Weg mit der Dose

20. September 2015 14:52; Akt: 20.09.2015 14:52 Print

Jetzt kommen Pepsi und Coca-Cola aus der Kapsel

Kapseln rein, Cola oder Pepsi raus: Das wird im nächsten Jahr Wirklichkeit. Funktionieren sollen die Getränkekapseln mit Maschinen von Sodastream.

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Nach dem Vorbild von Nespresso bringen Pepsi und Coca-Cola eigene Getränkekapseln auf den Markt. Pepsi hat sein System in den USA bereits lanciert. 2016 soll es auch in der Schweiz erhältlich sein. Es soll Büchsen und Flaschen bald überflüssig machen. Auch Coca-Cola arbeitet an einem System. Die Kapseln benötigen allerdings eine eigenen Maschine, mittels derer Cola und Co. zuhause selbst gemacht werden können. In der Schweiz hat Pepsi die Nase vorn, können deren Kapseln mit einem Sodastream-Automaten gezogen werden. Hierzulande besitzt jeder Fünfte einen solche Getränkemaschine. Erfunden hat Sodastream der Israeli Daniel Birnbaum. Die Idee dahinter ist klar: Süssgetröänke leiden seit Jahren unter einem Abwärtstrend. Denn sie sind sehr kalorien- und zuckerhaltig - und der Grund, warum Gesundheistpolitiker die Getränkeindustrie in die Pflicht nehmen. Süssgetränke seien schuld am Übergerwicht. Im Durchschnitt ist eines von sechs Kindern in der Schweiz fettsüchtig. Weltweit wird mit kohlensäurehaltigen Getränken ein Umsatz von 350 Milliarden Dollar gemacht. Das ist mit Abstand der grösste Markt. Bei in Flaschen abgefülltem Wasser kommen die Erlöse auf rund 200 Mililarden Dollar. Der Mineralwasserkonsum in der Schweiz ist mit 111 Litern pro Person jährlich stabil. Der Softdrink-Verbrauch sinkt dagegen seit den letzten Jahren. Er liegt noch bei 72 Litern pro Person. Abfüllanlage von Coca-Cola in Bolligen. Über die letzten zehn Jahre hat der Konzern den Zuckergehalt in seinen Getränken reduziert. Auch Rivella gehört zur Informationsgruppe Erfrischungsgetränke, der gegen staatliche Eingriffe lobbyiert. Präsident der Gruppe ist Lorenz Hess, BDP-Nationalrat.

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Die Nummer eins und zwei der Getränkebranche wollen den Markt revolutionieren und haben sich dabei von Kaffeekapseln von Nespresso inspirieren lassen. Das Ziel: Softdrinks auf Knopfdruck. Man schiebt zuhause die Kapsel in die Maschine, und auf Knopfdruck sprudelt kaltes Getränk mit Geschmack ins Glas. Nun sind erste Details zur 2014 kommunizerten Getränke-Offensive bekannt.

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Die Softdrinks kann jeder selber machen – vorausgesetzt, er besitzt eine entsprechende Maschine. In den USA hat Pepsi Homemade dieses Kapselsystem kürzlich lanciert. Kaufen kann man sie ab 2016 auch in der Schweiz. Der genaue Termin und die Preise stünden jedoch noch nicht fest, wie Sarit Kriege von Sodastream der NZZ am Sonntag erklärt.

Cola-Kapseln sind teurer

Günstig dürften die Kapseln nicht sein. In den USA kostet eine Pepsi-Kapsel 90 Rappen pro Stück – das ist fast doppelt so teuer wie die Kaffeekapseln der Marke Nespresso.

Konkurrent Coca-Cola zieht im September mit eigenen Kapseln nach. 1,25 Milliarden Dollar hat der amerikanische Getränkehersteller 2014 für zehn Prozent an Green Mountain Coffee, dem umsatzstärksten Kaffeekapsel-Hersteller der USA, gezahlt. Zusammen entwickelten sie das erste Kapsel-System für Kaltgetränke («Keurig Cold»). Die Maschine soll zwischen 200 und 300 US-Dollar kosten.

Die Cola-Kapseln sind teuerer als jene von Pepsico. Sie sollen zum Preis von 1 bis 1.29 US-Dollar erhältlich sein. Ob das Coca-Cola-System auch in der Schweiz zu kaufen sein wird, wollte eine Sprecherin nicht kommentieren.

Pepsi mit Maschinen im Vorteil

In der Schweiz hat Pepsico einen Vorteil. Hier besitzt jeder Fünfte ein Gerät von Sodastream. Coca-Cola-Maschinen drüften rund dreimal teurer sein. Cola-Chef Muhtar Kent ist dennoch optimistisch: «Die Maschinen werden schneller in den Haushalten Fuss fassen, als das bei Kapselkaffee der Fall war.»

