Sexismus-Vorwürfe bei Fahrdienst

12. Juni 2017 21:46; Akt: 13.06.2017 22:13 Print

Uber-CEO Kalanick nimmt Auszeit

Nach schweren Anschuldigungen sieht sich der Fahrdienst gezwungen, Massnahmen zu ergreifen. Travis Kalanick durchlebt eine persönliche Tragödie.

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Die Entscheidung für einen Urlaub ist ihm selbst überlassen: Uber-Chef Travis Kalanick an einer Konferenz in Peking (11. Januar 2016) (Bild: Keystone)

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Uber-Chef Travis Kalanick nimmt nach massiven Turbulenzen bei dem Fahrdienst-Vermittler eine Auszeit. Der 40-Jährige Mitgründer kündigte das in einer E-Mail an die Mitarbeiter am Dienstag an. Ein Zeitraum wurde dabei laut US-Medienberichten nicht genannt. Zuvor war von einem dreimonatigen Urlaub die Rede gewesen.

Kalanick durchlebt zudem gerade eine persönliche Tragödie: Seine Mutter starb vor wenigen Wochen bei einem Bootsunfall, sein Vater wurde dabei schwer verletzt. Der Uber-Chef verbringe deswegen derzeit viel Zeit mit seinem Vater, hiess es in Medienberichten.

Massnahmen-Paket für Wandel

Nach der Untersuchung zu Sexismus-Vorwürfen bei Uber soll ein Massnahmen-Paket für Wandel sorgen. Details hält der Fahrdienst noch zurück – aber laut Medienberichten könnte ein Topmanager gehen.

Die Vorschläge der Untersuchungskommission unter Leitung des früheren US-Justizministers Eric Holder seien einstimmig verabschiedet worden, erklärte der Fahrdienst-Vermittler nach den Beratungen in der Nacht zum Montag. Ihr Inhalt solle aber zunächst am Dienstag der Belegschaft vorgestellt werden.

Urlaub als Bestrafung

Am Sonntag hatte es in Medienberichten geheissen, Uber-Chef Travis Kalanick könne für drei Monate beurlaubt werden. Der Verwaltungsrat habe zwar darüber gesprochen, aber die Entscheidung Kalanick selbst überlassen, berichtete das «Wall Street Journal» unter Berufung auf informierte Personen.

Ein mehrmonatiger Urlaub für Kalanick könnte ausserhalb des Unternehmens auch als Bestrafung aufgefasst werden. Zudem wäre unklar, wie in dieser Zeit die Führung bei Uber geregelt werden soll.

Kalanick-Vertrauter geht

Unterdessen verlässt Topmanager Emil Michael, ein enger Vertrauter Kalanicks, das Unternehmen, wie das «Wall Street Journal» unter Berufung auf eine E-Mail an die Mitarbeiter berichtete. Demnach blieb in der E-Mail offen, ob Michael sich selbst zurückzog oder dazu gedrängt wurde.

Sein Abgang war in Medienberichten als eine Massnahme im Bericht der Holder-Kommission genannt worden. Michael stand bereits seit 2014 in der Kritik, nachdem er in einem vermeintlich vertraulichen Gespräch darüber fantasiert hatte, wie man das Privatleben einer kritischen Journalistin ausforschen könnte.

Uber und Kalanick gerieten in den vergangenen Wochen immer stärker unter Druck. Das wegen seiner aggressiven Firmenkultur und Wachstumsstrategie berüchtigte Unternehmen musste eine tiefgreifende Untersuchung einleiten, nachdem eine ehemalige Software-Entwicklerin von sexuellen Belästigungen und Diskriminierung berichtete.

20 Mitarbeiter entlassen

Unter anderem schrieb sie, ein Vorgesetzter habe Sex von ihr gewollt – und sei unbestraft geblieben, nachdem sie das gemeldet habe. Die Ermittlungen wurden vom ehemaligen Justizminister Holder geleitet, der heute bei einer Anwaltskanzlei arbeitet. In einem ersten Schritt waren rund 20 Mitarbeiter entlassen worden.

Mitgründer und Chef Kalanick musste sich zudem rechtfertigen, nachdem ein Video veröffentlicht worden war, in dem er hitzig mit einem Uber-Fahrer diskutierte. Kalanick versprach danach, künftig erwachsener zu agieren und in den vergangenen Monaten wurde nach einer starken Nummer zwei für ihn gesucht.

(kaf/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ruedi am 13.06.2017 15:53 Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch cool!!!

    Ich möchte auch mal einen Urlaub als Bestrafung von meiner Firma bekommen.

  • Cavi33 am 13.06.2017 22:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Politik gefragt, Staubsauger

    Diese Firma sollte man liquidieren, bringt keinen Mehrwert für die Angestellten die eigentlich eben keine Angestellten sind.

  • Mickey House am 13.06.2017 14:08 Report Diesen Beitrag melden

    Schleierhaft

    Langsam nimmt mich wunder, wie die ihre Angestellten und Mitglieder unter Kontrolle haben und an sich binden. Konnte bis jetzt keinen Vertragstext finden. Gibts da überhaupt eine Loyalität gegenüber Uber? Oder wenden sich die Kunden direkt an den Fahrer, ohne dass Uber es erfährt? Ist mir schleierhaft.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Pefferkorn am 16.06.2017 20:41 Report Diesen Beitrag melden

    Schelmerei

    Solche fragwürdigen Firmen vom Ausland sollte man schnellstmöglich unterbinden. Sie ruinieren unser System und ziehen andere an. Bitte Handschuhe ausziehen bei den Behörden. Solche Zustände bringen unser Land in Verruf. Könnte mir gut vorstellen dass hier auch keine Steuergelder einfliessen.

  • Johnny am 14.06.2017 16:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Uber vs Taxi

    ihr habt doch abgestimmt wegen 6 Wo Urlaub und zwar mit nein. Grund war kleinbetriebe die schliessen müssten. Kenne 5 Familienväter die nun arbeitslos sind wegen dieser uber. Tun alle so als würden sie wirtschaflich denken aber mal 15 Franken mehr zahlen geht nicht lieber für Bier ausgeben.

  • Claudio Ferrari am 14.06.2017 12:28 Report Diesen Beitrag melden

    Menschenverachtendes Unternehmen

    Das zeigte sich schon bei den "freien Mitarbeitern", den UBER-Fahrern, dass die Menschen Handelsware sind. Wir zeigen auf Pakistan, Indonesien, usw.. wegen der schlechten Arbeitsbedingungen. Aber so lange "freundschafliche" Länder/Personen beteiligt sind, ist es uns egal wie es den Angestellten geht. Wenn ich so Kommentare lese: "UBER ist viel besser als ein Taxi"

  • Cavi33 am 13.06.2017 22:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Politik gefragt, Staubsauger

    Diese Firma sollte man liquidieren, bringt keinen Mehrwert für die Angestellten die eigentlich eben keine Angestellten sind.

  • Ruedi am 13.06.2017 15:53 Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch cool!!!

    Ich möchte auch mal einen Urlaub als Bestrafung von meiner Firma bekommen.