010 20:16 Print

Mostindien rappelt sich aufMostindien rappelt sich auf

von Othmar Bamert - Der Schweizer Getränkemarkt ist umkämpft. Thurella traf es hart. Der Hersteller streicht die Hälfte der Stellen und schrumpft sich nun gesund.

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Thurellas Weg aus der Krise: Schliessung der Abfüllanlage in Eglisau (links); Konzentration auf heimische Obst- und Gemüsesäfte (rechts). (Bild: Keystone)

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Eigentlich ist der Kanton Thurgau, das sogenannte «Mostindien», das Zentrum des Schweizer Feldobstbaus. Doch ausgerechnet dem dort ansässigen Hersteller Thurella geht es mies. Der Traditionsproduzent von Obst- und Gemüsesäften musste Anfang Monat wiederum einen Verlust von fast vier Millionen Franken ausweisen und schliesst, nachdem ein grosser Auftrag von Feldschlösschen ausblieb, den Abfüllbetrieb in Eglisau. Fast jeder zweite Arbeitsplatz fällt weg.

Expansionspläne gescheitert

Wie konnte es soweit kommen? Die Vergangenheit war verheissungsvoll: Thurella wurde 1900 in Tägerwilen als Obstverwertungsgenossenschaft gegründet. Als fleissiger Obstverwerter trug das Unternehmen viel dazu bei, dass der Thurgau noch heute «Mostindien» genannt wird. Seit 1944 beliefert das Unternehmen die Migros mit verschiedenen Obst- und Gemüsesäften.

Ab 1999 zündeten die Thurgauer den Expansionsturbo, übernahmen den Biosaft-Produzenten Biotta AG und die deutsche Gesa Gemüsesaft GmbH. 2006 ging Thurella an die Börse. Das zum Konzern ausgewachsenen Unternehmen stellt heute eine ganze Reihe von Obst und Gemüsesäften her und vertreibt als Handelsmarken den alkoholfreien Sekt «Rimuss», «Appenzeller Bier» sowie «Lipton-Eistee». Zudem ist Thurella der grösste Apfelweinproduzent der Schweiz und beliefert mit «Rittergold» Gastronomie und Detailhandel.

Preiskampf

Doch dann kam die Ernüchterung. Der Preiskampf in Europa nahm zu. Sich für andere Hersteller international als Abfüller anzubieten, sei praktisch ein Ding der Unmöglichkeit geworden, so Unternehmenssprecher Peter Stephani. «Die Abfüllpreise der EU decken zum Teil nicht mal unsere Materialkosten». Absatzseitig drücke vor allem die Konkurrenz der deutschen Discounter Aldi und Lidl auf die Margen.

Und auch die helvetischen Hersteller fechten zunehmend mit scharfen Klingen um Marktanteile im gesättigten Schweizer Markt. Konkurrent «Ramseier» aus dem Emmental rührt heuer zum hundertjährigen Firmenjubiläum Marketing mit der grossen Kelle an. Und die Mosterei Möhl im thurgauischen Arbon, die Nummer drei in der Schweiz, landete mit «Shorley» und «Swizly» Grosserfolge. Zudem war das Familienunternehmen werbeträchtig alleiniger Saftlieferant und Kranzsponsor am Eidgenössischen Schwingfest 2010 in Frauenfeld.

Hoffnung auf Bio-Säfte

Das ist hart für den einstigen Thurgauer Platzhirsch Thurella. Denn mit der finanziellen Rücklage herrscht auch Ebbe in der Marketing-Kriegskasse. Dies soll sich rasch ändern. Das Unternehmen besinnt sich zurück auf die bewährten ‚mostindischen Kernkompetenzen’, der Vermarktung von Obst- und Gemüsesäften. Zudem soll laut Stefani die Marke Biotta gefördert werden. Die Biosäfte haben offensichtlich Potenzial; bereist heute wird Biotta in 40 Länder weltweit exportiert. Ein neues Produkt ist geplant, der Konzernsprecher hält sich jedoch noch bedeckt, positioniert werden soll es «in Richtung Wellness», lässt er lediglich verlauten.

Nach den Restrukturierungsmassnahmen sieht Thurella das Glas also wieder halbvoll. So konnten 2010 die Margen von 32 auf 41 Prozent erhöht werden. Im nächsten Jahr soll wieder operativer Gewinn geschrieben werden. «Wir streben jetzt ein gesundes Wachstum an», so Stephani.

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