Stabilisierungfonds

30. Juli 2013 12:53; Akt: 30.07.2013 13:36 Print

UBS-Rettung spült 6 Milliarden in die Kassen

von Balz Bruppacher - Diese Rettung wird in die Finanzgeschichte eingehen: Statt eines Milliardenverlusts hat die Nationalbank mit den Schrottpapieren der UBS gegen 6 Milliarden Gewinn gemacht.

Jetzt geht alles schneller als gedacht. Noch im März 2013 betonte SNB-Präsident Thomas Jordan: «Abgerechnet wird erst am Schluss, wenn der gesamte Kredit zurückbezahlt ist.»

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«Wir sind da für die Ewigkeit», sagte der damalige Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Jean-Pierre Roth, am 16. Oktober 2008. Es war der Tag, an dem Bund und Notenbank der UBS in einer beispiellosen Rettungsaktion unter die Arme griffen und 68 Milliarden Franken bereitstellten. Die Ewigkeit dauerte bloss fünf Jahre. Und sie geht genauso beispiellos zu Ende.

Mit einem Gewinn von voraussichtlich rund 6 Milliarden Dollar für den Stabilisierungsfonds, in den die damals unverkäuflichen Aktiven der Grossbank ausgelagert worden waren. Der Bund hatte sein UBS-Engagement von 6 Milliarden Franken schon im August 2009 beendet – mit einem Gewinn von 1,2 Milliarden Franken.

Verlustrisiko von 35 Milliarden abgewendet

Von Gift- und Schrottpapieren und Gammelfleisch war die Rede, als die Nationalbank auf dem Höhepunkt der Finanzkrise die UBS von jenen Hochrisikoanlagen befreite, welche die Grossbank in den Abgrund zu reissen drohten. Das Verlustrisiko für die Nationalbank betrug damals 34,7 Milliarden Dollar. Die Bewirtschaftung des Auffangbeckens mit den faulen UBS-Papieren verlief aber viel besser als befürchtet.

Geholfen hat unter anderem der Anlagenotstand: Wegen der extrem tiefen Zinsen begannen die Anleger sukzessive wieder mehr Risiken einzugehen. Und griffen auch zu Wertpapieren, die auf US-Hypothekarkrediten basierten. Hinzu kam die Erholung des Immobilienmarkts in den USA. «Wir haben Aktiven, die sich fantastisch entwickelt haben, aber es gab auch Totalausfälle», sagte SNB-Präsident Thomas Jordan im letzten Frühling.

Abgerechnet wird im Herbst

Dass die Nationalbank schon jetzt zum Schlusspfiff ansetzt, kommt dennoch überraschend. Im März hatte Jordan von einem Rückkauf des Stabilisierungsfonds durch die UBS noch nichts wissen wollen. «Abgerechnet wird erst, wenn der gesamte Kredit zurückbezahlt ist», sagte er. Dies könnte in etwa zwei Jahren der Fall sein.

Vermutlich hat Jordan damals mit Absicht tiefgestapelt, um nicht falsche Hoffnungen zu wecken. Jedenfalls geht jetzt alles viel schneller. In Kürze dürfte das Darlehen der SNB an den Stabilisierungsfonds von ursprünglich 25,8 Milliarden Dollar getilgt sein. Dies ist auch der von Beginn an fixierte Zeitpunkt, in dem die UBS den Stabilisierungsfonds zurückkaufen kann. Die Grossbank will diesen Schritt im vierten Quartal dieses Jahres vollziehen. Dann kann sie die ungeliebten Staatskrücken definitiv zur Seite legen.

Auch UBS profitiert von Milliardengewinn

Klar sind die Bedingungen für den Rückkauf: Die erste Milliarde Dollar des Eigenkapitals des Stabilisierungsfonds geht an die SNB, danach wird je zur Hälfte zwischen SNB und UBS geteilt. Ende 2012 betrug das Eigenkapital 5,54 Milliarden Dollar – die Nationalbank hätte also 3,27 Milliarden Dollar zugute gehabt, die UBS 2,27 Milliarden Dollar.

Inzwischen hat sich das Eigenkapital weiter erhöht. Für das erste Halbjahr betrug der Gewinn des Stabilisierungsfonds 830 Millionen Dollar, wovon 316 Millionen Franken in das Konzernergebnis der SNB fliessen.

