Grossbank unter Beschuss

28. Juli 2012 16:42; Akt: 28.07.2012 17:00 Print

UBS als Hauptverdächtige in Libor-Affäre

Die UBS hängt offenbar tief im Libor-Skandal mit drin. Die Schweizer Grossbank soll zusammen mit der Royal Bank of Scotland und Barclays im Fokus der Ermittler stehen.

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Die UBS soll im Libor-Skandal eine wichtige Rolle gespielt haben. (Bild: Keystone/Alessandro Della Bella)

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Im Zentrum der Untersuchungen um Zinsmanipulationen stehen offenbar Händler von drei europäischen Grossbanken, wie aus Dokumenten, die die Nachrichtenagentur Reuters einsehen konnte, hervorgeht. Neben Barclays spielten offenbar die Royal Bank of Scotland und die UBS eine zentrale Rolle.

Bislang konzentrierte sich die Aufmerksamkeit hauptsächlich auf die britische Barclays, die als erstes Geldhaus ein Fehlverhalten einräumte. Mit den Aufsichtsbehörden aus Grossbritannien und den USA einigte sich die Bank auf eine Strafzahlung von knapp einer halben Milliarde Dollar.

Die drei Institute beschäftigten mehr als ein Dutzend Händler, die Referenz-Zinssätze in Dollar, Euro oder Yen beeinflussen wollten. Da einige dieser Händler für mehrere in den Skandal involvierte Banken gearbeitet haben, entstand offenbar ein Netzwerk, mit dem sich die Manipulationen mit jedem Arbeitsplatzwechsel weiter manifestierten.

Einer dieser Händler arbeitete beispielsweise von März 2006 bis Oktober 2009 bei Barclays. Derzeit hat er eine ähnliche Position bei UBS in den USA inne. Und zwei Händler bei der Royal Bank of Scotland sollen einem UBS-Kollegen bei der Manipulation des Zinssatzes Libor in Yen geholfen haben.

Kein Kommentar von den Banken

Keiner der in den Papieren genannten Händler war für eine Stellungnahme zu erreichen. Auch die Banken wollten sich nicht dazu äussern. Die UBS wolle sich weiterhin nicht zu dieser Angelegenheit äussern, sagte Peter Hartmeier, Leiter der Unternehmenskommunikation, am Samstag der Nachrichtenagentur SDA.

Bei den Ermittlungen geht es um den internationalen Referenz- Zinssatz Libor, den insgesamt mehr als ein Dutzend Banken in den Jahren 2005 bis 2009 zu ihrem eigenen Vorteil manipuliert haben sollen.

Der Referenzsatz wird einmal täglich in London in verschiedenen Währungen ermittelt und liegt quasi allen Finanztransaktionen am Markt zugrunde. Der Satz beruht auf den von den Banken gemeldeten Refinanzierungskosten.

Händler-Ringe oder Banken-Führungsebene

Rund um den Globus gehen Regulierer derzeit der Frage nach, ob einzelne Händler-Ringe hinter den Tricksereien stehen oder ob die Führungsebene in den jeweiligen Banken in die Vorgänge eingeweiht war.

Zu den Dokumenten, die Reuters einsehen konnte, gehörten Gerichtsunterlagen der kanadischen Regulierungsbehörden, Unterlagen zum Vergleich von Barclays mit dem Justizministerium und Aufsichtsbehörden in den USA und Grossbritannien sowie eine Privatklage eines früheren Angestellten der Royal Bank of Scotland in Singapur.

Anfang der Woche verlautete aus Justizkreisen, dass Ermittler in Europa und den USA vor den ersten Festnahmen von Händlern stehen. Die Anklagen würden vorbereitet.

(sda)