Euro-Hilfspaket

15. Juni 2017 22:12; Akt: 15.06.2017 22:17 Print

Griechenland erhält 8,5 Milliarden Euro

Durchbruch in Luxemburg: Die Eurogruppe hat sich auf die Auszahlung einer neuen Kreditrate für die Athener Regierung geeinigt.

storybild

Einigung nach zähem Ringen: Europa lässt die Griechen nicht im Stich. (11. Juli 2011) (Bild: Keystone/Petros Giannakouris)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Euro-Finanzminister haben eine Grundsatzeinigung über die Auszahlung frischer Hilfsgelder an Griechenland erzielt. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) sagte nach langem Zögern formal seine Beteiligung an dem Programm zu.

Euro-Gruppenchef Jeroen Dijsselbloem bestätigte am Donnerstagabend in Luxemburg nach dem Treffen die Einigung. Er sprach von einem «grossen Schritt nach vorn». Anvisiert ist ein Volumen von rund 8,5 Milliarden Euro aus dem Euro-Rettungsschirm ESM. Das Geld soll in mehreren Tranchen ausbezahlt werden.

Ein zähes Ringen

Monatelang hatte Griechenland mit seinen Gläubigern um die Auszahlung der nächsten Tranche aus dem seit 2015 laufenden Rettungsprogramm gerungen, für das bis 2018 bis zu 86 Milliarden Euro bereit stehen. Athen braucht spätestens im Juli etwa sieben Milliarden Euro aus dem ESM, um alte Schulden zu tilgen.

Athen hatte dafür zuletzt nochmals harte Sparmassnahmen auf den Weg gebracht – so hart, dass am Donnerstag in Athen wieder etwa 5000 Rentner auf die Strasse gingen.

Harte Reformen

Mit diesen Reformen zeigten sich die Gläubiger nun zufrieden. Doch gab es zuletzt noch Streit über die Beteiligung des IWF und Schuldenerleichterungen, die sowohl der IWF als auch Griechenland für unabdingbar halten. Dabei geht es jedoch lediglich um Streckung von Zins und Tilgung, nicht aber um eine Streichung von Schulden.

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble lehnte es aber strikt ab, schon jetzt Zusagen für solche Erleichterungen zu machen. Vielmehr berief er sich auf Abmachungen vom Mai 2016, dass man erst 2018 nach dem Ende des Hilfsprogramms darüber reden solle – sofern dies dann nötig ist. Die Prognosen, wie Griechenland dann dastehen wird, gehen derzeit weit auseinander.

Für den Kompromiss am Donnerstagabend wurde in einer Erklärung nun etwas genauer aufgeschlüsselt, welche Schuldenerleichterungen möglich wären, wenn sie denn 2018 gebraucht werden. Damit zeigte sich auch der IWF zufrieden, der die Lage in Griechenland pessimistischer einschätzt als die EU.

Wille zur Einigung

Bereits vor dem Treffen zeichnete sich ab, dass es wohl zu einer Einigung kommen würde. Griechenlands Finanzminister Euklid Tsakalotos sagte bei seiner Ankunft in Luxemburg, er sei «optimistisch». Auch Schäuble war vor der Verhandlungsrunde sehr zuversichtlich.

Der luxemburgische Finanzminister Pierre Gramegna verwies seinerseits darauf, dass Athen 136 von 140 Reformen umgesetzt habe, die Voraussetzung für die Auszahlung sind. «Ich würde sagen, dass Griechenland sein Soll erfüllt hat», sagte er. IWF-Chefin Christine Lagarde ging ebenfalls vorsichtig optimistisch in die Verhandlungen. Nach der Einigung der Euro-Gruppe mit Griechenland stellte sie eine Beteiligung an der Rettung des hoch verschuldeten Landes in Aussicht.

Sie habe die Absicht, dem IWF-Führungsgremium ein neues Griechenland-Programm zu empfehlen, hiess es in einer Erklärung Lagardes. Insbesondere Deutschland hatte auf die Teilnahme des Währungsfonds an der Griechenland-Rettung gedrungen.

(fal/sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fraz am 15.06.2017 21:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grexit und alles ist wieder gut!

    Mich würde mal interessieren woher die EU diese Milliarden, Milliarden immer nimmt. Die existieren doch gar nicht wirklich. Morgen schreibe ich eine Million auf einen Zettel. Kann ich mich dann Millionär nennen und entsprechend auch fiktives Geld ausgeben?

    einklappen einklappen
  • Cavi33 am 15.06.2017 21:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zum Zinsen zahlen

    Griechenland ist ein Agrar- und Ferienland. Die Schuldenlast können die gar nicht zurück zahlen selbst wenn alle Deutschen zweimal dort Ferien machen. Also kommt der Schuldenschnitt und daher muss die EU eigentlich gar nicht mehr über wenn und aber diskutieren. Entweder bekommen die zinslose Darlehen oder der ganze Schlamassel dauert noch 50 Jahre. Ö

    einklappen einklappen
  • W Goetze am 15.06.2017 21:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nutzlose Schenkung an die Griechen

    Alles Schauspielerei! Die Griechen haben noch nichts umgesetzt, nur in Angriff genommen. Es gibt keine Einsparungen. Hier wird des Bürgers Geld verschenkt, ohne dass der Bürger damit einverstanden ist.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sudi Rootli am 19.06.2017 18:10 Report Diesen Beitrag melden

    DI

    Das Griechische Volk bekommt davon keinen einzigen EURO. Es geht dabei nur um die Rettung der Banken, die Jahrzehnte faule Kredite verschenkt haben damit die Reichen noch reicher werden ...

    • Barbara S. am 23.06.2017 10:07 Report Diesen Beitrag melden

      So ist es ...

      deshalb gibt es auch keinen Schuldenschnitt. Die Privatisierungswelle in Griechenland ist diesem Staat dann auch nicht dienlich.

    einklappen einklappen
  • Brenner Kurz am 19.06.2017 13:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fakten

    Das Hauprproblem ist, dass 3/4 von Europa bzw der EU marode ist, Brüssel hält sich nur noch am Leben indem duese Beamten Geld in ganz Süeuropa versenkt und jetzt kommt Zrump und hält glücklicherweise den Finger in die EU Winde und genau das mögen die EU Beamten nicht; sie werden immer mehr für ihr Versagen aufgedeckt.

  • MArtin am 19.06.2017 07:51 Report Diesen Beitrag melden

    Woher kommt das Geld ?

    JA pumpt noch weiter 100 Milliarden in dieses Land. Ihr seht es niemals wieder. Frage mich ehrlich gesagt wieviel Minus die EU seit beginn gemacht hat. Sind sicher schon in den Billionen Bereich gestossen.

  • Jürg Bertschinger am 19.06.2017 07:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld- (Drogen)süchtig ohne Perspektive.

    Griechenland kommt mir vor wie ein Drogensüchtiger der vorsorglich portionenweise mit Methadon zugedröhnt wird nur damit die EU nicht ihr kapitales Versagen in der Finanz- (Drogen) -welt eingestehen muss. Grexit wäre wohl das einzig Richtige. Aber entzieht mal einem Süchtigen das Methadon, dass kommt selten gut.

  • Sirol am 19.06.2017 05:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld verschwindet wieder

    Das geld verschwindet wieder in ca 2 wochen un dann ?