Chinas Parlament

01. März 2012 07:22; Akt: 01.03.2012 15:42 Print

Der Volkskongress der Milliardäre

Dürfen Politiker reich sein? In China zweifellos: Neben den Vermögen seiner Volksvertreter wirken die persönlichen Reserven westlicher Parlamentarier wie Notgroschen.

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Der Nationale Volkskongress an seiner Eröffnungssitzung 2011. (Bild: Keystone/Diego Azubel)

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Als ob China der Welt nicht schon genug Superlative beschert hätte, jetzt noch dies: Die 70 reichsten Abgeordneten des Nationalen Volkskongresses kamen im vergangenen Jahr zusammen auf ein Vermögen von 89.8 Milliarden Dollar. Das sind 11.5 Milliarden mehr als im Jahr zuvor. Diese Zahlen gehen aus dem «Hurun Report» hervor, der chinesischen Variante der «Forbes List». Zweifellos ist die chinesische Legislative damit das reichste Parlament der Welt. Und mit 2987 Abgeordneten übrigens auch das grösste.

«Bloomberg» hat versucht, die Zahlen einzuordnen: Allein der Mehrverdienst besagter 70 Abgeordneten 2011 übersteigt das Gesamtvermögen aller 535 Mitglieder des US-Kongresses, des Präsidenten und seines Kabinetts sowie der neun Richter am Obersten Gerichtshof. Der vermögendste US-Parlamentarier ist der 58-jährige Darrell Issa. Der Republikaner aus Kalifornien soll 700 Millionen Dollar schwer sein. In der grossen Halle des Volkes zu Peking reicht das gerade einmal für Platz 40.

Teil des Systems zu sein, bringt Vorteile

Der Vermögenszuwachs der chinesischen Elite veranschaulicht die enorme Kluft zwischen Arm und Reich und wie ungleich die Bevölkerung vom witschaftlichen Boom der vergangenen Jahrzehnte profitiert hat. Das Pro-Kopf-Einkommen im Reich der Mitte beträgt rund 2500 Dollar pro Jahr – ein Bruchteil der 37 500 Dollar, die ein Amerikaner durchschnittlich verdient.

Bleibt die Frage zu klären, ob Reichtum Voraussetzung oder Folge eines Sitzes im Nationalen Volkskongress ist. In seinen Reihen befinden sich laut dem «Hurun Report» Grossindustrielle wie der Getränke-Magnat Zong Qinghou sowie Baulöwin Wu Yajun, die bereits bei Antritt ihres parlamentarischen Mandats sehr reich waren.

«Die Reichen in China haben einen grossen Anreiz, Teil des politischen Systems zu werden», zitiert «Bloomberg» den China-Experten Victor Shih von der Northwestern University. Der Rechtsstaat sei immer noch «relativ schwach». Ein Sitz im Nationalen Volkskongress garantiere, dass man nicht ohne weiteres von einem geschäftlichen oder politischen Rivalen übervorteilt werde.

(kri)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Und wieviele Arme Leute die ausgebeutet werden von diesen Milliardären gibt es? Ist das überhaupt noch erstrebenswert so immens reich zu sein, wenn andere daneben vor Hunger sterben? – P. Kappert

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peschä am 01.03.2012 07:52 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz ohne Kapitalismus

    Dieser Artikel beschreibt ein eindrückliches Beispiel dafür, dass enorme Reichtumsunterschiede gerade auch - bzw. erst recht - ohne Kapitalismus auftreten. Weltweit erleben wir einmal mehr den Trend, dass sich eine kleine "Elite" immer mehr unter den Nagel reisst und der Rest auf der Strecke bleibt. Dieser Mechanismus ist freilich nichts neues, solche Muster gibt es seit tausenden von Jahren.

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  • Unwissender am 01.03.2012 14:03 Report Diesen Beitrag melden

    Wer kann mir helfen?

    Wieviele Parlamentarier hat dieses Parlament eigentlich?

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  • Daniel B. am 01.03.2012 07:56 Report Diesen Beitrag melden

    Der Echte

    Das ist der sehr strenge kapitalistische Kommunismus. Dieser teilt alles mit dem Volk....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Unwissender am 01.03.2012 14:03 Report Diesen Beitrag melden

    Wer kann mir helfen?

    Wieviele Parlamentarier hat dieses Parlament eigentlich?

    • Gert Weidenfeld am 02.03.2012 18:29 Report Diesen Beitrag melden

      wieviel Parlamentier im Volkskongrß?

      in der Regel sind 3000 Mitglieder für die Dauer von fünf Jahren gewählt, über Regionalparlemente, Minderheitenorganisationen, Militär etc.

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  • Thomas R. am 01.03.2012 13:36 Report Diesen Beitrag melden

    Was jetzt?

    Zwei "wunderbare" Systeme vereint. Nennt man das nun kommunistischer Kapitalismus oder kapitalistischer Kommunismus???

    • Holger am 01.03.2012 14:44 Report Diesen Beitrag melden

      Elitenkapitalismus

      Man nennt das Eliten- oder Kader-Kapitalismus. Der Kapitalismus ist nur für die Elite möglich. Ist ein offizieller Begriff. Der Rest ist ein sozialistisches Einparteiensystem.

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  • Urs Meier am 01.03.2012 13:09 Report Diesen Beitrag melden

    Westen soll nichts sagen

    Der Westen profitiert doch auch von der Globalisierung oder nicht? Der Preis des grossen Reichtums des Westens ist die Verarmung der afrikanischen, asiatischen und südamerikanischen Länder. Leute, das nennt man internationaler Wettbewerb und der Westen geht da als einziger Sieger hervor. Also fragt man sich, was die USA oder die Schweiz da bei der Kluft zw. Arm und Reich Chinas mitzureden haben.

  • Thomas Hinz am 01.03.2012 12:56 Report Diesen Beitrag melden

    Das nenn' ich einen Ameisenhaufen!

    Und bekanntlich hat's dort ja auch Königinnen bzw. Milliardäre...

  • Christian s. am 01.03.2012 11:13 Report Diesen Beitrag melden

    Der mensch ist ein Machttier

    der mesch ist nicht in der Lage eine Politische Gerechtigkeit zu erbringen darum sollte man das Regieren einem Programm überlassen das kein unterschied macht zwischen arm und reicht, nur Soziale gerechtigkeit als oberstes Ziel annimmt. Auch muss es jedem die Möglichkeit einer gewissen Lebensquallität einrmöglichen.

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