Gartenbau & Logistik

11. Juli 2017 21:10; Akt: 12.07.2017 14:03 Print

10 Franken pro Stunde für Ferienjob – ist das genug?

von P. Michel - Firmen bieten Schülern Ferienjobs mit Stundenlöhnen von zehn Franken an. «Dumping» oder gerechtfertigtes Gehalt für Ungelernte?

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Diese Woche haben in vielen Kantonen die langersehnten Sommerferien begonnen. Damit bricht für die Schüler nicht nur die Zeit der Erholung an. Gerade Oberstufen- oder Gymischüler nutzen häufig die freien Tage, um ihr Taschengeld mit Ferienjobs aufzubessern.

Umfrage
Finden Sie 10 Franken für einen Schüler-Ferienjob gerechtfertigt?
33 %
49 %
18 %
Insgesamt 9251 Teilnehmer

Die Angebote dazu auf den entsprechenden Stellenplattformen sind vielfältig: Rasen mähen, auf dem Bauernhof aushelfen oder Schulzimmer putzen.

Hast du diesen Sommer einen Ferienjob? Was verdienst du dort? Melde dich!

10 Franken Stundenlohn als Lageraushilfe

Unter den Job-Inseraten finden sich auch solche, bei denen der Lohn im Vergleich tief ausfällt. Ein Onlinehändler sucht etwa eine «Lageraushilfe» für fünf Wochen. «Du arbeitest für unseren Online-Shop in der Logistik und erhältst einen vielseitigen Einblick in unsere Arbeitsabläufe», heisst es in der Jobbeschreibung. Die Entschädigung für den Aushilfsjob: «Wir bieten einen Stundenlohn von 10 Franken», schreibt die Firma, die sich auf ihrer Homepage als Händler von Pflegeprodukten «zu unschlagbaren Preisen» empfiehlt.

Kein Einzelfall, wie ein Blick auf weitere Inserate im Netz zeigt: So sucht ein Veranstalter eines Ferienlagers Schüler, die als Betreuungspersonen arbeiten. Der Lohn: 50 Franken pro Tag. Und eine Gartenbaufirma bietet für einen 14-jährigen Schüler 9 Franken Stundenlohn.

Gewerkschafter: «Schüler werden ausgebeutet»

Für Thomas Zimmermann, Sprecher des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB), sind solche Stundenlöhne für einen Ferienjob «ein Skandal». «Die Schüler werden durch Dumping-Löhne ausgebeutet, und die Firma maximiert auf Kosten der Jugendlichen ihren Profit.» Laut Empfehlungen des SGB sollten Firmen, die Ferienjobs anbieten, für Schüler bis 16 Jahren einen Mindestlohn von 15 Franken pro Stunde bezahlen. «Auch Schüler haben Anspruch auf einen fairen Lohn», sagt Zimmermann.

Den Vorwurf, das Gewerbe beute jugendliche Ferienjobber aus, kontert Werner Scherrer, Präsident des Zürcher Gewerbeverbandes: «Ferienjobs dienen dazu, erste Arbeitserfahrungen zu sammeln und etwas Sackgeld dazuzuverdienen.» Da die Schüler oft keine Arbeitserfahrung mitbrächten und bei den Firmen Betreuungsaufwand entstehe, seien 10 Franken pro Stunde durchaus angemessen.

«Und für einen Schüler können ein paar hundert Franken, die er so während den Ferien verdienen kann, viel Geld sein», betont Scherrer. Er sei froh, dass es überhaupt noch Betriebe gebe, die den Aufwand für Schülerjobs auf sich nähmen. «Denn die Tradition der Ferienjobs im Gewerbe können sich aufgrund des Preisdrucks immer weniger Betriebe leisten.»

Firma krebst nach Kritik zurück

Nachdem 20 Minuten den Onlineversandhändler, der 10 Franken pro Stunde für die Stelle als Lageraushilfe bot, mit der Kritik konfrontierte, änderte die Firma die Ausschreibung. Die Höhe des Stundenlohns ist nun nicht mehr aufgeführt und die Beschreibung lautet «Schnupper-Job». Zudem wurde die Länge des Einsatzes gekürzt. Ursprünglich sollte der Schülerjob von Anfang Juli bis Mitte August dauern. Jetzt dauert der Einsatz zwei Wochen.

Der Onlinehändler erklärt, dass man keinen Ferienjob, sondern ein Schnupper-Praktikum ausschreiben wollte. Deshalb habe man sich an einem Lehrlingslohn orientiert, der sich gemäss Empfehlung von Berufsberatung.ch im Bereich Logistik in der Grössenordnung von 700 bis 800 Franken pro Monat für das erste Lehrjahr bewegt. Der gewährte Lohn entspreche damit «vollumfänglich dem von den massgeblichen Berufsberatungsorganisationen entwickelten Vorgaben, insbesondere da man den Schülern auch einen guten Einblick in den Beruf gewähren wolle».