13 Milliarden Verlust auf Goldreserven

Das kann die Bilanz der Nationalbank allerdings nicht ausgleichen: Der Preissturz beim Gold riss im ersten Halbjahr ein tiefes Loch in die Jahresrechnung. Der Wert der 1040 schweren Goldreserven verringerte sich in den ersten sechs Monaten um 13,2 Milliarden Franken. Gelindert wurde der Verlust durch Aktien-Kursgewinne und einen leichten Anstieg von Euro und Dollar zum Franken. Unter dem Strich bleibt aber ein Minus von 7,3 Milliarden Franken im ersten Halbjahr.

Noch müssen Bund und Kantone nicht befürchten, dass sie dieses Jahr bei der Gewinnausschüttung der Nationalbank leer ausgehen. Zum einen verfügt die Nationalbank noch über eine Gewinnausschüttungsreserve von 5,3 Milliarden Franken. Zum anderen können Preisänderungen bei Gold und Devisen Ende Jahr wieder ein ganz anderes Bild ergeben. Allein im Juli hat sich der Verlust auf den Goldreserven um fast 4 Milliarden Franken verringert.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • toni am 30.07.2013 13:07 Report Diesen Beitrag melden

    Nörgler?

    Wo sind die Nörgler? Die Rettung der UBS war für ALLE Beteiligten eine absolute WIN-WIN Situation! Aber sicher gibt es Leute die an der Rettung von tausenden Jobs; damit noch 6 Milliarden Gewinn machen; und ein Schweizer Traditionsunternehmen retten viel auszusetzen haben...

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  • A. C. am 30.07.2013 16:10 Report Diesen Beitrag melden

    Aufruf

    Wo bleiben all diejenigen, die über Jahre hinweg unentwegt (und unappetitlich) behaupteten, dass die UBS den schweizerischen Steuerzahler Mrd. gekostet haben soll? Das Gegenteilige wäre wahrer.

  • g. sommer am 30.07.2013 14:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erfreulich

    Ich bin gespannt auf die Kommentare der SP und Grünen Umverteiler. Hoffentlich wissen sie noch, was sie seinerzeit bei der Rettung der UBS gesagt und provezeit haben. Wahrscheinlich nicht oder doch?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Emil S. am 31.07.2013 18:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das war ja wohl

    VIEL mehr Glück als Verstand. Ungerechtfertigte Lorbeeren.

  • Confidence am 31.07.2013 13:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lässt S. Ermotti machen

    Er wird das richten. Ich vertraue ihm.

  • A. C. am 30.07.2013 16:10 Report Diesen Beitrag melden

    Aufruf

    Wo bleiben all diejenigen, die über Jahre hinweg unentwegt (und unappetitlich) behaupteten, dass die UBS den schweizerischen Steuerzahler Mrd. gekostet haben soll? Das Gegenteilige wäre wahrer.

  • Tom Grassu am 30.07.2013 16:08 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Imageverbesserung

    ist das aber nicht, jetzt haben die UBS-Leute gemerkt, das mit diesen Papieren auch wieder Geld gemacht werden kann und wollen sie deshalb wieder haben. Eine Imageverbesserung wäre z.B. die, wenigstens teilweise, Rückzahlung der Verluste der Kleinanleger. Ich kenne da Fälle, wo 40'000 Chf, oder 20 % des Vermögens mit UBS eigenen Fonds plötzlich "verschwunden" waren.

    • Supermario am 31.07.2013 10:25 Report Diesen Beitrag melden

      Hä, träum weiter

      "Verschwunden" ist wohl diesbezüglich gar nichts. Anlegen ist nie ohne Risiko; welches Du in Kauf nehmen willst ist Dir ganz alleine überlassen. Gewinn ohne Verlustrisiko gibts nun mal nur in der Märchenwelt.

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  • M. Senn am 30.07.2013 15:48 Report Diesen Beitrag melden

    Pleitegeier

    Wer nicht so pessimistisch war, hat vor einem Jahr für knapp 10.- UBS-Aktien gekauft und bis heute damit 8.- (Buch-) Gewinn gemacht. Das ist die andere Seite!