Krankenkasse

16. August 2017 05:47; Akt: 16.08.2017 05:47 Print

Sind Pharma-Firmen schuld an hohen Prämien?

von P. Michel - Die Pharmabranche zahlt Ärzten und Spitälern Millionenbeträge. Der Verdacht: Damit werden die eigenen Medikamente beworben und die Kosten hochgehalten.

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Über zwei Millionen Franken überwies die Pharmaindustrie im letzten Jahr an das Inselspital Bern. Davon bezahlte etwa die deutsche Bayer für «Sponsoring» 241’930 Franken, und der Schweizer Konzern Novartis zahlte «Honorare» in der Höhe von 84'849 Franken. Und ein Basler Gynäkologe erhielt etwa letztes Jahr Pharma-Zuwendungen für Reisekosten, Tagungsgebühren und Honorare in der Höhe von insgesamt 70’538 Franken.

Insgesamt entrichteten Pharma-Firmen laut einer Auswertung der Stiftung Konsumentenschutz und der Recherche-Plattform Correctiv im vergangenen Jahr 155 Millionen Franken an Schweizer Ärzte, Spitäler und Gesundheitsorganisationen. Seit zwei Jahren veröffentlichen die Firmen unter dem Pharma­-Kooperations­-Kodex ihre Zahlungen an die einzelnen Empfänger auf ihrer Homepage. Allerdings müssen diese zustimmen. «Die freiwillige Offenlegung ist ein grosser Schritt hin zu mehr Transparenz», erklärt Interpharma-Sprecherin Sara Käch.

Für Ivo Meli, Leiter Gesundheit bei der Stiftung Konsumentenschutz, ist nach Sichtung der Unterlagen auf einer eigenen Datenbank hingegen klar: «Viele dieser Gelder dienen nur vordergründig der Förderung von Forschung und Weiterbildung. Tatsächlich betreibt die Pharma geschicktes Marketing für ihre Produkte.»

«Das geht in Richtung Korruption»

Meli führt ein Beispiel an: Eine Pharmafirma bezahlt Ärzten 300 Franken, wenn sie das Medikament der entsprechenden Firma verschreiben und dem Patienten dazu Fragen für eine Studie stellen. Diese sogenannten Anwendungsbeobachtungen würden aber kaum Nutzen für die Forschung bringen. «Das geht in Richtung Korruption», sagt Meli zu 20 Minuten.

Denn nun verschreibe der Arzt eher das Medikament, mit dem er 300 Franken dazu verdienen kann, und kein günstigeres Generikum. «Somit trägt die Pharmaindustrie dazu bei, dass die Gesundheitskosten Jahr für Jahr steigen.» In einer Umfrage von Comparis gaben 65 Prozent der Befragten an, dass die Medikamentenhersteller für die steigenden Krankenkassen-Prämien verantwortlich seien. Tatsächlich beläuft sich der Anteil der Medikamente an den Gesundheitskosten auf 9,1 Prozent.

Meli fordert neben einem nationalen Register, in dem lückenlos alle Geldflüsse dokumentiert werden, dass «die Pharma künftig nur noch Zahlungen leisten darf, die tatsächlich der Forschung, Entwicklung, Weiterbildung und weiteren sinnvollen Zielen zugutekommen». Alle anderen Gelder, die auf Marketing für die eigenen Produkte abzielen, müssten verboten werden.

Pharmaindustrie wehrt sich

Der Verband Interpharma weist die Kritik zurück, dass die Zuwendungen der Pharma die Gesundheitskosten in die Höhe treiben. «Der Gesetzgeber sowie der Pharmakodex verbieten Zahlungen und Anreize, um die Verschreibung gewisser Medikamente zu fördern», sagt Sprecherin Sara Käch.

Interpharma betont, dass die Zusammenarbeit zwischen Ärzten oder Universitätsspitälern und der Pharmaindustrie wichtig sei, um neue, wirksamere Therapien gegen schwere Krankheiten wie Krebs oder Multiple Sklerose zu entwickeln. Ebenfalls fänden die kritisierten Anwendungsbeobachtungen nur noch selten statt. «Und dass Forschungszusammenarbeiten und Beratertätigkeiten angemessene Vergütungen nach sich ziehen, ist nur sachgerecht», so Käch.

Würde ein Verbot die Qualität verschlechtern?

Ein Verbot gewisser Zuwendungen lehnt der Verband denn auch ab: «Das würde den wichtigen Austausch und die Zusammenarbeit verhindern und die Qualität des Schweizer Gesundheitswesen verschlechtern.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kingdingeling83 am 16.08.2017 06:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nimmt kein Ende

    Ist immer das selbe. Jetzt wirds wohl noch schlimmer wenn der Krankenkassen Lobbyist zum Bundesrat gemacht wird.

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  • Lebensarchitekt am 16.08.2017 06:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das eigentliche Problem ist...

    dass das Gesundheitswesen ein Big Business geworden ist, das in Wahrheit den Aktienbesitzern der Pharmaindustrie gehört. Daraus ergibt sich eine klare Prozesskette: Investment-Pharmaindustrie-Spital Arzt-Patient. Der Investor verangt möglichst hohen Gewinn, also versuchen die Pharmalobbysten Medikamente zu entwickeln, die lebenslang eingenommen werden müssen. Das verspricht hohen Gewinn.

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  • Mani Motz am 16.08.2017 06:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unnötige Bestechung

    Mich würde vor allem interessieren, wie viel an jene überwiesen wird, die nicht mit der Offenlegung einverstanden sind.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Zensenmaa am 16.08.2017 10:57 Report Diesen Beitrag melden

    Ich schmunzle

    Als ich genau das vor etwa 10 Jahren voraus gesagt habe, wurde ich noch ausgelacht und als Miesepeter abgestempelt. Und jetzt... Just my 2 Cents.

  • Daniel Friedrich am 16.08.2017 10:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Boni

    Natürlich ist die Pharmabranche mitschuldig an den hohen KK-Prämien! Nur schon die Boni ihrer Bosse belegen das!

  • Mike am 16.08.2017 10:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mir fehlen die worte

    Unser Finanz system fählt aus dem Ruder Die Armen immer Ärmer,die Reichen immer Reicher,das verhältniss passt auf keine seite mehr.. Wehre Toll wenn wir ja die Tolle Schweiz sind,so zu sagen: Freund und helfer für die ganze Welt...!!! Das es wenigstens uns allen die es Betrifft,die Kosten wider Abfallen würde.. Das ist nicht mehr tragbar Bitte Unternehmt da irgendwas.. Danke.

  • dani am 16.08.2017 10:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    korruption

    es braucht endlich eine einheitskasse. zusätzlich eine gehaltsobergrenze von ca. 500'000.- für bund und deren betriebe. würde eine initiative sofort unterschreiben

  • Fair Play am 16.08.2017 10:48 Report Diesen Beitrag melden

    Medikamente viel zu teuer in der Schweiz

    Ich wurde in Dresden DE im Spital behandelt und bezahlte für Ciprofloxacin Aristo 5 Euro. Ciproflocxacin Actavis kostete mich Fr. 44.65 im Schweizer Spital