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pasci am 11.07.2017 21:19 Report Diesen Beitrag melden

    Warum dumping?

    10.- Stundenlohn, dass sind 1600.- im Monat. Für ein Schüler aus meiner sicht angemessen, wenn nicht schon viel. Es gibt viele die haben X Ausbildungen und 10 Jahre Berufserfahrung und haben grad mal das doppelte. Die ach so armen Schüler nur 1600.-? vor 15 Jahren machten wir es noch für die Hälfte. Aber wenn jeder ein IPhone 7 für 800.- haben will und dazu noch Ballermann im August wirds halt knapp.

    einklappen einklappen
  • Wouter Corduwener am 11.07.2017 21:19 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr viel!

    40.- Fr am Tag ist mehr als ausreichend (bei wie angepriesen nur 4h Arbeit im Lager) Das sind auf einen Monat hochgerechnet 800.- CHF !!! Ich hatte im 1. LJ als Kaufmann 750.- und da muss die Qualifikation und das Alter höher sein. Gebt euch zufrieden, in der Lehre gibt es auch nicht mehr!

    einklappen einklappen
  • Realist am 11.07.2017 21:17 Report Diesen Beitrag melden

    Meine Meinung

    Sollen doch alle Kritiker gut bezahlte Ferienjobs anbieten.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Milow am 12.07.2017 23:42 Report Diesen Beitrag melden

    Früher bekam man mehr

    Hatte vor 25 Jahren mit 13 einen Stundenlohn von 13.- in der Gärtnerei dazu kam noch Trinkgeld. Da bekam man noch was für geleistete Arbeit. Und es kostete noch nicht alles so viel.

  • DoktorHelp am 12.07.2017 22:02 Report Diesen Beitrag melden

    SGB hat eine zu kurze Sicht

    Die Sicht von diesem Herrn vom SGB ist etwas kurz. Als Arbeitgeber ist es für mich kein Problem, 20 CHF/Stunde zu zahlen. Aber: Ein Stift verdient zwischen 400 und 600 CHF/Monat. Das sind zwischen 2.50 und knapp 3 Franken pro Stunde. Also müsste man mit dem Lehrlingslohn rauf. Das ist aber nicht sinnvoll, da eine Lehre nicht wegen dem "hohen" Lehrlingsgehalt, sondern wegen dem Interesse gewählt werden soll. Der Lohn kommt später. Also, ich würde sicher mehr bezahlen, aber dann habe ich ein Problem mit den Lehrlingen.

  • Laura am 12.07.2017 18:33 Report Diesen Beitrag melden

    Gutes Sackgeld

    Ich habe 5.- in der Stunde (im Sozialen) verdient und fand das damals sehr viel. Danach habe ich 10.- in der Stunde beim Babysitting verdient. Ich finde das okey, da es für ein Sackgeldaufbesserung gedacht ist und nicht fürs überleben.

  • Mammaleone am 12.07.2017 17:43 Report Diesen Beitrag melden

    Tagesmütter

    Brdenkt mal: Es gibt tagesmütter die Kinder für 5.- pro Stunde betreuen.

    • Mish am 12.07.2017 18:00 Report Diesen Beitrag melden

      Da stimme ich Ihnen zu ...

      Meinen vollen Respekt an alle Tagesmütter (Auch meine Mutter arbeitet als Tagesmutter). Die Löhne der Tagesmütter sollten meiner Meinung nach schon lange angepasst werden. Für die Arbeit, die sie leisten, ist der Lohn nicht fair. Trotzdem bin ich der Meinung, dass ein Studenlohn bei einem Ferienjob von 10 Franken oder weniger für z.T. körperliche Arbeiten auch nicht ganz fair ist.

    • Lexie am 12.07.2017 18:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mammaleone

      Das ist schon sehr wenig. Aber wenn ich den ganzen Ablauf für mein eigenes Kind sowieso schon eingeplant hatte, ist der Aufwand natürlich nicht gleich gross.

    einklappen einklappen
  • Tolle Jugenderinnerung am 12.07.2017 17:27 Report Diesen Beitrag melden

    1983 14 Jahre Jung = 16.- Stundenlohn

    Damals auf dem Bau habe ich mir mein Mofa so verdient. habe von Morgens um 07:00 bis 12:00 und von 13:00 bis Abends um 17:00 mit einer Freude hart gearbeitet. Das 4 Wochen lang. Ich war so Stolz und Glücklich das ich mir mein Mofa Puch Condor 2gänger selber Finanziert konnte, mit dem Rest Kaufte ich mir noch einen Plattenspieler und einen Verstärker und alle Kiss, Judas Prist und Motorhead Alben die ich finden konnte. :D Let's Rock. :D Vielen Dank nochmals im nach-herein meinen Tollen Freien-Arbeitgeber.So Arbeitete ich jede Ferien, nur um mir die Vinyl-Sammlung zu erweitern und für Konzerte:)