Das Motiv hinter der Kapsel-Offensive ist offensichtlich: Die Kapseln sollen den Getränkemarkt revolutionieren und die Abwärtsspirale stoppen. Denn der Absatz von kalorien- und zuckerhaltigen Süssgetränken ist seit Jahren rückläufig. In der Schweiz wurden 2014 111 Liter Softdrinks getrunken.

Der Absatz an Limonaden und Co. ging laut dem Verband Schweizerischer Mineralquellen um 3,5 Prozent zurück. Pepsi hat dem Gesundheitsaspekt Rechnung getragen und den Kapselinhalt kalorientechchnisch reduziert: Ein halber Liter Kapsel-Pepsi kommt auf 100 Kalorien – halb so viel wie ein Pepsi aus der Flasche.

Kniffliges System

Das System hat jedoch seine Tücken. So sei es schwierig, den Geschmack genau hinzubekommen. Auch die kalte Temperatur zu erzeugen sei knifflig. Sorge macht Pepsi auch die Wartezeit, wie Pepsico-Chefin Indra Nooyi sagt. Die Maschine braucht 45 Sekunden, um das Getränk zuzubereiten. Eine Büchse habe man in drei Sekunden geöffnet.

Umweltschutz-Organisationen sind von dem Geschäftsmodell wenig begeistert. Jürgen Knirsch von bei Greenpeace spricht von einem «falschen Zeichen». Nicht dass Kapseln an sich schlecht wären – «besser als eine Getränkedose ist das immer noch». Wenn man aber auch die notwendigen Softdrink-Maschinen in die Umweltbilanz einrechnet, sagt Knirsch, sei die Mehrwegflasche jederzeit vorzuziehen.

Denn der Abfall ist bei den Kaffeekapseln der gewichtigste Nachteil: Zehn Milliarden Nespresso-Kapseln verkauft Nestlé pro Jahr weltweit. Bei einem errechneten Gehalt von 1,13 Gramm Aluminium pro Kapsel ergibt dies ein Gesamtgewicht von 11 300 Tonnen.

(cls)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roland Berlinger am 20.09.2015 15:06 Report Diesen Beitrag melden

    Dose vs. Glasflasche

    Cola, Coca Cola - das Original aus der Dose ist super. Nur die 2dl Glasflaschen toppen die Dosen!

  • Dosen-Groupie am 20.09.2015 15:00 Report Diesen Beitrag melden

    Weg mit der Dose?

    Niemals! Ich mag Cola aus der Dose. Die Qualität ist dort am besten. Feeling und Geschmack

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  • Tschamounna am 20.09.2015 15:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gute idee......

    die dose wird es sicherlich immer geben...... die idee ist gut, gibt weniger abfallvolumen.....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • WhatElse am 21.09.2015 20:34 Report Diesen Beitrag melden

    was für ein Umweltbewusstes

    Konzept :) - scheint ja richtig on 'vougue' zu sein.. als könnte man Aluminium im Garten anbauen.. Ich verstehe diese verschwenderische Welt nicht mehr.

  • Tia-Maria am 21.09.2015 16:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hahnenburger

    Ich trinke Hahnenwasser ! Als Diabetiker bleibt nicht viel anderes . Und die künstlich gesüßten Softdrinks schmecken grässlich und sind obendrein ungesund. Wir Schweizer haben so gutes Wasser!

  • FHuber am 21.09.2015 16:22 Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Zusatzstoffe

    "Eine Büchse habe man in drei Sekunden geöffnet." Ich warte lieber ca. fünf Sekunden und fülle mir ein Glas Wasser am Brünneli. Wir können uns Glücklich schätzen so gutes Wasser zu haben. Erfrischt, schont das Portemonnaie und gibt kein Abfall.

  • Manu am 21.09.2015 12:52 Report Diesen Beitrag melden

    Water what else`?

    Immer diese Statistiken ;) ich Trinke ca. 600L Mineralwasser pro Jahr und vermutlich nicht mehr als 20 (40x0.5L Fläschchen) Liter Süssgetränke ;)

  • A.s.D. am 21.09.2015 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    fraglich...

    Ob das wirklich schmeckt? (wenn man zwar die ganzen Zusatzcolas wie Zero, light und Grün vergleicht, spielts den Leuten wohl keine Rolle mehr) Mein Fazit; Ich bleibe beim altbewährten und originalen Coca Cola aus der Dose. Zucker hin oder her, ich mags süss und mache viel Sport, also ;-)